Meine Arbeit der letzten fast 20 Jahre basiert in erster Linie auf der Wiederholung und auf der Erforschung, in welcher Form die Wiederholung mein Leben auf andere, nicht-musikalische Weise beeinflusst. Eine dieser Wiederholungen sind wiederkehrende Träume, deren Inhalt sich zwar ändert, deren Themen aber oft ähnlich sind: gejagt oder verfolgt zu werden für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe, ein Ziel nicht erreichen zu können und so weiter. Als ich mit der Komposition dieses Stücks für Sarah Saviet und Joe Houston begann, hatte ich weder einen Plan noch ein Konzept im Kopf, aber im Laufe des Stücks wurde mir klar, dass ein Großteil der Musik, die ich ohne Plan oder Konzept geschrieben hatte, irgendwie mit dieser Art von Träumen zu tun hatte. Ich ging mit der Idee an das Werk heran, Tonleitern und Melodien zu erforschen, weil diese sonst in meiner Musik nicht vorkommen und ich etwas Neues ausprobieren wollte. Und ich nahm an, dass sich mir ihre «Bedeutung» später erschließen würde, was auch der Fall war.
Es gibt natürlich viele Arten von Wiederholungen. Ein tröstliches Lied, das ich immer wieder gerne höre, die ungewollte Wiederkehr einer traumatischen Erinnerung, von der ich mich nicht völlig befreien kann, oder die Schinderei eines Alltagsjobs, von dem ich für einen Großteil meines Erwachsenenlebens nicht loskam. Bei diesem neuen Werk hatte ich nun das Gefühl, dass die Wiederholungen, die ich schrieb, sich irgendwie "unvollkommen" anfühlen oder dass ich nie eine Lösung oder ein Ziel erreiche. Genau das war auch das Thema von Dutzenden von Träumen, die ich in meinem Leben hatte.
Ich wollte ein Stück von einer derartigen Länge schreiben, weil ich bei meinem früheren Stück "Reinvention of Romance" festgestellt habe, dass etwas mit meiner Wahrnehmung auf der Bühne passiert, wenn ich mehr als ungefähr 70 Minuten konzentriert spiele. Es wird irgendwie lockerer und "normaler" für mich, erreicht aber auch eine neue Art von Fokus, der nur über solch lange Zeiträume erzielt werden kann. In diesem Zusammenhang denke ich auch an meine wiederkehrenden Träume. Sie treten so häufig und über einen so langen Zeitraum auf, dass diese Träume, obwohl sie oft nervös und gelegentlich beunruhigend sind, für mich alltäglich geworden sind. Ich warte regelrecht auf sie.
Meine wiederkehrenden Träume finden immer früh am Morgen statt, kurz bevor ich aufwache, und sind oft sehr lebendig und manchmal luzide. Ich bin mir bewusst, dass ich träume, während ich den Traum erlebe. David Lynch hat einmal gesagt, dass das, was im Traum passiert, nicht weniger real ist als alles andere im Wachzustand; es hat alles mit Wahrnehmung zu tun, aber die eigene Realität wird im Traum einfach anders erlebt als im Wachzustand. Mein Ziel ist es nicht unbedingt, meine Träume zu analysieren, wie es ein Psychologe tun könnte. Es geht mir darum, die materiellen Qualitäten meiner Träume zu nehmen und sie in Form von Musik in einen neuen Kontext zu stellen. So kann ich sie auf eine andere Art und Weise und außerhalb von mir selbst erleben.
Programm der Donaueschinger Musiktage 2025
English
My work for the past nearly 20 years has been based primarily on repetition, often exploring the ways in which repetition affects my life in other, non-musical ways. One such repetition is that of recurring dreams in which the content of the dreams change but the themes are often similar: being chased or pursued for a crime I did not commit, being unable to reach a destination, and so forth. As I began writing this piece for Sarah Saviet and Joe Houston I had no plan or concept in mind, but as the piece went on I realized that much of the music I had written without any sort of plan or concept was somehow related to these types of dreams. I came to the work with the idea of exploring scales and melodies because these don’t appear in my music and I wanted to try something new and assumed their «meaning» would later be revealed to me, which turned out to be the case.
There are, of course, many kinds of repetition. Listening to a song I love over and over is comforting, the unwanted recurrence of a traumatic memory from which I cannot be fully freed, or the drudgery of a day job I was once unable to leave for much of my adult life, are not. In the case of this new work, I found the repetitions I was writing to feel somehow "unfulfilled", not ever reaching a resolution or destination, which is the subject of dozens of dreams I’ve had in my life.
I wanted to work at this long durational scale because I’ve found from my earlier piece "Reinvention of Romance" that something happens to my consciousness on stage when I go beyond 70 minutes or so of focused playing. It somehow becomes more casual and «normal» for me, but also reaches a new kind of focus that can only be achieved over such long durations. It is here I also think of my recurring dreams which are so frequent and span such a long period of time, that although these dreams are often tense and occasionally upsetting, their occurrence is now commonplace and expected for me.
My recurring dreams always take place early in the morning, just before I wake up, and are often extremely vivid and sometimes lucid in which I am consciously aware that I am dreaming while experiencing the dream. David Lynch once said that what happens in your dreams is no less real than anything else in your waking life; it is all consciousness but one’s reality is simply experienced differently in dreams than when awake. It’s not my goal necessarily to analyze my dreams as a psychologist might, but to take the material qualities of my dreams and place them into this new context as music, to experience them in a different way and outside of myself.
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- Konzert: The Blue Hour, Sarah Hennies, The Blue Hour für Violine und Klavier