Donaueschinger Musiktage | Werke des Jahres 2025

Alexander Khubeev: Garmonbozia

Für Ensemble. Uraufführung bei den Donaueschinger Musiktagen 2025.

Werkkommentar

Teilen

Stand

In David Lynchs "Twin Peaks" ist Garmonbozia die physische Manifestation von menschlichem Schmerz, Kummer, Angst und Leid. Gleichzeitig ist es eine metaphorische Substanz – eine Art spirituelle Nahrung, die von bösen Kräften zu sich genommen wird, die sich von den emotionalen und spirituellen Qualen der Menschen ernähren.

Wie so oft bei den surrealen Metaphern in Lynchs Universum ist all dies irrational – etwas, das nicht vollständig erklärt werden kann (und muss), sondern eher imaginiert oder gefühlt wird. Diese Idee einer symbolischen aber unbeschreibbaren Substanz wird zum Ausgangspunkt für eine musikalische Welt, die von einer ähnlich schwer fassbaren Logik bestimmt wird.

Die musikalische Sprache spiegelt diese surreale Landschaft durch eine ungewöhnliche Konstellation von instrumentalen Texturen wider. Das Ensemble ist in mehrere Klanggruppen unterteilt, von denen einige derart verändert oder ergänzt werden, dass die Grenze zwischen Vertrautem und Fremdem verwischt wird: Umgestimmte Melodicas mischen sich mit Akkordeon; mit Styropor präparierte Streicher erzeugen vor allem Multiphonics; Bläser werden mit Lockinstrumenten für die Bären- und Wildschweinjagd präpariert; und zusätzliche Objekte – Metallplatten, drei Meter lange Saiten, Plastikboxen – werden in das Ensemble integriert.

Dieses Stück steht nicht in direktem Zusammenhang mit Lynchs Universum, sondern eher mit dem kryptischen aber kraftvollen Konzept, das die Erforschung von Trauma, Dualität und dem metaphysischen Kampf zwischen Gut und Böse verstärkt.

English

In David Lynch's "Twin Peaks", Garmonbozia is the physical manifestation of human pain, sorrow, fear, and suffering. At the same time, it is a metaphorical substance – a kind of spiritual nourishment consumed by malevolent forces that feed on the emotional and spiritual torment of human beings.

As is often the case with the surreal metaphors in Lynch’s world, it is irrational – something that cannot (and need not) be fully explained, but rather imagined or felt. This idea of a symbolic yet ineffable substance becomes the starting point for a musical world governed by similarly elusive logic.

The musical language reflects this surreal landscape through an unusual constellation of instrumental textures. The ensemble is divided into several sound groups, some of which are altered or augmented in ways that blur the line between the familiar and the foreign: retuned melodicas blend with accordion; strings prepared with styrofoam produce primarily multiphonics; winds are prepared with hunting calls for bears and boars; and additional objects – metal sheets, three-meter-long strings, plastic boxes – are integrated into the fabric of the ensemble.

This piece is not directly connected to Lynch’s universe, but rather to the cryptic yet powerful concept that deepens the exploration of trauma, duality, and the metaphysical struggle between good and evil.