INHALT
Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
Festspielkalender
Service
TERMIN
Mittwoch, 6. Mai 2026, 19:30 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal
Sendung am Montag, 8. Juni 2026, 20:03 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
THE CLARINET TRIO ANTHOLOGY
Daniel Ottensamer Klarinette
Stephan Koncz Violoncello
Christoph Traxler Klavier
PROGRAMM
Michail Glinka
1804 – 1857
Trio pathétique für Klarinette, Violoncello und Klavier d-Moll
I. Allegro moderato
II. Scherzo. Vivacissimo – Trio. Meno mosso – Tempo I
III. Largo – Maestoso risoluto
IV. Allegro con spirito – Alla breve ma moderato
Marko Tajčević
1900 – 1984
Sieben Balkantänze
Bearbeitung für Klarinette, Violoncello und Klavier von Alojz Srebotnjak
I. Con Moto
II. Rustico
III. Vivo
IV. Sostenuto e cantabile
V. Allegro ritmico
VI. Allegretto
VII. Allegro quasi pesante
Nino Rota
1911 – 1979
Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier
I. Allegro
II. Andante – Tranquillo e uguale
III. Allegrissimo
PAUSE
Jörg Widmann
* 1973
Nachtstück für Klarinette, Violoncello und Klavier
Carl Frühling
1868 – 1937
Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier a-Moll op. 40
I. Mäßig schnell
II. Anmutig bewegt
III. Andante
IV. Allegro vivace
Traum oder Wirklichkeit?
Die Klarinette ist jung, erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie erfunden, und ihren Erfolg verdankt sie starken Impulsen starker Musiker. Anton Stadler, Franz Joseph Bähr und Richard Mühlfeld haben Mozart, Beethoven und Brahms inspiriert. Und der Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, Daniel Ottensamer, setzt Zeichen gegen das Vergessen. Gemeinsam mit dem Cellisten Stephan Koncz und dem Pianisten Christoph Traxler hat er sich auf die Spuren einer Gattung begeben, von der sich nur zwei Werke wirklich durchgesetzt haben: Beethovens Gassenhauer-Trio op. 11 und Brahms’ a-Moll-Trio op. 114.
Aber jetzt – Überraschung! Die Zusammenstellung von Klarinettentrios, die Ottensamer, Koncz und Traxler 2022 unter dem Titel The Clarinet Trio Anthology beim Label Decca herausbrachten, umfasst nicht weniger als sieben CDs mit 27 Werken, die auf sehr unterschiedliche Weise Geblasenes, Gestrichenes und Ertastetes im weiten Tonumfang von Klarinette, Cello und Klavier zusammenbringen. Einen Teil seiner Fundstücke präsentiert das Trio bei seinem Konzert im Schwetzinger Schloss.
Der Italiener Nino Rota ist vor allem mit Filmmusik bekannt geworden, und seine enorme Geschwindigkeit beim Komponieren unter anderem für die Regisseure Federico Fellini und Luchino Visconti trug ihm den Spitznamen „coniglio musicale“ ein, „musikalisches Kaninchen“. Rotas Leidenschaft indes galt der klassischen Musik. Seine Werke befinden sich nicht dort, wo man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die „Höhe der Zeit“ verortete, sondern klingen nachromantisch, tonal, melodisch. Das gilt auch für das 1973 entstandene Klarinettentrio: Allein der zwischen Klarinette und Cello aufgeteilte Gesang des Andantes ist wunderschönstes 19. Jahrhundert; drumherum, vor allem im Schlusssatz, herrscht eine fast zirzensische Virtuosität.
Auch im Trio pathétique von Michail Glinka ist der langsame Satz das Zentrum: Hier beweist die lange Klarinettenmelodie, wie stark den russischen Komponisten bei seiner dreijährigen Italienreise der italienische Belcanto, speziell die Opern Vincenzo Bellinis, beeindruckten. „Ma questo è disperazione!“, sollen die Musiker der Mailänder Scala ausgerufen haben, die das Stück 1833 gemeinsam mit dem Komponisten uraufführten – „welche Verzweiflung!“. Tatsächlich spiegelt das Stück, dessen Cello-Partie alternativ auch mit einem Fagott besetzt werden kann, die labile psychische Verfassung Glinkas in jenen Jahren wider – und, im triumphierenden Finale, die Hoffnung auf Besserung.
Marko Tajčević lehrte 16 Jahre lang als Kompositionsprofessor in Belgrad und hat überwiegend Klavierwerke hinterlassen. Spätromantischer Tonfall und südslawische Folklore fließen ineinander. Die Sieben Balkantänze von 1926 sind sein berühmtestes Werk; das Arrangement für Klarinettentrio stammt vom slowenischen Komponisten Alojz Srebotnjak. Prägend sind unregelmäßige Zeitstrukturen – besonders auffällig im fünften Tanz, der kapriziös zwischen 4/8-, 5/8-, 3/8-, 7/8- und 3/4-Takt wechselt. Außerdem hören wir eine serbische Hirtenflöte (im ersten Tanz), Rondo, Gesang und einen ziemlich trampeligen Bauerntanz (Nr. 2).
Auch von dem in Lemberg (Lwiw) geborenen Österreicher Carl Frühling kennt man heute vor allem ein einziges Stück, und das ist in diesem Konzert zu hören. Als Pianist, Musiklehrer und Komponist hat Frühling vor allem in Wien gewirkt, wo er 1937 in Armut starb. Das viersätzige Trio op. 40, im Jahr 1925 gedruckt, aber wohl schon früher entstanden, ist hörbar von Brahms inspiriert, ein wenig auch von Wagner. Im ersten Satz übernimmt die Klarinette immer wieder die Basslinie – ein ungewöhnlicher Effekt. Der zweite Satz, in dem uns Wiener Walzer und Ländler begegnen, verweist auf die Nähe der Klarinette zur Volksmusik vor allem im östlichen Europa.
Jörg Widmanns Nachtstückentstand 1998 und klingt, als würde hier jemand gerade die Gattung Klarinettentrio erfinden. Widmann ist selbst Klarinettist, das kann man deutlich hören, und er lässt uns am Prozess des Komponierens teilhaben. Die drei Instrumente tasten einander ab, berühren sich, behaupten sich, setzen sich in Szene, spielen mal ein bisschen jazzig, mal mechanisch, mal mit weichem Gesang. In der Klarinette fließen Atem und Klang zusammen. Und zwischendurch verrinnt die Zeit. Die zwölf Mitternachts-Schläge einer Kirchturmuhr tönen dumpf aus dem Flügel. Es ist dunkel. Wir schließen die Augen und dringen mit Widmann ein ins Innere der Klänge. Ist das ein Traum oder Wirklichkeit?
INTERPRET:INNEN
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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda