22. Mai 2026, 19:30 Uhr

Lea Desandre · Jupiter · Thomas Dunford

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Interpret:innen
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TERMIN

Freitag, 22. Mai 2026, 19:30 Uhr
Schloss Schwetzingen, Rokokotheater

Einführung
Susanne Benda im Gespräch mit Thomas Dunford
18:30 Uhr, Kammermusiksaal

Sendung am Sonntag, 31. Mai 2026, 12:30 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de

BESETZUNG

JUPITER
Thomas Dunford
Laute, musikalische Leitung
Lea Desandre Mezzosopran
Louise Ayrton Violine
Augusta McKay Lodge Violine
Anna Sypniewski Viola
Cyril Poulet Violoncello
Ismael Campanero Kontrabass
Violaine Cochard Cembalo, Orgel
Keyvan Chemirani Perkussion

PROGRAMM

Claudio Monteverdi
1567 – 1643
„Sì dolce è’l tormento“,
Arie, SV 332

Girolamo Frescobaldi
1583 – 1643
„Se l’aura spira tutta vezzosa“
aus: Primo libro d’arie musicali

Giovanni Girolamo Kapsberger
um 1580 – 1651
Toccata sesta

Joan Ambrosio Dalza
2. Hälfte 15 Jh. – nach 1508
„Calata ala Spagnola ditto terzetti“

Georg Friedrich Händel
1685 – 1759
„Lascia ch’io pianga“,
Arie der Almirena aus „Rinaldo“. Opera seria in 3 Akten HWV 7

Andrea Falconieri
1585 – 1656
„Folias echa para mi Señora Doña Tarolilla de Carallenos“
aus: Primo libro di Canzone

Claudio Monteverdi
„Se i languidi miei sguardi“. Lettera amorosa,
Madrigal für Singstimme und Basso continuo, SV 141

Girolamo Frescobaldi
„Così mi disprezzate“,
Aria di passacaglia
aus: Primo libro d’arie musicali per cantarsi

Toccata prima

Giovanni Girolamo Kapsberger
„Figlio dormi“
aus: Libro secondo di Villanelle

Georg Fiedrich Händel
„Ombra mai fu“
aus: „Serse“. Dramma per musica in 3 Akten HWV 40

Giovanni Girolamo Kapsberger
Toccata prima

Tarquinio Merula
1595 – 1665
Canzonetta spirituale sopra alla nanna
für Sopran und Basso continuo

Georg Friedrich Händel
„Verdi prati, selve amene“,
Arie des Ruggiero aus „Alcina“. Dramma per musica in 3 Akten HWV 34

Tarquinio Merula
„Folle è ben chi si crede“,
Lied für Singstimme und Instrumentalensemble

Ciaconna

Claudio Monteverdi
„Quel sguardo sdegnosetto“
aus: Scherzi musicali cioè arie et madrigali, SV 247

Die Liebe – ein seltsames SpielPROGRAMMTEXT

Klingende Liebesbriefe

Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht. Sie liebt ihn! Oder? „So süß ist die Qual, die im Herzen ich trage“, seufzt der Liebende in Claudio Monteverdis „Si dolce è’l tormento“. Sie liebt ihn nicht. Oder? „Wenn die grausame Schöne, die mich verwirrte, kein Mitleid empfindet, so kann es doch sein, dass sie in Reue und Pein, eines Tags nach mir seufzt.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt – das gilt ganz besonders für die Liebe, derer sich besonders gerne die Gefühlskunst Musik annimmt. Unzählige Klangwerke erzählen von Sehnsucht, Verlangen, Ekstase, Zärtlichkeit, Verlust und Eifersucht, und einen barocken Teil davon präsentieren die Mezzosopranistin Lea Desandre, der Lautenist Thomas Dunford und das Ensemble Jupiter in diesem Programm. Im Zentrum: Monteverdi, der ab 1613 als Kapellmeister Venedig zum Zentrum des Solomadrigals machte. Diese neue Gattung wiederum führt beispielhaft vor Ohren, welche Revolution sich beim Epochenwechsel zwischen Renaissance und Barock ereignet hat: die Befreiung der Melodie, in der sich fortan das Individuum ausdrückt und spiegelt. Für die Zuhörenden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die in der polyphonen Musik zuvor eine Gleichberechtigung der Stimmen erlebt hatten, muss das eine Offenbarung gewesen sein.

Die melancholisch absteigende Melodie von „Si dolce è’l tormento“ gehört zu den schönsten, die Monteverdi erfunden hat, ebenso wie die Gesangslinie des Stücks, das diesem Konzert seinen Titel gab: „Lettera amorosa“, „Liebesbrief“, ist im „stile rappresentativo“ komponiert, der für die beiden letzten Madrigalbücher Monteverdis typisch ist. Das heißt: Dieser klingende Brief bewegt sich zwischen Sprache und Gesang und hat dabei auch eine theatralische Komponente. Über einem nach Art der Passacaglia wiederholten Bass- und Harmoniegerüst entfaltet sich eine freie Kantilene. „Senza battuta“ ist dazu die Angabe in der Partitur: Kein geschlagener Takt soll einer Melodie Fesseln anlegen, die sich ihrerseits direkt auf den Wortsinn bezieht. Auch das Madrigal „Quel sguardo sdegnosetto“ aus Monteverdis „Scherzi musicali“ ist so angelegt. Hier hören wir die furiose Klage einer von der Liebe Versehrten: ironisch, wütend, resignierend.

All dies hat Schule gemacht, vor allem in Italien – bei Komponisten, die dort geboren wurden und lebten, ebenso wie bei solchen, die, wie Händel, kamen, um zu lernen. Der aus Ferrara stammende, später als Organist und Cembalist in Rom lebende Girolamo Frescobaldi ist vor allem als Komponist von Instrumentalwerken bekannt geworden. Hier hören wir aber auch Arien aus seiner Feder: „Se l’aura spira tutta vezzosa“ erzählt von der Blütenpracht und Hitze des Sommers, „Così mi disprezzate“ beklagt eine unerwiderte Liebe. Auch der Deutsch-Italiener Johann(es) Hieronymus (von) Kapsberger, der in Italien den Namen (Giovanni) Girolamo Kapsberger trug, hat vor allem Instrumentalwerke geschaffen, insbesondere für sein eigenes Instrument, die Laute. Mit „Figlio dormi“ enthält das Programm aber auch eine Arie von ihm: das Wiegen- und Liebeslied einer Mutter für ihren kleinen Sohn. Diese Szene setzt die „Canzonetta spirituale sopra alla nanna“ des vor allem in Cremona tätigen Tarquinio Merula in den christlichen Kontext. Außerdem steuert Merula ein Loblied auf die treue Liebe bei („Folle è ben chi si crede“). Zwei Lautenisten ergänzen das Programm: Der Neapolitaner Andrea Falconieri zollt in seinen „Folias“ der damaligen musikalischen Mode von Variationen über das populäre harmonisch-melodische Modell der Folia Tribut, und die „Calata ala Spagnola“ des Mailänders Joan Ambrosio Dalza ist ein schlichter, ruhiger Schreittanz.

So wie die Sarabande, in deren Rhythmus ein gutes Jahrhundert später Ruggiero in Georg Friedrich Händels Oper Alcina mit seiner Arie „Verdi prati, selve armene“ grüne Wälder und Auen durchschreitet. Außerdem prägt dieser Rhythmus eine der berühmtesten Arien der Epoche. Händels „Lascia ch’io pianga“ aus seiner Oper Rinaldo ist eine Mahnung, welche die allegorische Figur des Vergnügens im Oratorium Il trionfo del Tempo e del Disinganno ausspricht: „Lasse die Dornen, pflücke die Rose.“ Recht so!

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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda