16. Mai 2026, 16 Uhr

Einstand I · Preisträger:innen des ARD-Musikwettbewerbs

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Interpret:innen
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TERMIN

Samstag, 16. Mai 2026, 16 Uhr
Schloss Schwetzingen, Jagdsaal

Sendung am Freitag, 22. Mai, 13:05 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de

BESETZUNG

PREISTRÄGER:INNEN DES ARD-MUSIKWETTBEWERBS
Samueol Park
Bariton
Elad Navon
Klarinette
Ionel Ungureanu
Viola
Alexander Warenberg
Violoncello
Liya Wang
Klavier

PROGRAMM

Wolfgang Amadeus Mozart
1756 – 1791
Trio für Klavier, Klarinette und Viola Es-Dur KV 498
„Kegelstatt–Trio“
I. Andante
II. Menuetto – Trio
III. Rondeaux. Allegretto

Hans Gál
1890 – 1987
Fünf Melodien für Bariton und Klavier op. 33
I. Vergängliches
II. Der Wiesenbach
III. Vöglein Schwermut
IV. Drei Prinzessinnen
V. Abend auf dem Fluss

Henriëtte Bosmans
1895 – 1952
Aus: Trois impressions für Violoncello und Klavier
II. Nuit calme. Très lent
III. En Espagne. Allegro con brio – Più largo – Molto vivo

PAUSE

Rebecca Clarke
1886 – 1979
Prelude, Allegro und Pastorale für Klarinette und Viola

Franz Schubert
1797 – 1828
„Grenzen der Menschheit“ für Bariton und Klavier D 716

Alexander Zemlinsky
1871 – 1942
Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello d-Moll op. 3
I. Allegro ma non troppo
II. Andante
III. Allegro

Ein Lob der VielfaltPROGRAMMTEXT

Kinder, Kegel, Künstlerinnen

Das Klarinettentrio ist der stille Gattungs-Hit der diesjährigen Schwetzinger SWR Festspiele. Kaum hat der Klarinettist Daniel Ottensamer vorgeführt, welch wundervolle Blüten die Kombination von Klarinette, Cello und Klavier im Laufe ihrer jungen Geschichte hervorgebracht hat, sorgt der musikalische Profi-Nachwuchs schon für mehr: Das erste Konzert von Preisträger:innen des renommierten ARD-Wettbewerbs ist zwischen zwei Klarinettentrios aufgespannt.

Mozarts Kegelstatt-Trio fällt allerdings insofern aus dem Rahmen, als es anstelle des Cellos eine Viola vorsieht – eine Besetzung, die später unter anderen Robert Schumann, Max Bruch und György Kurtág ebenfalls bedienten. Das hat die Cellisten allerdings nicht daran gehindert, das Trio für sich zu erobern, außerdem gibt es Bearbeitungen für die Standardbesetzung des Klarinettentrios und für Violine, Viola und Klavier. Der Name des Stücks verweist auf den Spieler Mozart, der auf seinem Billardtisch große Teile der Oper Le nozze di Figaro komponiert haben soll. Teile des Don Giovanni wiederum sollen an der Kegelbahn entstanden sein, wo sich Mozart gerne mit den Kindern des Wiener Botanik-Professors Nikolaus Joseph von Jacquin, Gottfried und Franziska, getroffen hat. Mit Franziska am Klavier und mit dem Klarinettisten Anton Stadler, für den er später sein Klarinettenkonzert und sein Klarinettenquintett schrieb, hat Mozart als Bratscher sein Trio 1786 erstmals aufgeführt. Ungewöhnlich ist das Stück auch wegen seiner Form: Ein Andante steht am Anfang und ein (ausgesprochen theatralisches) Menuett in der Mitte.

Den Reiz der Kombination eines geblasenen mit einem gestrichenen und einem angeschlagenen Instrument hat auch Alexander Zemlinsky erkannt, und so hat er, nachdem er als 25-Jähriger Brahms kennengelernt hatte, dessen Klarinettentrio ein eigenes Werk an die Seite gestellt. Zumal im Eingangssatz entdeckt man starke Ähnlichkeiten der beiden Werke in der Harmonik, der dunklen Klangfarbe, der Struktur und der Themenformung. Dass der langsame Mittelsatz in seiner erweiterten Harmonik und seiner Chromatik hingegen sehr eigenständig wirkt, macht die historische Scharnier-Position dieses Komponisten deutlich. Zemlinsky ist ein Missing Link zwischen Brahms und Schönberg, Tradition und Avantgarde.

Prelude, Allegro und Pastorale ist ein Duo-Werk für Klarinette und Viola, das die Britin Rebecca Clarke 1941 zunächst für den privaten Gebrauch schrieb (sie selbst war eine exzellente Bratschistin, ihr Bruder spielte Klarinette). „Ich habe zweistimmige Musik immer geliebt“, so Clarke über ihre Suite, „und in diesem Fall haben mich die Kontraste und Ähnlichkeiten von zwei Instrumenten mit annähernd demselben Tonumfang gereizt“. Im Allegro spiegeln sich die Instrumente gegenseitig, und am Ende kreuzen sich ständig ihre Wege. Die Pastorale durchweht ein Hauch von Nostalgie und Melancholie. Die Musizierenden bat Clarke, sich bei der Gestaltung ganz frei zu fühlen: „Mit Absicht habe ich hier so wenige Vorgaben wie möglich notiert“.

Prelude, Allegro und Pastorale wurde 1942 bei den Weltmusiktagen uraufgeführt. Damit folgte Clarke der Niederländerin Henriëtte Boesmans nach, die sich 1928 dort als erste Frau mit einer Uraufführung vorgestellt hatte. Kurz zuvor hatte sie ihre Trois impressions für Cello und Klavier geschrieben. Dass Boesmans knapp zwei Jahre lang Schülerin Arnold Schönbergs war, hört man weder den folkloristisch inspirierten Sätzen Nr. 1 und 3 an noch dem mittleren Satz, der mit seinen ruhigen Nachttönen (Nuit calme) zum beliebtesten Stück der Komponistin geworden ist. Ab 1940 belegten die nationalsozialistischen Besatzer die Tochter einer jüdischen Pianistin mit einem Berufsverbot. Mit nur 57 Jahren ist sie 1952 bei einem Konzert auf der Bühne zusammengebrochen und gestorben.

Der Österreicher Hans Gál, der vor allem als Biograf (u. a. von Verdi und Brahms) bekannt wurde, entzog sich dem deutschen Antisemitismus 1933 durch Emigration nach Schottland. Seine 1917 bis 1921 entstandenen Fünf Melodie sind die einzigen seiner vielen Lieder, die der skrupulöse Komponist zu Lebzeiten veröffentlichte. Darüber können wir uns nur wundern, denn Gál verwandelt die vertonten Gedichte von Hoffmannswaldau, Morgenstern und Bethge mit viel Feinsinn in lyrische Charakterstücke. Dass dies auch für Franz Schuberts Vertonung von Goethes Grenzen der Menschheit gilt, muss nicht betont werden. Seine Warnung vor menschlicher Hybris und sein Aufruf zu Demut sind von zeitloser Aktualität.

INTERPRET:INNEN

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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda