INHALT
Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
Festspielkalender
Service
TERMIN
Donnerstag, 21. Mai 2026, 19:30 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal
Sendung am Dienstag, 21. Juli 2026, ca. 21:30 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
Thomas Dunford Laute
Keyvan Chemirani Perkussion
PROGRAMM
John Dowland
1563 – 1626
Fortune my foe
A fancy
Mrs. Winter’s Jump
Frog Galliard
Now, O now I needs must part
Thomas Dunford
* 1988
In this Life,
Improvisation für Laute solo
Giovanni Girolamo Kapsberger
um 1580 – 1651
Toccata Nr. 1
Toccata Nr. 6
Thomas Dunford
Keeping in Touch in the Afterlife
Henry Purcell
1659 – 1695
Music for a while aus „Oedipus“ Z 583/2
Eric Clapton * 1945 /
Will Jennings 1944 – 2024
Tears in Heaven
Keyvan Chemirani
* 1968
Dawâr
Thomas Dunford
Now I See You
Keyvan Chemirani & Thomas Dunford
Sherazade
Johann Sebastian Bach
1685 – 1750
Aus: Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo BWV 1004
V. Chaconne
Jeff Buckley
1966 – 1997
Hallelujah
Vier Hände und ein Halleluja
Gleich und gleich gesellt sich gern – behauptet ein altes Sprichwort. Ein anderes propagiert exakt das Gegenteil: Gegensätze ziehen sich an. Was uns lehrt, dass die Frage nach Kriterien partnerschaftlicher Synergien nur von Fall zu Fall beantwortet werden kann. Im Fall von Thomas Dunford und Keyvan Chemirani mag man an „gleich und gleich“ zunächst nicht denken – schließlich gibt es kaum Kontrastreicheres als die Klänge von Laute und Schlagzeug. Hier das Leise, Intime, Träumerische, Fließende, dort das Laute, hart Strukturierende, der Beat der Zeit. Chemirani, Franzose mit iranischen Wurzeln, spielt aber kein Drumset, sondern (unter anderem) die hölzerne Bechertrommel Zarb (oder Tombak), die Rahmentrommeln Daf und Bendir und das persische Hackbrett Santur. Er bewegt sich – oft mit hochkomplexer Polyrhythmik – zwischen sogenannter Weltmusik, Improvisation, Jazz und Barock. Chemirani kann auch mal laut sein, kultiviert aber viel häufiger das Leise, umspielt die Stille. So gesehen hebelt er nicht nur die Reibung zwischen den beiden Sprichwörtern spielend aus, sondern ist auch ein idealer Partner für Thomas Dunford, denn der hat eine Vorliebe für stilistische Mischungen. Altes, Neues, Barockmusik, Pop und Eigenkompositionen finden in seinen Soloprogrammen zusammen, und das ist auch an diesem Duo-Abend so, den Dunford nach einem seiner eigenen Stücke benannt hat: In this Life.
Höhepunkt der partnerschaftlichen Synthese ist ein Gemeinschaftswerk, das dem Konzert gleichzeitig die Richtung vorgibt. Sherazade ist eine Reverenz an die Hauptfigur in der Rahmenhandlung der Märchen aus Tausendundeiner Nacht, die so spannende Geschichten erzählt, dass der persische Königs Schahryâr sie nicht, wie viele Frauen zuvor, nach einer Nacht umbringt, sondern immer mehr von ihr hören will – und sie schließlich zur Frau nimmt. Die Rolle der schönen, begabten Scheherazade nehmen nun Dunford und Chemirani ein: In this Life ist ein Abend voller spannender musikalischer Geschichten aus fünf Jahrhunderten.
Die ältesten hat sich John Dowland ausgedacht. Der englische Lautenist und Komponist hat ein reichhaltiges Œuvre an Lautenwerken (erhalten sind etwa 100), Liedern und Stücken für Gamben-Ensemble hinterlassen. Die Instrumentalwerke fußen häufig auf Tanzrhythmen. Frog Galliard (aus dem Jahr 1604) ist die Instrumentalversion des Liedes Now, O now I needs must part; beide Fassungen sind hier nacheinander zu hören. Dass das Lautenstück einen Frosch im Titel trägt, mag auf den Dreiertakt der Galliarde verweisen, möglicherweise aber auch auf die kurzen, „hüpfenden“ Figuren der Musik mit ihren zahlreichen punktierten Noten. Die Verbindung zu der Gigue Mrs. Winter’s Jump liegt auf der Hand – ebenso wie die Möglichkeit, das Perkussive der Tanzrhythmen mit Schlagwerkakzenten zu verstärken. Ein sehr gegensätzliches Assoziationsfeld eröffnet Fortune my foe (Glück ist mein Feind): Es basiert auf einer irischen Melodie, die, weil sie oft bei Hinrichtungen gesungen und/oder gespielt wurde, auch als The hanging Tune bekannt wurde.
Bevor der Abend bei Eigenkompositionen der Interpreten ankommt, durchschreiten diese noch das weitläufige Feld der Barockmusik. Der Weg führt von zwei Toccaten (also: notierten Improvisationen) des deutschstämmigen Italieners Giovanni Girolamo (oder Johannes Hieronymus) Kapsberger zum zweiten Engländer in diesem Programm: Henry Purcells berühmte Music for a while ist ein Teil der Schauspielmusik, die der Komponist 1692 für eine Londoner Aufführung von Sophokles’ Oedipus schrieb. Grundlage ist eine Bassfigur, die zwar dauernd wiederholt wird, dabei aber harmonisch eine weite Strecke zurücklegt (und am Ende wieder zum Anfang zurückkehrt); über ihr entfaltet sich die Gesangsstimme frei und voller Zuversicht: „Musik wird für eine Weile all deine Sorgen vertreiben.“
Auch die berühmte Chaconne aus Johann Sebastian Bachs d-Moll-Partita für Violine solo fußt auf einer wiederholten Bassfigur, die als Thema ganze 32-mal wiederholt wird – ein in sich kreisender musikalischer Kosmos, dessen biografische Bezüge und musikalische Geheimnisse bis heute nicht vollständig enthüllt worden sind. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass der Zehnminüter unzählige Male bearbeitet worden ist, und das Stichwort Bearbeitung führt uns flugs zu dem Hallelujah-Hit, den zwar Jeff Buckley komponiert hat, der aber vor allem in Leonard Cohens Version und Darbietung berühmt wurde.
INTERPRET:INNEN
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Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda