10. Mai 2026, 19:30 Uhr

European Union Baroque Orchestra · Christophe Rousset

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TERMIN

Sonntag, 10. Mai 2026, 19:30 Uhr
Schloss Schwetzingen, Rokokotheater

Sendung am Freitag, 15. Mai, 20:03 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de

BESETZUNG

Abel Zamora Tenor / Pygmalion
Neima Fischer Sopran / L’amour
Michèle Bréant Sopran / La Statue
Léontine Maridat–Zimmerlin Mezzosopran / Céphise

Neima Fischer Sopran
Michèle Bréant Sopran
Léontine Maridat-Zimmerlin Mezzosopran
Danylo Shnitsar Tenor
Maximilian Viellehner Bass
Chœur de la suite de l’Amour, Chœur du Peuple

Lena Sophie Meyer Regie

EUROPEAN UNION BAROQUE ORCHESTRA (EUBO)
Christophe Rousset
Leitung

PROGRAMM

Jean-Philippe Rameau
1683 – 1764

Suite aus „Castor et Pollux”
Oper in einem Prolog und fünf Akten
Ouverture
Marche fière
Premier Air pour les Athlètes
Sarabande
Air gracieux
Menuet
Passepieds
Chaconne

PAUSE

„Pygmalion“
Acte de ballet in einem Akt
(halbszenisch)

PygmalionPROGRAMMTEXT

Klang gewordene Aufklärung

Jean-Philippe Rameau nimmt in der Geschichte der französischen Musik des 18. Jahrhunderts eine zentrale Stellung ein. 1683 in Dijon geboren und während seiner reifen Jahre in Paris tätig, verkörpert Rameau den Übergang von der spätbarocken Ästhetik, die von den Werken Jean-Baptiste Lullys (1632–1687) geprägt war, zu einer neuen musikalischen Auffassung, die auf Vernunft, Ordnung und formaler Klarheit beruht. Seine Laufbahn entfaltete sich vollständig im geistigen Klima der französischen Aufklärung – nicht nur durch seine Kompositionen, sondern auch durch sein Wirken als Musiktheoretiker. Sein Traité de l’harmonie (1722) übte einen nachhaltigen Einfluss auf das europäische Musikdenken aus, indem er eine rationale Systematisierung der Tonsprache auf der Grundlage akustischer Prinzipien vorschlug, die zur Grundlage der funktionalen Harmonik der Klassik wurde.

Öffentliche Anerkennung als Bühnenkomponist erlangte Rameau vergleichsweise spät. Nach vielen Jahren, die er als Organist sowie mit der Instrumentalmusik verbracht hatte, debütierte er 1733 an der Académie Royale de Musique mit der Oper Hippolyte et Aricie – einem Werk, das heftige Kontroversen auslöste. Der Reichtum und die harmonische Kühnheit seiner Orchestersprache, die sich deutlich vom Modell entfernten, das Lully geprägt hatte, spalteten das Pariser Publikum in Bewahrer der Tradition und Verfechter der Moderne. Von diesem Zeitpunkt an jedoch etablierte sich Rameau als führende Gestalt der französischen Oper während der Regierungszeit Ludwigs XV.

Die Suite aus der „tragédie lyrique“ Castor et Pollux (uraufgeführt 1737 und 1754 grundlegend überarbeitet) bietet einen umfassenden Überblick über Rameaus dramatische und instrumentale Stärken. Die majestätische Ouvertüre eröffnet eine mythologische Welt, die durch eine Orchestersprache von eindrucksvoller Energie belebt wird. Die anschließende Folge von Tänzen – von der Marche fière bis zur abschließenden Chaconne – spiegelt die zentrale Rolle des Balletts in der französischen Oper wider. Diese Sätze gehen jedoch weit über eine bloß dekorative Funktion hinaus: Durch rhythmische Vielfalt, harmonische Farbigkeit und differenzierte Orchestertexturen gewinnen sie eine klare expressive und dramatische Bedeutung, mit großer Raffinesse eingesetzt zur Charakterisierung von Figuren, Affekten und Situationen.

Pygmalion, 1748 komponiert, zählt zu den Höhepunkten von Rameaus theatralischem Schaffen. Als „acte de ballet“ klassifiziert, besticht das Werk durch seine dramatische Prägnanz und außergewöhnliche Erfindungskraft. Im Zentrum steht der Mythos des Bildhauers, der sein Kunstwerk zum Leben erweckt – eine Legende, die zur weit verbreiteten Metapher für die schöpferische Kraft der Kunst selbst wird, ein Gedanke, der tief im Denken des 18. Jahrhunderts verankert ist, das den Menschen in den Mittelpunkt des Universums stellte. Rameaus musikalische Fantasie entfaltet sich in einer reichen Vielfalt von Klangfarben und harmonischen Lösungen: Die Musik zeichnet den Weg von der Erstarrung zur Bewegung nach und beschreibt eine metaphysische Reise vom Unbelebten zum Lebendigen – in einer Partitur, die formale Strenge mit lebendiger Theatralik verbindet.

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Text: Simone Laghi