Weniger Fett und Zucker

Teure Light-Produkte mit Zusatzstoffen – wer davon profitiert

Abnehmen ist im Frühling "in" - auch mit Light-Produkten. Weniger Fett, Zucker, Kalorien - das klingt gut. Welche Inhaltsstoffe stattdessen für süßen, cremigen Geschmack sorgen.

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Von Autor/in Sebastian Schiller

Sie heißen „Balance“, „Zero“, „Fitline“ oder „legere“, versprechen „60 Prozent weniger Fett“, „weniger süß“ oder „ohne Zuckerzusatz“. Fast zu jedem Produkt im Supermarkt oder Discounter gibt es mittlerweile auch eine Light-Variante.  

Das kommt bei den Kunden an. Viele gehen davon aus, dass sie mit light-Produkten Fett oder Zucker einsparen und deshalb damit gesünder essen. 

Süß, cremig, lecker wie gewohnt - das erreicht die Nahrungsmittelindustrie bei Light-Produkten nur mit Ersatzstoffen, die ohne Fett und Zucker das vertraute Mundgefühl und den Geschmack erzeugen. Wie sollte man damit umgehen: vertrauen oder vermeiden? 

Wann Lebensmittel „light“ sein dürfen

Damit sich ein Produkt light nennen darf, müssen Fett oder Zucker um 30 Prozent reduziert sein. Das Entscheidende ist das „oder“. Warum, zeigt Ernährungsexpertin Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale. 

Der Light-Frischkäse von Exquisa hat 99 Prozent weniger Fett – das ist eine Menge. Aber dafür sind auch 16 Prozent mehr Zucker enthalten als im normalen Frischkäse.  

Expertin Sabine Holzäpfel beobachtet das häufiger. Sie sagt: „Es ist dann zwar fettreduziert, aber dafür ist der Zuckergehalt höher. Fett ist ein Geschmacksträger und sorgt auch für eine gute Konsistenz. Das muss dann irgendwie ersetzt werden.“ 

Das führe häufig dazu, dass fettreduzierte Produkte mehr Zucker enthalten als das Original. Die Expertin rät: „Deshalb ist es ganz wichtig, immer auf die Nährwerttabelle zu gucken - nicht nur das Fett zu vergleichen, sondern auch den Zuckergehalt und den Kaloriengehalt.“ 

Statt Fett: Zusatzstoffe für eine cremige Konsistenz

Trotz des zusätzlichen Zuckers hat der Light-Frischkäse 73 Prozent weniger Kalorien als der normale Frischkäse. Dafür enthält er aber auch zwei Zusatzstoffe, die im Original-Produkt nicht drin sind: die Verdickungsmittel Guarkernmehl und Carrageen.  

Die ARD-Verbraucher-Redaktion fragt beim Hersteller nach dem Grund für diese Zutaten. Das Unternehmen antwortet: „Ziel bei der Entwicklung unserer leichten Produkte ist es, trotz des deutlich reduzierten Fettgehalts eine möglichst ausgewogene, angenehme Geschmackswahrnehmung sowie eine streichfähige, cremige Konsistenz zu erzielen. Hierfür wird die Rezeptur entsprechend angepasst.“ 

Auch in vielen anderen Light-Produkten stecken Ersatz- und Austauschstoffe: Verdickungsmittel, Guarkernmehl, Säuerungsmittel, Methylcellulose, Xanthan, Carrageen oder Inulin.  

Verdickungsmittel, Ersatz- und Austauschstoffe – wie sie wirken

Die ARD-Verbraucher-Redaktion fragt nach bei der Ernährungswissenschaftlerin Professorin Barbara Lieder an der Universität Hohenheim. Sie zeigt uns, warum einige der Zutaten verwendet werden.  

Zum Beispiel die Kochcreme von Netto: Sie enthält nur 7 Prozent Fett. Zum Vergleich: Sahne hat einen Fettgehalt von rund 30 Prozent. Dafür stecken in der Kochcreme gleich fünf Austauschstoffe in der Flasche – Verdickungsmittel und Emulgatoren, wie zum Beispiel Xanthan.  

Professorin Lieder erklärt, wofür die Lebensmittelindustrie beispielsweise das Xanthan braucht. Wird es etwa mit Wasser gemischt, wird es dickflüssiger.  

Werden größere Mengen verwendet, ergibt das sogar ein schnittfestes Gel. So können Fett und damit Kalorien eingespart werden, ohne das cremige Mundgefühl zu verlieren.  

Können Fettaustauschstoffe schädlich für den Körper sein?

Die Ernährungswissenschaftlerin Professorin Lieder weiß: „Zum Beispiel wurde Carrageen in Zusammenhang mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gebracht. Wobei man sagen muss, dass die Hinweise aus den Studien eine sehr schlechte Beweislage dafür liefern. Dennoch, um auf der sicheren Seite zu sein, wird von den entsprechenden Fachgesellschaften empfohlen, dass Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen tendenziell eher auf bestimmte Stoffe wie zum Beispiel Carrageen verzichten sollten.“ 

Fettaustauschstoffe findet die Ernährungswissenschaftlerin insgesamt eher unbedenklich. Lecithin hat sogar positive Wirkungen auf Nerven, Leber und den Cholesterinspiegel. Also Entwarnung?  

Nicht wirklich, denn nur weil Lecithin zum Beispiel in Light-Chips steckt, sind sie nicht automatisch gesünder. Im Vergleich zu normalen Chips vom selben Hersteller Funny Frisch enthält die Light-Version zwar 60 Prozent weniger Fett, aber auch stolze 180 Prozent mehr Zucker. Deshalb sind es unter dem Strich nur 23 Prozent weniger Kalorien. 

Auf Nachfrage zum fast verdreifachten Zuckergehalt schreibt der Hersteller: „Während herkömmliche Kartoffelchips frittiert werden, backen wir die Ofenchips mit einer eigenständigen und nicht vergleichbaren Rezeptur im Ofen. Deshalb können Ofenchips und herkömmliche Chips grundsätzlich nicht miteinander verglichen werden.“ 

Im Kleingedruckten auf der Ofenchips-Verpackung vergleicht der Hersteller allerdings den reduzierten Fettgehalt selbst mit klassischen Chips.

Light-Produkte mit weniger Zucker: Was wirklich drinsteckt

Das Problem: Im Durchschnitt essen wir rund dreimal so viel Zucker, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für vertretbar hält. Zu viel Zucker erhöht das Risiko für Übergewicht, Diabetes und bestimmte Krebserkrankungen. Helfen hier die Light-Produkte, die mit weniger Zucker werben? 

Bei diesen Light-Produkten kommen Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe zum Einsatz. Ihr Versprechen: Süßer Genuss, ohne dick zu machen. Von diesen Stoffen braucht man oft nur einen Bruchteil, zeigt die Ernährungswissenschaftlerin Professorin Barbara Lieder. 

Um 50 Gramm Zucker zu ersetzen mit dem klassischen Zuckeraustauschstoff Isomalt, benötigt man etwa die doppelte Menge davon, um tatsächlich die gleiche Süßkraft zu erreichen. Vergleicht man einen Süßstoff wie beispielsweise Acesulfam K, davon braucht man nur vier kleine Löffel, um die gleiche Süße zu erreichen wie bei 50 Gramm Zucker. 

Der Vorteil bei den Zuckeralternativen: weniger Kalorien, weniger Einfluss auf den Blutzucker und sie sind zahnfreundlich. Doch die Sache hat einen Haken. 

Die Expertin erklärt: „Bei sehr hohen Zufuhrmengen können gerade die Zuckerersatzstoffe dazu führen, dass sie abführend wirken oder auch Blähungen verursachen und auch bei den Süßstoffen gibt es zugelassene Höchstmengen, die nicht überschritten werden sollten.“ 

Verbraucher erkennen das meist nur am klein aufgedruckten Warnhinweis: "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken". 

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Geld und Kalorien sparen – ohne zweifelhafte Zusatzstoffe

Und es gibt noch ein Ärgernis: Lebensmittel-Expertin Sabine Holzäpfel sagt: „Zum Teil sind diese Light-Produkte teurer als die Originale und da lohnt es sich zu fragen, ist das wirklich die beste Alternative. Denn auch Light-Produkte führen dazu, dass ich mich an einen intensiven, süßen, vielleicht auch aromatisierten Geschmack gewöhne und naturbelassene Produkte eher ablehne.“ 

Durch den Appetit auf Süßes essen wir möglicherweise sogar mehr von den teureren Light-Produkten. Ein gutes Geschäft für die Lebensmittelindustrie.  

Man gibt mehr Geld aus – und Kalorien sparen wir eher wenig. Deshalb lieber bei normalen Produkten auf die Menge achten. Das ist gut für die Gesundheit und den Geldbeutel.

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