INHALT
Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
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Service
TERMIN
Sonntag, 10. Mai 2026, 11 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal
LIVE-Übertragung in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
ARMIDA QUARTETT
Martin Funda Violine
Johanna Staemmler Violine
Teresa Schwam-Biskamp Viola
Peter-Philipp Staemmler Violoncello
PROGRAMM
Wolfgang Amadeus Mozart
1756 – 1791
Streichquartett Es-Dur KV 428
I. Allegro non troppo
II. Andante con moto
III. Menuetto. Allegretto – Trio
IV. Allegro vivace
zum 100. Geburtstag
György Kurtág
* 1926
„Hommage à Mihály András“.
Zwölf Mikroludien für zwei Violinen, Viola und Violoncello op. 13
I. Ganze Note = 20
II. (quasi allegretto)
III. Viertelnote = 125 – 115
IV. Presto. Achtel = 144 – 152
V. Lontano, calmo, appena sentito
VI. Ganze Note = 20 – 30
VII. [ohne Bezeichnung]
VIII. Con slancio
IX. Pesante, con moto. Leggiero
X. Molto agitato
XI. Ganze Note = 20
XII. Leggiero, con moto, non dolce
PAUSE
Ludwig van Beethoven
1770 – 1827
Streichquartett a-Moll op. 132
I. Assai sostenuto – Allegro
II. Allegro ma non tanto
III. Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lidischen Tonart. Molto adagio – Neue Kraft fühlend. Andante – molto adagio – andante – molto adagio
IV. Alla marcia, assai vivace – più allegro
V. Allegro appassionato
Hört die Signale!
Erfolgreiche Revolutionäre haben keine Lieder. Wer singend aufbegehrt, wird scheitern: Das hat ein historisch informierter Musikwissenschaftler einmal mit süffisanter Treffsicherheit festgestellt. Dennoch hat sich die Klangkunst immer wieder mit dem Aufstand verbrüdert. Hymnen und Märsche haben gereckte Fäuste und Proteste beflügelt. In der Musik selbst gab es ebenfalls schnelle, oft gewaltsame Veränderungen des Systems, und man darf feststellen, dass die Revolutionen dort oft deutlich nachhaltiger waren als in der Politik. Das Bonmot „Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt“, mit dem Kurt Tucholsky 1930 die mangelnde Bereitschaft zum Aufstand gegen den erstarkenden Nationalsozialismus geißelte, hat also auch positive Aspekte. In diesem Konzert begegnen wir dem künstlerischen Umsturz gleich dreifach.
Beginnen wir mit dem unverdächtigsten Komponisten. Obwohl Mozart gerne eine kesse Lippe riskierte und obwohl er Mitglied der humanitär und aufklärerisch gesonnenen Freimauerloge gewesen ist, war er als Komponist kein Neuerer. Wohl aber hat er immer wieder Ideen und Entwicklungen zugespitzt. So auch in seinem Es-Dur-Streichquartett KV 428. Das Stück ist Teil jenes Quartett-Sixpacks, mit dem sich Mozart vor seinem Kollegen Joseph Haydn, vor allem vor dessen op. 33, verneigt. Aber welcher harmonischen Radikalität begegnen wir hier!
Nach einem Oktavsprung aufwärts folgt schon beim Hauptthema des Eingangssatzes, das alle vier Streicher gemeinsam, also unisono spielen, eine radikale Chromatisierung, die danach das ganze Werk durchdringt. Neun der zwölf Halbtöne, die man auf dem Weg von einem Grundton zur Oktave durchschreiten kann, bilden das Thema. Das hatte damals etwas vollkommen Unerhörtes. Sogar beim höchst experimentellen Haydn, dem Mozart 1785 seinen Quartettzyklus widmete, hatte es so etwas noch nicht gegeben. In seinem als „Dissonanzenquartett“ berühmt gewordenen C-Dur-Werk KV 465 wird Mozart wenig später die Kunst der unharmonischen Spannungsklänge im ständigen Wechsel zwischen Dur und Moll weiter radikalisieren. Doch schon sein Es-Dur-Quartett prägt ein theatralisch zugespitztes Hell-Dunkel-Spiel. Die zahlreichen Vorhalte, also die harmoniefremden Nebentöne, auf denen der langsame Satz fußt, entfalten sich im Gesang der Geigen und der Bratsche über wiederholten Dreiklangsbrechungen des Cellos. Und schwebt da nicht schon eine Ahnung von Wagners „Tristan-Motiv“ an unseren Ohren vorüber? Erst im aufgedrehten Kehraus des Finales klingt von Ferne Haydns Tonfall und Humor an.
György Kurtág inszeniert eine Revolution von unten, denn der ungarisch-französische Komponist erklärt das musikalische Atom zum Maß aller Dinge. Mal verarbeitet er ein einzelnes Intervall, mal eine winzige motivische Zelle. Außerdem wagt auch Kurtág 1977 Unerhörtes: In seinen kurzen Mikroludien, die er dem befreundeten ungarischen Komponisten András Mihály widmete, bringt er Serialismus und Tanz zusammen, also eine strenge Organisation der Töne und den ungebärdigen motorischen Schwung ungarischer Folklore. Hier die Tradition Schönbergs und Weberns, dort Béla Bartóks Rhythmik und Periodik. Kurtágs zwölf Mikroludien sind nur je zwölf bis 120 Sekunden lang, und sie beruhen jeweils auf einem Halbton der aufsteigenden chromatischen Tonleiter.
Ludwig van Beethovens späte Streichquartette galten seinerzeit als „Neue Musik“. Unter ihnen auch das Opus 132 in a-Moll, das 1825 entstand. Hier ist vieles radikal neu: die unkonventionellen Satzformen, die extreme Verdichtung des Materials, das aus einem auf- und absteigenden Halbtonschritt bestehende Viertonmotiv des Eingangssatzes, das die drei späten Quartette Beethovens miteinander verklammert, die alte lydische Kirchentonart und die programmmusikalische Idee im Mittelsatz, das Fragmentarische des Staccato-Marsches im vierten Satz, die zweimalige Schlusswendung im Finale. Und das steht neben Traditionellem: Der Form nach ist das Stück ein Divertimento, bei dem ein ruhiger Mittelteil von Tanzsätzen umrahmt wird. Zentral ist das „Molto adagio“, das in seinem Untertitel („Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit“) auf die biografische Vorgeschichte verweist und in dem nach einem choralartigen Beginn die Gesundung des Komponisten („Neue Kraft fühlend“) mit einem fast tänzerischen Gestus gefeiert wird. Der Satz endet als verzierte Choral-Reprise „mit innigster Empfindung“. Am Ende des Quartetts steht ein vorromantisch bewegtes Finale: Neue Zeiten kündigen sich an, wegen günstiger Witterung hat die musikalische Revolution bei Beethoven stattgefunden.
INTERPRET:INNEN
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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda