Zwei Kinos, zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle: Beim Central Kino Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis) betreibt ein ehrenamtlicher Verein das Dorfkino, während die Planken Lichtspiele auf Luxus-Ambiente setzen. So versuchen beide auf ganz unterschiedliche Weise der wohl größten Herausforderung der Kinobranche zu begegnen: den Streaming-Diensten. Ein Gespräch im Gläsernen Studio auf dem Maimarkt mit den zwei Kinobetreibern und dem Filmemacher Mario di Carlo - geführt von SWR-Reporter Luis Manzi.
Ein Team von Ehrenamtlichen egangiert sich im Central Kino Ketsch
Mehr als 200 Ehrenamtliche hat das Central Kino Ketsch. "Ohne sie wäre es nicht möglich, das Kino zu führen", weiß Doris Steinbeißer vom Vorstand des Kinos. Das Dorfkino ist kein gewöhnliches Programmkino, sondern zeigt auch Arthouse-Filme und Dokumentarfilme. Beim Zielpublikum - in erster Linie sind das Familien und ein älteres Publikum - komme das gut an, sagt Steinbeißer. Denn die Leute aus Ketsch wollen demnach nicht weit fahren, sondern möglichst oft ins Kino.
"Für mich sind solche Kinos ein Traum", sagt Filmemacher und Regisseur Mario di Carlo. Besonders sei im Kino Ketsch nämlich die persönliche Begegnung. Nach seinem Film "Als ob die Welt tanzt" habe er sich mit dem Publikum über seinen Dokumentarfilm unterhalten können.
Mit Luxus ins Kino locken: Die Planken Lichtspiele
Seit knapp 75 Jahren gibt es die Planken Lichtspiele in Mannheim. "Kino war und ist immer im Wandel", sagt Geschäftsführer Oliver Lebert - gerade im Zeitalter von Streaming-Diensten. Ihmzufolge sei es an der Zeit, dass Filmschauende wieder mehr verwöhnt werden müssten. Er setzt deshalb auf ein luxuriöses Kinoerlebnis: "Unser Ziel ist es mit dem Luxus und den bequemen Sesseln ältere Generation und Familien anzusprechen, damit sie sich wohlfühlen." Es bräuchte aber auf jeden Fall beides: Kleinere Kinos wie das Ketsch und Luxuskinos wie die Planken Lichtspiele - je nach Zielpublikum, sagt Lebert: "Wir ergänzen uns."
Streaming-Dienste verändern die Kinolandschaft
Regisseur Mario di Carlo nimmt wahr, dass sich vor allem die Sehweise durch Social Media verändert: Im 30-Sekunden-Takt werden sich Videos angeschaut, mehrere Medienprodukte werden gleichzeitig konsumiert - Fernseher, Handy, Tablet. "Genau da könnte Kino einen Gegenpunkt setzen", sagt der Regisseur. So könne man zwei Stunden abschalten - "das Handy ausschalten, keine Ausrede, kein Telefonat, keine Ablenkung" - um sich auf eine filmische Reise zu begeben. Dieser Lagerfeuermoment, wenn Menschen ohne Ablenkung zusammenkommen, sei etwas, wofür ein Kino die perfekte Oase ist, sagt Mario di Carlo.