9. Mai 2026, 18 Uhr

Schwerpunkt Orfeo · Orchesterakademie · SWR Symphonieorchester

Teilen

Stand

INHALT

Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
Festspielkalender
Service

TERMIN

Samstag, 9. Mai 2026, 18 Uhr
Schloss Schwetzingen, Rokokotheater

Einführung
Tabea Dupree im Gespräch mit Julian Prégardien
17 Uhr, Kammermusiksaal

Sendung am Sonntag, 10. Mai 2026, 20:03 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de

BESETZUNG

Julian Prégardien Tenor
SWR SYMPHONIEORCHESTER
Fabio Biondi
Dirigent

PROGRAMM

Joseph Haydn
1732 – 1809
Auszüge aus der Oper „L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice“ Hob. XXVIII:13

Ouvertüre. Largo – Presto

1. Akt:
„Rendete a questo seno“, Recitativo accompagnato
„Cara speme! Alma di scoglio“, Aria

2. Akt:
„Dov’è quell’alma audace“, Recitativo accompagnato
„In un mar d‘acerbe pene“, Aria

4. Akt:
„Perduto un altra volta“, Recitativo accompagnato
„Mi sento languire“, Aria

PAUSE

Wolfgang Amadeus Mozart
1756 – 1791
Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543
I. Adagio – Allegro
II. Andante con moto
III. Menuetto. Allegretto – Trio
IV. Finale. Allegro

Haydns Orpheus & MozartPROGRAMMTEXT

Zwischen Himmel und Hölle

Sein Gesang war zum Steinerweichen, er hat Menschen, Pflanzen, Tiere, den Gott der Unterwelt und auf der Fahrt in den Trojanischen Krieg sogar die Sirenen betört. Dennoch war das Ende des Sängers Orpheus ein schreckliches: Die Mänaden haben ihn zerrissen, Anhängerinnen des Bacchus, die ihn für seinen Entschluss bestrafen wollten, nach der gescheiterten Revitalisierung der Gattin Eurydike keine Frau mehr zu lieben. So erzählt es die griechische Sage. Dass diese vor allem in der Oper fortwirkte, hat mit dem Beruf des Helden zu tun – und damit, dass Apoll, der Gott der Sonne und der Musik, Orpheus’ Vater war und als solcher am Schluss der mythologischen Erzählung immerhin der Lyra des Sängers einen ewigen Platz am Firmament bescherte.

Schon die erste vollständig erhaltene Oper der Musikgeschichte, Jacopo Peris 1600 uraufgeführte Euridice, greift den Orpheus-Stoff auf. Nur sieben Jahre später entstand Claudio Monteverdis L’Orfeo. Auch einen weiteren Wendepunkt der Musikgeschichte, die Opernreform Christoph Willibald Glucks, hat die Sage begleitet. In Orfeo ed Euridice gießt Gluck die Trauer des Protagonisten ebenso wie den Furor der Hölle in so hinreißende Tänze und Melodien, dass Amor nicht umhinkann, dem Stück doch noch ein glückliches Ende zu bescheren. Und bevor Jacques Offenbach 1858 in seiner Buffa Orpheus in der Unterwelt den Titelhelden seine Freiheit von der Gattin bejubeln und Eurydike im Hades Partys feiern lässt, hat sich auch Joseph Haydn mit dem Stoff beschäftigt. Seine Opera seria L’anima del filosofo (Die Seele des Philosophen) entstand 1791. Dass sie erst 1951 szenisch uraufgeführt wurde, lag schlicht daran, dass der Auftraggeber die Gründung eines neuen italienischen Opernunternehmens in London nicht durchsetzen konnte. Die kurzfristige Absage erklärt das durchhängende Ende des Stücks, das zu Probenbeginn offenbar noch nicht fertig war. Von Carlo Francesco Badinis Libretto ist unabhängig von den vertonten Teilen nichts erhalten. Immerhin wissen wir, dass ein glückliches Ende offenbar nicht geplant war.

In L’anima del filosofo wird Orpheus zum Philosophen – tatsächlich beschreiben manche Erzählungen den Sänger als Begründer der menschlichen Zivilisation. Ansonsten wirbelt Badini in seinem Textbuch das Personal der griechischen Götter- und Heldensagen mächtig durcheinander – und lässt die handelnden Figuren oft genug über dramaturgische Fallstricke und unbeholfene Sentenzen stolpern. Wenn etwa die Bacchantinnen mitten im tosenden Seesturm singend feststellen: „Wir sind gerade dabei, zu kentern“, dann ist das unfreiwillig ziemlich komisch.

Vor allem im ersten Akt bekommt Orpheus hier Gelegenheit, sich als Held zu beweisen: Er vertreibt Ungeheuer, die Eurydike in einem Wald bedrohen (Accompagnato und Arie: „Rendete a questo seno“ – „Cara speme!“). Im zweiten Akt muss er hingegen schon den Tod der Geliebten betrauern (Accompagnato und Arie „Dov’è quell’alma audace“ – „In un mar d’acerbe pene“). Der dritte Akt bringt den Sänger in die Unterwelt. Im vierten ersparen sich Haydn und Badini den Versuch eines Aufstiegs des Paares: Orpheus sucht sofort den verbotenen Blickkontakt und muss Eurydike bei den Furien und Geistern lassen.

Nachdem er dies betrauert hat (Accompagnato und Arie „Perduto un altra volta“ – „Mi sento languire“), ersparen das SWR Symphonieorchester und sein Dirigent Fabio Biondi dem Publikum den finalen Tod des Helden (durch einen Gifttrank) und die Seenot der Mänaden im fünften Akt und überlassen es Mozarts später Es-Dur-Sinfonie (Nr. 39 KV 543). Für deren Verbindung zu Haydns Oper sorgt eine Jahreszahl: 1791 wurde L’anima del filosofo komponiert, und 1791 ist Mozarts Todesjahr. Außerdem beginnt die Sinfonie mit einer festlichen Einleitung, die etwas Opernhaftes hat, und im Trio des Menuetts erleben wir einen Bläsersatz nach Haydns Vorbild.

Der Dichter und Komponist E. T. A. Hoffmann hat behauptet, Mozart führe uns in dem Werk „in die Tiefen des Geisterreichs“, der Musikforscher Hermann Abert hingegen nahm „eine gesunde, bis zum Übermut gesteigerte Lebensfreude“ wahr. Beides ist richtig: Die Es-Dur-Sinfonie, in der übrigens (ein Sonderfall bei Mozart) die Oboen durch Klarinetten ersetzt sind, führt uns mit den Dissonanzen und den ungeordneten, melancholischen Gedanken des Eingangssatzes ins Reich des Finsteren, schreitet dann aber, ohne sich umzublicken, empor ins Licht. Bis hin zum ausgelassenen Finale, dessen Ende so klingt, als werfe Mozart trotzig von außen die Tür zu – was irgendwie an jenen Kanon Mozarts erinnert, der zunächst mit dem Text „Lasst froh uns sein“ veröffentlich wurde. Der originale Wortlaut: „Leck mich im Arsch“.

INTERPRET:INNEN

FESTSPIELKALENDER

Haben Sie Interesse an weiteren Konzerten der Schwetzinger SWR Festspiele? Diese finden Sie in unserem Festspielkalender.

SERVICE

Newsletter
Bleiben Sie immer auf dem Laufenden: In unserem Newsletter finden Sie aktuelle Informationen rund um die Schwetzinger SWR Festspiele. Anmeldung hier.

Sonstige Informationen
Wir bitten Sie, alle mitgebrachten elektronischen Geräte aus- und Mobiltelefone unbedingt stumm, auf „Nicht stören“ oder in den Flugmodus zu schalten.
Konzertbesucher:innen mit Hörgeräten möchten wir freundlich darauf hinweisen, auf die richtige Einstellung ihrer Geräte zu achten. Diese können sonst Störgeräusche verursachen.
Bild- und Tonaufnahmen sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet.

Impressum
Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda