INHALT
Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
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Service
TERMIN
Sonntag, 26. April 2026, 11 Uhr
Schloss Schwetzingen, Mozartsaal
LIVE-Übertragung in SWR Kultur und zum Nachhören auf SWRKultur.de
BESETZUNG
BENNEWITZ QUARTET
Jakub Fišer Violine
Štěpán Ježek Violine
Jiří Pinkas Viola
Štěpán Doležal Violoncello
PROGRAMM
Bedřich Smetana
1824 – 1884
Streichquartett Nr. 2 d-Moll JB 1:124
I. Allegro
II. Allegro moderato
III. Allegro non più moderato, ma agitato e con fuoco
IV. Finale. Presto
Benjamin Britten
1913 – 1976
Streichquartett Nr. 3 op. 94
I. Duets. With moderate movement
II. Ostinato. Very fast
III. Solo. Very calm
IV. Burlesque. Fast – con fuoco
V. Recitative and Passacaglia (La Serenissima). Slow
PAUSE
Felix Mendelssohn Bartholdy
1809 – 1847
Streichquartett Nr. 6 f-Moll op. post. 80
I. Allegro vivace assai – Presto
II. Allegro assai
III. Adagio
IV. Finale. Allegro molto
Letzte Töne
Der Tod ist ein stiller Gevatter. Doch vor dem Sterben liegt der Abschied, und der kann gelegentlich auch länger und lauter tönen. Wie oft allein in Giuseppe Verdis Opern, in denen ja immer jemand dahinscheidet, „Addio“ gesungen wird, hat noch niemand präzise gezählt, doch erstaunlich ist allein schon die Anzahl der Abschiedsgrüße, die der Gouverneur Riccardo im „Maskenball“ vor seinem Ableben von sich gibt. Es sind ganze zehn – was auch insofern verwundert, als dieser Mann zu Beginn der Oper noch behauptet, „senza un addio“, also ohne einen Abschiedsgruß, von der Welt scheiden zu wollen.
Der Tod, so scheint’s, entkräftet auch Logik und Konsequenz. In jedem Fall setzt das Loslassen viele Gefühle frei, und wo Gefühle herrschen, ist Platz für Musik. Bedřich Smetanas zweites, Benjamin Brittens drittes und Felix Mendelssohn Bartholdys sechstes Streichquartett entstanden allesamt kurz vor dem Tod der Komponisten. Mendelssohns letzter Beitrag zu dieser Gattung nimmt dabei eine Sonderstellung ein, denn er hat den Schlaganfall seiner erst 41-jährigen, heiß geliebten Schwester 1847 nur um wenige Monate überlebt. „Bis jetzt kann ich an Arbeit, ja an Musik überhaupt nicht denken, ohne die größte Leere und Wüste im Kopf und im Herzen zu fühlen“, schrieb Felix nach Fannys Tod. Sein Opus 80 steht in f-Moll, einer Tonart, die in den Schriften von Theoretikern der Zeit für Schwermut steht, Trauer, Verzweiflung. Nach Aussage des Komponisten André-Ernest-Modeste Grétry ist f-Moll „die leidenschaftlichste Tonart von allen“.
Tatsächlich ist Mendelssohns f-Moll-Quartett sein leidenschaftlichstes Werk. Schon der erste Satz ist ganz Ausdruck, ganz Geste – ungewohnt für einen Komponisten, den man zuvor vor allem als Meister der Verinnerlichung kannte. Prägend sind hochexpressive Tremolo-Flächen, unberechenbar auffahrende Motive und ein punktierter Rhythmus, der im zweiten (Scherzo-)Satz noch durch Synkopen verstärkt wird. Die ostinate, also mehrfach wiederholte Bassfigur von Bratsche und Cello im Trio hat etwas von einem geisterhaften Totentanz. Im langsamen Satz steht nach einer schlichten, liedhaften Episode ein pathetischer Trauergesang im Zentrum. Und das Finale ist nichts weniger als eine stilistische Disruption: Das feenhafte Tänzeln und Schweben, das schon zu Lebzeiten des Komponisten als dessen Markenzeichen galt, wird hier von Synkopen zerfetzt und mit erbarmungslosen Triolen zum rauen Tonfall der beiden ersten Sätze zurückgetrieben. Zwei Monate nach der Vollendung des Stücks ist Mendelssohn selbst nach mehreren Schlaganfällen gestorben.
Von Bedřich Smetanas erstem Streichquartett bohrt sich vor allem ein einziger Ton ins Gedächtnis: ein hohes, schrilles E. „Aus meinem Leben“ lautet der Untertitel dieses Stücks, und mit dem exponierten Ton macht der Komponist 1876 leidvoll hörbar, wie sehr er unter dem Verlust seines Hörsinns leidet. Als er sechs Jahre später sein zweites Streichquartett schreibt, ist er vollständig ertaubt, wenige Monate nach der Uraufführung wird er sterben, und auch dieses Werk hat biografische Bezüge. „Es beschreibt“, so Smetana“, „die Verwirrung eines Menschen, der sein Gehör verloren hat“, und wenn wir in diesen Menschen hineinhören, erleben wir Zerrissenheit und Kampf. Im ersten Satz arbeiten sich zwei stark kontrastierende Themen aneinander ab, und an die Stelle des langsamen Satzes stellt Smetana ein emotional aufgeladenes Drama. Erst das Ende hat etwas Versöhnliches, da wandelt sich das düstere d-Moll zu einem strahlenden D-Dur. Gut möglich, dass dessen Glanz Arnold Schönberg zu der Aussage bewegt hat, ihm sei beim Hören „ein Licht aufgegangen“.
Als Benjamin Brittens drittes Streichquartett 1976 uraufgeführt wurde, war der Komponist schon tot, und in seinem letzten Instrumentalwerk hat er nicht gekämpft, sondern gesungen. Zwar verneigt sich Britten vor allem im dritten und vierten Satz auch vor Dmitri Schostakowitsch. Der fünfte und letzte Satz aber ist der längste und gewichtigste, und sein Titel „La Serenissima“ verdeutlicht den Bezug zu Brittens Thomas-Mann-Oper „Tod in Venedig“, auf die auch etliche Motive verweisen. Am Ende steht harmonisches Zwielicht. Britten wollte, dass das Werk mit einer Frage endet. Das ist radikal – ebenso wie die formalen Grenzsprengungen, die Mendelssohn und Smetana im Angesicht des Todes wagten. Dann nahmen sie ebenso Abschied, wie ihre Kunst, die Musik, das tut. Musik stirbt in jedem Augenblick; jeder Ton ist, kaum erklungen, schon verweht. Der Tod ist ein musikalischer Gevatter.
INTERPRET:INNEN
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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda