INHALT
Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
Festspielkalender
Service
TERMIN
Sonntag, 17. Mai 2026, 16 Uhr
Schloss Schwetzingen, Jagdsaal
Sendung am Samstag, 23. Mai, 12:30 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
PREISTRÄGER:INNEN DES ARD-MUSIKWETTBEWERBS
Samueol Park Bariton
Elad Navon Klarinette
Ionel Ungureanu Viola
Alexander Warenberg Violoncello
Liya Wang Klavier
PROGRAMM
Ludwig van Beethoven
1770 – 1827
Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello B-Dur op. 11
„Gassenhauertrio“
I. Allegro con brio
II. Adagio
III. Thema: Pria ch’io l’impegno. Allegretto
Ethel Smyth
1858 – 1944
Lieder für Bariton und Klavier op. 4
I. Tanzlied
II. Schlummerlied
III. Mittagsruh
IV. Nachtreiter
V. Nachtgedanken
Clara Schumann
1819 – 1896
Drei Romanzen für Violine und Klavier op. 22
I. Andante molto
II. Allegretto
III. Leidenschaftlich schnell
PAUSE
Joseph Jongen
1873 – 1953
Introduction et Danse für Viola und Klavier op. 102
Hans Krása
1899 – 1944
Drei Lieder für Bariton und Klavier
I. Vierzeilengedicht
II. Empfindung
III. Die Freunde
Vincent d’Indy
1851 – 1931
Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello B-Dur op. 29
I. Ouverture. Modéré
II. Divertissement. Vif et animé
III. Chant élégiaquie. Lent
IV. Finale. Animé
Noten und Ziegelsteine
Ouvertüre, Solokonzert, Sinfonie. Zwischen den Sätzen bitte nicht klatschen, und am Ende gibt’s Blumen. Zu hören sind, glaubt man den jüngsten Statistiken, in deutschen Konzertsälen vor allem Werke von (in absteigender Reihenfolge) Mozart, Beethoven, Bach, Brahms, Schubert, Schumann, Tschaikowsky, Ravel und Dvořák. In der Oper: Die Zauberflöte, Carmen, Hänsel und Gretel. Woraus man schließen darf: Das klassische Musikleben ähnelt der katholischen Liturgie, es wurzelt tief im Humus von Ritualen, Gewohnheiten und Wiederholungen.
Nichts dagegen, das gibt uns Halt. Aber wer einmal den Mut aufbringt und bei einer Ausfahrt von der vielbefahrenen Klassik-Autobahn den Blinker setzt, der kommt aus dem Staunen über die wilden Klanglandschaften rechts und links der Piste nicht heraus.
Diesem Staunen widmet sich das zweite Festspielkonzert von Preisträger:innen des ARD-Musikwettbewerbs. Denn von den fünf Komponist:innen des Programms sind gerade mal eineinhalb bekannt – für die halbe Position neben Beethoven steht Clara Schumann, weil man (wegen ihres Gatten Robert) immerhin ihren Nachnamen einordnen kann. Der Rest des Konzertes ist im Wesentlichen musikalische Terra incognita.
Beginnen wir mit der Unbekanntesten von allen, die zugleich wohl die Wildeste gewesen ist: Ethel Smyth hat in ihrem Kampf um Frauenrechte nicht nur zu Noten, sondern auch mal zu Ziegelsteinen gegriffen, was sie zeitweilig sogar ins Gefängnis brachte. Der March of the Women wurde ihr bekanntestes Werk. Sie hat allerdings weitaus bedeutendere geschrieben, darunter sechs Opern. Ihre Lieder op. 4, tief romantische Gefühls- und Nachtstücke, komponierte sie 1877 als 19-Jährige.
Dass Smyth überhaupt komponieren durfte, hat sie sich in ihrer Herkunftsfamilie mit einem Hungerstreik erkämpft. Sie hat dann in Leipzig studiert, auf einem der wenigen Konservatorien, die damals Frauen das Vordringen in die männliche Kompositionsdomäne ermöglichte. Auch dort passte sie nicht recht ins (männliche) System, hat aber Clara Schumann, Anton Rubinstein und Edvard Grieg kennengelernt. Und Johannes Brahms – der es ablehnte, sich mit einem Stück von ihr zu beschäftigen, als er erfuhr, dass es von einer Frau stammt. Später hat Tschaikowsky ihre Art der Orchesterkomposition stark beeinflusst. Und nach viel Ablehnung ihres als allzu „männlich“ verurteilten Schaffens erhielt sie immerhin prominente Förderung von George Bernard Shaw, der ironisch über das allzu Weibliche bei Händel und Mendelssohn herzog.
Clara Schumann hat ihre Romanzen für Violine und Klavier 1852/53 für den befreundeten Geiger Joseph Joachim und sich selbst geschrieben: drei harmonisch anspruchsvolle Charakterstücke, jedes ein Unikat. Das Opus 22 blieb, wie viele von Claras Werken, zu ihren Lebzeiten ungedruckt. Es gehört zu ihren letzten Kompositionen – nach Roberts Einweisung in die Nervenheilanstalt 1854 und seinem Tod zwei Jahre später ist sie aus finanziellen Gründen vor allem als Pianistin aufgetreten.
Unsere Entdeckungsreise führt weiter zum belgischen Komponisten, Pianisten und Organisten Joseph Jongen, der sich in seinem Opus 102 von 1935 vor Franck, Fauré, Debussy and Ravel verneigt – und Viola und Klavier miteinander tanzen lässt. Sein Lehrer Vincent d’Indy kommt in diesem Konzert ebenfalls zu Wort: Das Klarinettentrio op. 29 von 1887 wagt klangfarblich wie formal viel, verlangt vor allem dem Klavier (d’Indy war auch ein glänzender Pianist) Virtuoses ab. Wie sein Lehrer César Franck arbeitet auch d’Indy mit einem Motto-Thema, das sich durch das ganze Werk zieht.
Von dem Tschechen Hans Krása, Sohn einer jüdischen Mutter, ist heute noch die Kinderoper Brundibár bekannt, die als Vorzeigeprojekt der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Theresienstadt auf die Bühne kam. Dort sind zahlreiche weitere Werke entstanden, darunter auch die Drei Lieder nach Gedichten von Arthur Rimbaud, in denen der Sänger von Klarinette, Viola und Cello begleitet wird. 1944 wurde Krása in Auschwitz umgebracht.
Bleibt nur noch einer: Beethoven. Dessen Gassenhauertrio ist insofern etwas Besonderes, als Beethoven sehr selten populäre Melodien seiner Zeit aufgriff. Wohl aber hier: Im Finale seines Opus 11 verarbeitet er ein Terzett aus Joseph Weigls Operette L’amore marinaro, das damals in Wien jede:r kannte. Dabei erweist er sich schon in diesem frühen Werk als Meister seiner Königsdisziplin, der Variation. Das fand sogar ein Kritiker: Beethoven, so sein Urteil, habe hier „die faden Leyersachen von öfters berühmtern Männern“ weit hinter sich gelassen. Fazit: Zuweilen lauert selbst im Bekannten das Unbekannte – und freut sich diebisch darauf, unsere Bekanntschaft zu machen.
INTERPRET:INNEN
FESTSPIELKALENDER
Haben Sie Interesse an weiteren Konzerten der Schwetzinger SWR Festspiele? Diese finden Sie in unserem Festspielkalender.
SERVICE
Newsletter
Bleiben Sie immer auf dem Laufenden: In unserem Newsletter finden Sie aktuelle Informationen rund um die Schwetzinger SWR Festspiele. Anmeldung hier.
Sonstige Informationen
Wir bitten Sie, alle mitgebrachten elektronischen Geräte aus- und Mobiltelefone unbedingt stumm, auf „Nicht stören“ oder in den Flugmodus zu schalten.
Konzertbesucher:innen mit Hörgeräten möchten wir freundlich darauf hinweisen, auf die richtige Einstellung ihrer Geräte zu achten. Diese können sonst Störgeräusche verursachen.
Bild- und Tonaufnahmen sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet.
Impressum
Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda