28. April 2026, 19:30 Uhr

Schwerpunkt Orfeo

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INHALT

Termin
Besetzung
Programm
Interview
Interpret:innen
Festspielkalender
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TERMIN

Dienstag, 28. April 2026, 19:30 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal

Sendung am Samstag, 2. Mai 2026, 12:30 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de

BESETZUNG

CONTINUUM
Anna Schall
Zink, Blockflöte
Liam Byrne Gambe
Bertram Burkert E-Gitarre
Goran Stevanovich Akkordeon
Elina Albach Orgel, Cembalo

PROGRAMM

Claudio Monteverdi
1567 – 1643
„L’Orfeo“
Favola in Musica in einem Prolog und fünf Akten

Instrumentale Bearbeitung des Ensembles Continuum

L’Orfeo ohne WorteINTERVIEW

Cembalistin Elina Albach im Gespräch

Hinab in die Hölle und hinauf in den Himmel: Das ist der gewaltige Radius, den Claudio Monteverdi in einer der ersten Opern der Musikgeschichte ausschreitet. Sein L’Orfeo, uraufgeführt 1607 am Fürstenhof von Mantua, erzählt die Geschichte des größten Sängers der griechischen Mythologie: Mithilfe seiner betörenden Stimme bewegt Orpheus den Gott der Unterwelt dazu, ihm seine verstorbene Gattin Eurydike zurückzugeben. Unter einer Bedingung: Orpheus darf sich beim Aufstieg auf die Erde nicht nach ihr umdrehen. Orpheus stimmt zu, läuft los, lauscht, hört keine Schritte hinter sich, beginnt zu zweifeln, schaut zurück – und verliert die Geliebte erneut. Seine Verzweiflung darüber endet erst, als ihn sein Vater, der Gott Apoll, in himmlische Gefilde emporträgt. L’Orfeo ist eine Geschichte über die Liebe und den Tod, über Götter und Menschen. Und L’Orfeo erzählt von der Magie der menschlichen Stimme, allein das berühmte Arioso „Possente spirto“, in dem Orpheus Pluto sein Leid klagt, ist tief berührende Herzensmusik. Vor diesem Hintergrund muss einem die Idee des Ensembles Continuum, die Oper ohne Gesang, also nur mit Instrumenten aufzuführen, absurd vorkommen. Oder doch nicht? Vor Beginn der Proben haben wir mit Alina Albach gesprochen, der Cembalistin, Organistin und Leiterin des Ensembles.

Frau Albach, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Monteverdis „L’Orfeo“ ohne Stimmen und Worte aufzuführen?

Nach diversen Projekten, in denen wir größer besetzte Werke in kleineren Besetzungen arrangiert und aufgeführt haben, haben mich zwei Opernbearbeitungen, die im Rahmen von PODIUM Esslingen entstanden sind, inspiriert, auch ein explizites Vokalwerk ohne Sänger:innen anzugehen. Gerade bei Monteverdi ist das ein sehr spannendes Experiment, denn er baut auf dem gesprochenen Wort auf. Was passiert, wenn man dieses Wort wegnimmt, aber seine Musik spielt, die ja sehr von der Rhetorik aus gedacht ist? Wir haben uns sehr detailliert mit den Affekten und mit Monteverdis sogenannter „seconda pratica“, also dem Vorrang des Textes vor der Musik, beschäftigt. Das hat dann 2021 zu einer Vorform unserer diesjährigen Produktion von Monteverdis L’Orfeo geführt, allerdings in kleinerer Besetzung. Nun werden wir mit einer größeren und anderen Besetzung tiefer einsteigen und eine gänzlich neue Version für die Schwetzinger SWR Festspiele entwickeln. Dabei werden wir versuchen, die Geschichte mit ganz vielen unterschiedlichen instrumentalen Farben zu erzählen – dazu zählen verschiedene Zinken, Blockflöten, Akkordeon, E-Gitarre, Gamben und Tasteninstrumente. Das endgültige Ergebnis dieses Works in Progress wird erst kurz vor der Schwetzinger Aufführung feststehen. Ich bin sehr gespannt, wie das klingen wird!

Was reizt Sie an dieser Arbeit?

Dass sie uns zwingt, uns intensiv mit dem Inhalt und dem Text des Stückes auseinanderzusetzen. Das steht bei vielen Instrumentalist:innen sonst ja nicht unbedingt im Zentrum. Es ist ein Perspektivwechsel, der für alle Seiten sehr bereichernd ist – und der dafür entschädigt, dass wir lange rezitativische Strecken streichen mussten. Die funktionieren bei einer reinen Instrumentalbesetzung nicht. Sehr gut geht es dafür bei chorischen und ariosen Passagen wie etwa dem berühmten „Possente spirto“.

Können in Ihrer Version auch diejenigen die Oper verstehen, die die Handlung nicht kennen?

Diese Frage beschäftigt mich ganz generell. Welches Vorwissen braucht man bei gesungenen italienischen Opern (und klassischer Musik überhaupt), um zu verstehen, worum es geht? Da gibt es doch sehr oft eine Wissens- und Sprachbarriere für das Publikum im 21. Jahrhundert. Ich wage deshalb die These, dass jemand, der die Geschichte nicht kennt, in unserer Fassung von L’Orfeo genauso viel oder wenig verstehen kann wie bei einer Aufführung der gesungenen Originalversion – zumindest dann, wenn diese konzertant ist. Und tatsächlich teilt sich der Sinn in der Oper ja nicht nur über den Text mit, sondern über die Affekte, später über die Emotionen in der Musik, deshalb stehen gerade diese bei unserer Bearbeitung im Zentrum. Zusätzlich beleuchtet und verstärkt unsere ungewöhnliche Kombination von Instrumenten die Klangwelt von Monteverdi auf sehr ungeahnte Art und Weise. Die Zuhörer:innen, die im Anschluss noch einmal die Original-Oper in Schwetzingen erleben wollen, haben dazu Gelegenheit – sogar mit unserer Zinkenistin Anna Schall, die also kurz hintereinander beide Versionen vor Ort spielen wird!

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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text und Interview: Susanne Benda