5. Mai 2026, 19 Uhr

Windsbacher Knabenchor · Spark | Die klassische Band

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INHALT

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TERMIN

Dienstag, 5. Mai 2026, 19 Uhr
Dom zu Worms

Einführung:
Susanne Benda im Gespräch mit Ludwig Böhme und Daniel Koschitzki
18 Uhr, Nikolausdapelle im Dom

BESETZUNG

WINDSBACHER KNABENCHOR
Ludwig Böhme
Musikalische Leitung

SPARK | DIE KLASSISCHE BAND
Andrea Ritter
Blockflöte
Daniel Koschitzki Blockflöte, Melodica
Stefan Balazsovics Violine, Viola
Isabel García Castro Violoncello
Christian Fritz Klavier

PROGRAMM


1. FRÜHLING

Johann Georg Ebeling 1637 – 1676 /
Jacob Hintze 1622 – 1702 /
Johann Sebastian Bach 1685 – 1750
Die güldne Sonne

Johann Sebastian Bach /
Johann Georg Ebeling
Du meine Seele, singe

Isabella Leonarda 1620 – 1704
Sonata op. 16 Nr. 9

Anonymus 17. Jh.
Nun will der Lenz uns grüßen

Anonymus 17. Jh. /
Johannes Werlin 1620 – 1675
Es geht ein dunkle Wolk herein

Max Reger 1873 – 1916
O Haupt voll Blut und Wunden

Johann Crüger 1585 – 1662
Auf, auf, mein Herz, mit Freuden


2. SOMMER

Christian Fritz *1988
Rejoice

August Harder 1775 – 1813 /
Max Bruch 1838 – 1920
Geh aus mein Herz und suche Freud

Hans Leo Hassler 1564 – 1612
Tanzen und Springen

Anonymus 17. Jh.
Es flog ein kleins Waldvögelein

Johann Sebastian Bach
Konzert a-Moll, BWV 1065
3. Satz: Allegro


3. HERBST

Jacob Hintze 1622 – 1702 /
Johann Sebastian Bach
Gib dich zufrieden
Choralmelodie von Jakob Hintze und Choral BWV 315

Christian Fritz
Grazia

Johannes Brahms 1833 – 1897
In stiller Nacht


4. WINTER

Johann Crüger /
Johann Sebastian Bach
Wie soll ich dich empfangen

Anonymus 17. Jh.
Ach bittrer Winter

Anonymus 16. Jh.
So treiben wir den Winter aus

Johann Sebastian Bach /
Martin Luther 1483 – 1546 /
Johannes Eccard 1553 – 1611
Ich steh an deiner Krippen hier

David Reichelt *1986
Von Freude getragen

Von Freude getragenPROGRAMMTEXT

Geh aus, mein Herz!

Das muss ihm erstmal einer nachmachen. Gerade erst ist einer der verheerendsten Kriege der Geschichte zu Ende gegangen, in dem bis zu acht Millionen Menschen umkamen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind weite Landstriche verwüstet, und die Pest rafft noch lange nach dem Friedensschluss 1648 Tausende der geschwächten Überlebenden dahin. In dieser Situation kann man verzweifeln, kann seinen Glauben aufkündigen. Nicht so Paul Gerhardt. Er schreibt ein Gedicht, in dem er das Leben feiert und das später in Liedform weltberühmt wird. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben“: Das ist die erste von nicht weniger als 15 Strophen, die der Pfarrer und Lyriker damals dichtete. Als Schöpfung eines guten Gottes kann die Welt nur eine gute sein – trotz allem. Das ist die Grundaussage eines Textes, der beweist, wie viel davon abhängt, was wir in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken und wie wir das Wahrgenommene bewerten. Zwar trübt in der letzten Strophe ein Vorschein des Todes die sommerbunte Lebenslust, doch auch das „Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis’ an Leib und Seele grünen“ ist Ausdruck tiefster Glaubenszuversicht (oder, wie man in unseren säkularen Zeiten sagen würde: Resilienz).

Diese erstaunt vor allem deshalb, weil das Glück nicht gerade der prominenteste Lebensgefährte Paul Gerhardts gewesen ist. Der 1607 bei Wittenberg geborene Sohn eines Landwirts und Stadtrats wurde mit 14 Jahren schon Vollwaise. Er schlug sich durch, studierte Theologie, begeisterte sich für die Dichtkunst. Nach seiner späten Hochzeit hat er vier seiner fünf Kinder schon kurz nach der Geburt verloren. Als Pfarrer war er in Brandenburg und in Berlin tätig (wo man ihn während des lutherisch-calvinistischen Kirchenstreits entließ, weil er von der Lehre Luthers nicht lassen wollte). Gut 150 Gedichte beziehungsweise Liedtexte in (vor allem) deutscher und lateinischer Sprache hat Paul Gerhardt verfasst. Viele von ihnen stehen bis heute in den Gesangbüchern. Etliche sind durch ihre Vertonungen in die Musikgeschichte eingegangen – prominentestes Beispiel ist hier wohl der Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ aus Bachs „Matthäus-Passion“.

Dennoch teilt Paul Gerhardt das Schicksal heutiger Ghostwriter: Man kennt die Lieder, die auf seinen Texten fußen, aber sein Name ist nur Insidern ein Begriff. Aus Anlass von Gerhardts 350. Todesjahr wollen der Windsbacher Knabenchor und die klassische Band Spark dies wenigstens ein bisschen ändern. Ihr gemeinsames Konzert, das sich thematisch am Lauf der Jahreszeiten orientiert, präsentiert Gerhardts Texte in unterschiedlichen Vertonungen. Populär waren zu Lebzeiten des Dichter-Theologen besonders die Kirchenlieder von Johann Georg Ebeling, Johann Crüger und Jacob Hintze, deren Melodien sich teilweise, versehen mit einer von Bach hinzugefügten Bassstimme, im später berühmt gewordenen Gesangbuch des Kantors Georg Christian Schemelli wiederfinden. Damit aber nicht genug. Paul Gerhardts Texte sind für viele Überraschungen gut, und so erleben wir den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ in diesem Programm nicht in der bekannten Fassung des Thomaskantors, sondern in derjenigen Max Regers, und das „Geh aus, mein Herz“ erklingt nicht nur in der bekanntesten seiner etwa 40 (!) Vertonungen durch August Harder, sondern zusätzlich noch in der Version Max Bruchs.

Dem Windsbacher Knabenchor und Spark geht es nicht nur um die Wiederbegegnung mit einem genialen Kirchenlieddichter und mit den Komponisten, die seine Lyrik in Töne setzten. Sondern um einen Transport ins Heute – und damit um den Beweis dafür, dass das kreative Potenzial der „alten“ Kunst noch lange nicht ausgereizt ist. Bearbeitungen für Blockflöten, Melodica, Streicher und Klavier ergänzen den Gesang des Knabenchors mit neuen Farben und Rhythmen – vor allem der Pianist von Spark, Christian Fritz, hat sie erstellt.

Den größten Brückenschlag gibt’s dann zum Schluss. Der vielfach preisgekrönte Münchner Komponist David Reichelt ist zwar vor allem durch seine Musik für Filme, Serien und Werbetrailer bekannt geworden, hat seine Wurzeln aber in Klassik und Jazz – und verbindet jetzt mit dem Auftragswerk „Von Freude getragen“ das 17. mit dem 21. Jahrhundert, Frühbarock mit Elektronik, Gesang mit Instrumentalmusik, Gesangbuch mit Songbook, Geistliches mit Weltlichem. Das muss ihm erstmal einer nachmachen!

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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda