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Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
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TERMIN
Donnerstag, 14. Mai 2026, 11 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal
Sendung am Sonntag, 17. Mai, 20:03 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
Sophie Pacini Klavier
Rebecca Immanuel Lesung
PROGRAMM
- Brief von Robert Schumann
Robert Schumann
1810 – 1856
Aus: Album für die Jugend op. 68
XXXXII. Figurierter Choral
- Briefwechsel zwischen Clara und Robert Schumann
Clara Schumann
1819 – 1896
Aus: Drei Romanzen op. 11
I. Romance es-Moll
- Brief von Robert Schumann
Robert Schumann
Aus: Intermezzi op. 4
II. Allegro quasi maestoso – Più vivo – Tempo I
- Literarische Anmerkungen und Zeitzeugnisse zu Schumanns Kinderszenen op. 15
- Gottfried Benn
- 1886 – 1956
- „Schumann“
Robert Schumann
Aus: „Kinderszenen“ op. 15
VII. „Träumerei“
- Briefwechsel und Zeitzeugnisse zu Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms
Johannes Brahms
1833 – 1897
Aus: Drei Intermezzi op. 117
I. Andante moderato – Più Adagio – Un poco più Andante
II. Andante non troppo e con molta espressione – Più Adagio
- Rosemonde Gérard
- 1866 – 1953
- „Der silberne Ring“
Cécile Chaminade
1857 – 1944
Aus: Six romances sans paroles op. 76
I. Souvenance
- Briefwechsel zwischen Abraham Mendelssohn und Fanny Hensel
Fanny Hensel
1805 – 1847
Mélodie H-Dur op. 5 Nr. 1
PAUSE
- Alphonse de Lamartine
- 1790 – 1869
- Auszug aus „Méditations poétiques“
Franz Liszt
1811 – 1886
Aus: „Consolations. Six pensées poétiques S. 172
I. Andante con moto
II. Un poco più mosso
- Frédéric Chopin und Maria Wodzińska – eine Romanze
Frédéric Chopin
1810 – 1849
Nocturne Es-Dur op. 9 Nr. 2
- Frédéric Chopin und Maria Wodzińska – eine Romanze
Frédéric Chopin
Scherzo Nr. 2 b-Moll op. 31
Frauen im Schatten und der Schatten der Frauen
Sie hält ihm den Rücken frei. Sie ist seine Muse. Sein Spiegel. Die Mutter seiner Kinder. Was und wie wären die Werke großer Künstler geworden, hätte es deren weibliche Stütze im Hintergrund nicht gegeben? Die Pianistin Sophie Pacini hat in Frauenhäusern Konzerte gegeben, sich lange mit deren Bewohnerinnen unterhalten. Und hat in der Bereitschaft der Frauen, sich selbst hintanzustellen, etwas gefunden, das sie „schuldige Bescheidenheit“ nennt. In diesem Konzert geht sie dem kollektiven weiblichen Schatten nach. Was unterdrücken Frauen, weil sie es immer schon getan haben?
Das Programm fokussiert auf die Geschlechterrollen im 19. Jahrhundert. „Viele Meisterwerke“, sagt Sophie Pacini, „würde es heute nicht geben ohne die Frauen dahinter“. Außerdem lohne es, die Paare genau anzuschauen, denn „oftmals sind die männlichen Erfolge auf dem Boden einer toxischen Beziehungsdynamik entstanden“.
Beamen wir uns also gemeinsam mit Sophie Pacini und Rebecca Immanuel zurück in die Zeit zwischen 1827 und 1892. Dort begegnen wir einer bemerkenswerten Trias: Robert Schumann, Clara Schumann, Johannes Brahms. Robert und die zunächst noch minderjährige Clara haben ihre Ehe gegen den Widerstand ihres Vaters durchgesetzt. Beide Partner sind musikalisch hochbegabt, doch es ist klar, wer sich von wem abhängig macht. Zumindest anfangs. Und zumindest emotional, so wie bei Goethes Gretchen: „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer und nimmermehr.“ Rebecca Immanel rezitiert die Zeilen aus „Faust“. Schuberts Vertonung hören wir hier nicht, doch wer sie kennt, wird den Text nicht mehr ohne das Rattern des Spinnrades in der Klavierbegleitung hören. Unermüdlich treiben die schnellen Sechzehntelnoten dort das Lied vorwärts. So spiegeln sie das Getriebensein einer Frau, die sich mit Haut und Haaren hingibt – ähnlich wie jene Unbekannte, der Friedrich Rückert ein Denkmal setzte. Das Gedicht Du meine Seele, du mein Herz hat Robert Schumann unter dem Titel Widmung vertont. Es schließt mit den bezeichnenden Versen „Dass du mich liebst, macht mich mir wert, dein Blick hat mich vor mir verklärt, du hebst mich liebend über mich, mein guter Geist, mein bessres Ich!“
Clara hat zumindest ihre Karriere als Pianistin zu Hause erkämpft. Und „Clara und Robert haben füreinander vibriert“, sagt Sophie Pacini. Später kam Johannes Brahms dazu und hat mit Clara vibriert (präzise Belege dazu fehlen, weil sie alle seine Briefe verbrannt hat, doch Indizien gibt es genug). Als Robert nach seinem Suizidversuch in der Nervenheilanstalt lebt, zieht Johannes bei den Schumanns ein, kümmert sich während Claras Konzertreisen um Haushalt und Kinder. Nach Roberts Tod entfernen sich Johannes und Clara wieder voneinander. Brahms’ späte Intermezzi sind wehmütige Erinnerungen – er selbst hat sie als „Wiegenlieder meiner Schmerzen“ bezeichnet.
Ein weiteres, ganz anderes Paar dieser Zeit sind Felix und Fanny Mendelssohn. Felix wurde gefördert, hat schon als Elfjähriger eigene Werke öffentlich vorgestellt, und früh war klar, dass er die Musik zu seinem Beruf machen würde. Seiner vier Jahre älteren Schwester hingegen hat der Vater die professionelle Musikausübung untersagt. „Die Musik“, schrieb Abraham an sie, „kann und soll für dich stets nur Zierde, immer Bildungsmittel, Grundbaß Deines Seins und Tuns werden … Beharre in dieser Gesinnung und diesem Betragen. Sie sind weiblich, und nur das Weibliche ziert und belohnt die Frauen“. Heute wissen wir, dass Fanny etliche eigene Werke unter dem Namen ihres Bruders veröffentlichte. Später hat sie ihr Ehemann Wilhelm Hensel, der deutlich moderner eingestellt war, nach Kräften gefördert, sodass sie am Ende etwa 460 Kompositionen hinterließ. „Fanny“, sagt Sophie Pacini, „war teilweise mutiger und vorausschauender als Felix“.
Nach einem Blick in Richtung Frankreich. Die Komponistin Cécile Chaminade profitierte vom deutlich offeneren Klima in Paris. Allerdings hat auch sie zunächst als Pianistin Erfolge gefeiert. Wie stark beim Komponieren noch geschlechterspezifische Zuschreibungen dominierten, beweist eine Aussage ihres Kollegen Ambroise Thomas: Dies, schrieb er über Chaminade, sei „keine komponierende Frau, sondern ein Komponist, der eine Frau ist“.
Auch Frédéric Chopins Musik ist oft ein weiblicher Charakter unterstellt worden. Dieser lässt sich jedoch ebenso wenig belegen wie die Verlobung, die der Komponist mit Maria Wodzińska, der Nichte eines polnischen Diplomaten, eingegangen sein soll. Erhalten sind nur ein paar wenige Briefe Marias an den Komponisten, und erhalten sind die Widmungen an sie, die Chopin zwei Werken beigab: seinem Es-Dur-Nocturne op. 9 Nr. 2 und seinem sogenannten Abschiedswalzer (op. 69 Nr. 1), den er allerdings später auch noch anderen dedizierte. Wie auch immer diese Beziehung gewesen sein mag: Auch Maria Wodzińska blieb eine Frau im Schatten.
INTERPRET:INNEN
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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda