Donaueschinger Musiktage | Werke des Jahres 2025

Imsu Choi: Miro

Für Orchester. Uraufführung bei den Donaueschinger Musiktagen 2025.

Werkkommentar

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Stand

Der Titel des Stücks, Miro (미로), geht auf ein koreanisches Wort zurück, das "Labyrinth" bedeutet.

In den letzten Jahren habe ich Klangmaterialien gesammelt, mit denen ich gerne arbeite, wie Infraschall, Beats (mit oder ohne Tonhöhe), kleine Cluster wie sich verschiebende Atome und harmonische Texturen wie sich ausbreitendes Licht. Ich versuche, diese Ideen und Materialien auf meine eigene dramatische Weise zu organisieren, mit Kontrasten zwischen Makro- und Mikrobewegungen sowie horizontalen und vertikalen Aspekten.

Da mich vor allem die verschiedenen Klangfarben, die ich erzeugen kann, reizen (sei es mit Soloinstrumenten, in Kammermusik oder Ensemblewerken usw.), habe ich festgestellt, dass das Orchester für mich eine ideale Farbpalette bietet. Deshalb habe ich versucht, zwischen verschiedenen musikalischen Ideen und unterschiedlichen Klangsituationen zu navigieren, wie zum Beispiel zwischen einem kraftvollen Klang und einem leichten, zarten, sogar zerbrechlichen Klang, aber auch zwischen perkussiven, granulierten Klängen und harmonisch strukturierten Klängen. Das Orchester kann wie ein einziger riesiger Organismus atmen, andererseits kann es eine transparente Textur mit Mikrobewegungen darin erzeugen. Diese Ideen verwandeln und entwickeln sich im Laufe des Stücks weiter und schaffen schwebende und sich verändernde harmonische Texturen.

Manchmal denke ich, dass das Komponieren wie das Finden eines Weges durch ein Labyrinth ist, während man selbst Daidalos ist. Man artikuliert verschiedene Elemente, entfaltet nach und nach Ideen und führt einen musikalischen Zustand in einen anderen durch kaleidoskopische musikalische Momente.

English

The title of the piece, Miro (미로), comes from a Korean word which means "labyrinth".

Over the past few years, I've been collecting sound materials that I enjoy working with, such as infrasound, beating sounds (with or without pitch), small clusters which sound like shifting atoms and harmonic textures reminiscent of expanding light. I have tried to organize these ideas and materials in my own dramatic way, with contrasts between macro-micro movements and horizontal-vertical aspects.

Since I am very much interested in the different timbres I can create (whether with solo instruments, in chamber music, or ensemble works, etc.), I've found that the orchestra provides an ideal palette for me. Therefore, I've tried to navigate between different musical ideas and sound situations, such as between a powerful sound and a light, delicate even fragile sound, and also between percussive, granular sounds and harmonically textured sounds. The orchestra can breathe like one massive organism, and at the same time, it can create a transparent texture containing micro-movements within. These ideas transform and evolve throughout the piece, creating floating and shifting harmonic textures.

Sometimes I think that composing is like finding a way through a labyrinth, while being Daedalus yourself – articulating different elements, gradually unfolding ideas and leading from one musical state into another by means of kaleidoscopic musical moments.