In den letzten Jahren entwickelte ich Werke, die sich direkt auf Aspekte unserer gegenwärtigen sozialen Agenda beziehen. Jedes der Stücke wurde um Themen herum entwickelt wie Gefährdung und Sicherheit, soziale Solidarität, der Suche nach dem "Import" von Spiritualität, Wellness und persönlichem Glück. Die Stücke untersuchen die aufgeklärte, westliche Identität des Individuums und die Bedingungen, die es formt, um einen Dialog mit anderen Individuen oder Gruppen zu führen. Dabei finde ich die Gegenwart dieser Themen in Klängen und Musik, die von der europäischen Instrumental- und Vokaltradition bis zu den gegenwärtigen Massenmedien und den uns umgebenden Klängen reichen. Diese Stücke komponiere ich gewöhnlich mit aufgenommenen Klängen (manchmal auch mit Video und performativen Elementen).
"Crowd of Ears: the lament of V. Pollard" befragt den Ausdruck des Individuums, seine Ideen, Konzepte oder Gefühle, wie sie das Fundament der meisten westlichen künstlerischen Arbeit in den vergangenen Jahrhunderten, insbesondere in Europa und in seiner Musik seit dem 18. Jahrhundert, herausgebildet haben. Das Stück wendet sich an das moderne Individuum in seiner Zerbrechlichkeit, seinen Ängsten, Aggressionen, Ausdrucksschwierigkeiten und seinem Unwillen, sich selbst als Teil einer Gruppe zu begreifen, um Macht und Grenzziehungen durchzusetzen. Was bietet das freiheitliche Individuum in oder für eine öffentliche Sphäre an? Welche Art von Dialog setzt es voraus? In welchem Maß sind wir eine Masse von Ohren, denen wir unsere Empfindsamkeiten, unser Bewusstsein und unsere Unsicherheiten als Selbstzweck darbieten? Gibt es nicht andere Aspekte von Bedeutung? Und warum fürchten wir uns vor Gruppierungen, die nicht auf der Idee der individuellen Freiheit basieren?
"Ich dachte darüber nach, schwarz zu tragen (zu Michels Beerdigung), aber ich entschied mich für marineblau. Du weißt, er hasste Schwarz, er hatte nicht einmal ein paar schwarze Schuhe... Er sagte, dass all das Schwarz die westliche Zivilisation in der Trauer um sich selbst ist. Er konnte das nicht ausstehen. Er hatte nichts zu trauern, er wollte nicht trauern. Das pflegte er zu sagen."
Aus "Bliss" von Ronit Matalon
- Festivaljahrgänge
- Donaueschinger Musiktage 2012
- Themen in diesem Beitrag
- Eliav Brand, Crowd of Ears: the lament of V. Pollar für Frauenstimme, Ensemble und aufgenommene Klänge