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Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
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TERMIN
Sonntag, 17. Mai 2026, 11 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal
Sendung am Freitag, 22. Mai, 20:03 Uhr in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
VISION STRING QUARTET
Adam Koch Violine
Daniel Stoll Violine
Sander Stuart Viola
Leonard Disselhorst Violoncello
PROGRAMM
Wolfgang Amadeus Mozart
1756 – 1791
Streichquartett D-Dur KV 575
„Preußisches Quartett Nr. 1“
I. Allegretto
II. Andante
III. Menuetto. Allegretto – Trio
IV. Allegretto
Dmitrij Schostakowitsch
1906 – 1975
Streichquartett Nr. 7 op. 108
I. Allegretto
II. Lento
III. Allegro – Allegretto
PAUSE
Edvard Grieg
1843 – 1907
Streichquartett g-Moll op. 27
I. Un poco Andante – Allegro molto ed agitato
II. Romanze. Andantino – Allegro agitato
III. Intermezzo. Allegro molto marcato – Più vivo e scherzando
IV. Finale. Lento – Presto al Saltarello
Das bekannte Unbekannte
Diese Boygroup ist immer für eine Überraschung gut. Das vision string quartet spielt auswendig und im Stehen, was nach Aussage seines bisherigen Primarius Florian Willeitner „maximale Freiheit und Lebendigkeit bedeutet“, und wenn es sein Kernrepertoire, die klassische Musik, mit Jazz, Pop, Folk und eigenen Songs mischt, dann tut es das zuallererst, um einen schlagenden Beweis für die Unendlichkeit zu erbringen – zumindest derjenigen der Musik und speziell des Streichquartetts. Besonders radikal fällt dieser auf der neuen CD des Quartetts aus: Inspiriert von Béla Bartóks „Faszination für das bekannte Unbekannte“ (so das vision string quartet), werden auf in the fields Einzelsätze aus klassischen Quartetten mit Bearbeitungen von Volksmusik und Eigenkompositionen kombiniert.
Die trauen sich was! Die vier Jungs können aber auch ganz klassisch. Ihr Konzert im Schwetzinger Schloss beginnen sie mit dem ersten jener Preußischen Quartette, die Mozart zunächst als musikalischen Sixpack plante. Dass am Ende nur drei Stücke davon fertig wurden, liegt schlicht daran, dass der preußische König Friedrich Wilhelm II. – übrigens ein Neffe des musikbegeisterten Königs Friedrichs des Großen – dem Komponisten 1789 in Berlin nicht einmal Audienz gewährte.
Dabei hat Mozart dem ambitionierten royalen Hobbymusiker die Cellopartien seiner drei Preußischen Quartette auf den Leib geschrieben. Das gilt ganz besonders für das erste Quartett in D-Dur, wo Mozart für das Cello unter anderem wirkungsvolle Kantilenen in hoher Lage auf der A-Saite komponiert hat. Dem D-Dur-Quartett meint man außerdem die Leichtigkeit und das ausgeglichene mediterrane Klima der gleichzeitig entstandenen Oper Così fan tutte anzuhören – im gesamten KV 575 gibt es keine Tempo-Extreme, also keinen ganz schnellen und auch keinen ganz langsamen Satz. Das Andante enthält eine serenadenhafte Reminiszenz an Mozarts Goethe-Lied Das Veilchen. Das Menuett klingt wie ein Tennis-Doppel: hier ein Paar, dort das andere; wenn im Tiebreak bei Gleichstand abgebrochen wird, stehen alle gemeinsam am Netz und finden das schon deshalb gut, weil das Finale danach sich so reizend und so kunstvoll daran erinnert, wie schön alles im ersten Satz doch begonnen hat.
Allegretto ist hier die von Mozart bevorzugte Tempovorgabe: ein Diminutiv, der das Schnelle und Lebhafte des Allegros ein wenig ausbremst. Auch in Dmitrij Schostakowitschs siebtem Streichquartett ist Allegretto die häufigste Vorgabe, aber verkleinert ist hier nichts, denn dieses Quartett, das der Komponist seiner an Krebs verstorbenen ersten Frau widmete, ist sein konzentriertestes und steht wie kein anderes für einen intimen Gegenentwurf zu dem, was man in Stalins Russland unter Kultur verstand. Das fis-Moll-Werk, dessen Sätze unmittelbar ineinander übergehen, lebt von jener Haltung, die man später als „innere Emigration“ bezeichnet hat. Auf den Eingangssatz mit seinem über einen kompletten Oktavraum hinabstürzenden Dreitonmotiv folgt im langsamen Satz über Sechzehntelfiguren der ersten Geige eine klagende Melodie, der Bratsche und Cello ein fast unheimlich heulendes Glissando entgegensetzen. Die Einleitung des Finales ist eine wilde Fuge, die ihren Höhepunkt in plötzlich auffahrenden, harten Dissonanzen findet. Das klingt nach Todesangst – Schmerzhafteres hat Schostakowitsch nirgends komponiert, und die Beklemmung löst sich auch im abschließenden Allegretto mit dem jetzt gedämpften Fugenthema nicht auf – bis zum Schluss, der die Grundtonart des Stücks, fis-Moll, nach Fis-Dur hinüberwuchtet. Erlösung? Wohl kaum, eher ein Verlöschen.
Auch Edvard Griegs Streichquartett von 1878 bewegt sich von Moll nach Dur, aber trotz seiner orchestralen Fülle ist sein Ende lichter. Wenn dort das allgegenwärtige Thema – eine Reminiszenz an ein eigenes Lied des Komponisten – im Fortissimo ein letztes Mal erklingt, dann hat Grieg erfolgreich gezeigt, welchen Ausdrucks- und Hoffnungsraum stilistische Offenheit bietet. Im ersten Satz steigert sich das musikalische Motto bis hin zu perkussiven Wirkungen, die auf Bartók vorausdeuten, das Seitenthema umgibt eine impressionistische Aura, die vom Cello dominierte Romanze atmet einen Hauch von Salonmusik, im Trio des Scherzos (Intermezzo) klingt die Musik der Hardanger-Fiedler an, das Finale ist ein nordischer Saltarello, und am Ende hat Grieg das eingelöst, wfas er einem Freund in einem Brief aus seinem Komponierhäuschen am Hardangerfjord versprochen hatte: „Ich will mich durch die großen Formen kämpfen, koste es, was es wolle.“ In diesem Sinne: Bleiben wir neugierig!
INTERPRET:INNEN
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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
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Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda