7. Mai 2026, 19:30 Uhr

Andreas Scholl · Dorothee Oberlinger · Olga Watts

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INHALT

Termin
Besetzung
Programm
Programmtext
Interpret:innen
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TERMIN

Donnerstag, 7. Mai 2026, 19:30 Uhr
Schloss Schwetzingen, Jagdsaal

Einführung
Susanne Benda im Gespräch mit Dorothee Oberlinger
18:30 Uhr, Mozartsaal

BESETZUNG

Andreas Scholl Countertenor
Dorothee Oberlinger Blockflöte
Olga Watts Cembalo

PROGRAMM

Antonio Caldara
1670 – 1736
„Da tuoi lumi“
Kantate für Altsolo und obligate Instrumente
I. Aria. Da tuoi lumi
II. Recitativo. Vago mio, sol tu puoi far
III. Aria. Nasce la mia speranza

Arcangelo Corelli
1653 – 1713
Violinsonate d-Moll „La Folia“
Aus: 12 Violinsonaten op. 5 Nr. 12
Bearbeitung für Altblockflöte und Basso continuo von John Walsh

Antonio Caldara
„Vaghe luci“
Kantate für Altsolo und obligate Instrumente

Georg Friedrich Händel
1685 – 1759
„Mi palpita il cor“
Kantate für Altsolo, Flöte und Continuo, HWV 132c
I. Recitativo. Mi palpita il cor
Arioso. Agitata e l’alma mia
Recitativo. Tormento e gelosia
II. Aria. Ho tanti affanni in petto
Recitativo. Clori di te mi lagno
III. Aria. S’un di m’adora la mia crudele

PAUSE

Arcangelo Corelli
Violinsonate F-Dur
Aus: 12 Violinsonaten op. 5 Nr. 10
Bearbeitung für Blockflöte und Basso continuo mit Ornamenten von Pietro Castrucci und William Babell
I. Preludio. Adagio
II. Allemanda. Allegro
III. Sarabanda. Largo
IV. Gavotta. Allegro
V. Giga. Allegro

Johann Sebastian Bach
1685 – 1750
Chaconne
Aus: Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo BWV 1004
Bearbeitung für Cembalo von Lars Ulrik Mortensen

„Leget Euch dem Heiland unter“
Arie aus der Kantate „Himmelskönig, sei willkommen“ BWV 182

Georg Friedrich Händel
„Nel dolce tempo“
Kantate für Altsolo und Basso continuo, HWV 135b
Recitativo. Nel dolce tempo
I. Aria. Pastorella, coi bei lumi
Recitativo. Di pallido color
II. Aria. Senti, die te, ben mio, cantar

Georg Philipp Telemann
1681 – 1767
„Kein Mädchen kann auf Erden“
Arie aus der Oper „Pastorelle en musique“, TWV deest

Cembalo nach Michael Mietke (1710),
erbaut 1991 von Bernhard von Tucher,
aus der Sammlung von Peter Kranefoed
Atelier für historische Tasteninstrumente
Truhenorgeln · Cembali · Hammerflügel

Zeitlos herzzerreißend
PROGRAMMTEXT

Ach, die Liebe!

Gleich bricht sie an, die Nacht der Liebe. „Bist du mein?“ – „Hab ich dich wieder?“ – „Darf ich dich fassen?“ – „Kann ich mir trauen?“ – „Fühl ich dich wirklich?“ – „Seh ich dich selber?“ – „Dies deine Augen?“ – „Dies dein Mund?“ – „Hier deine Hand? – „Hier dein Herz?“ … So bewegen sich die beiden großen Liebenden der Operngeschichte, Richard Wagners Tristan und Isolde, singend aufeinander zu, und dies zeigt uns gleich zweierlei: erstens, was der Hormoncocktail aus Serotonin, Phenylethylamin, Dopamin und Oxytocin im Menschen auslösen kann, und zweitens, dass die Musik die erste Begleiterin der überwältigendsten aller Emotionen ist.

Die Klangkunst ist nämlich ihrerseits nicht nur hochemotional, sondern in ihrem Kern ebenso sprachlos wie die Liebe. Es sei denn, sie vereinigt sich auf liebende Weise mit der Kunst der Worte. Diese Vereinigung feiern Andreas Scholl, Dorothee Oberlinger und Olga Watts in einem Konzert voller barocker Liebesklänge und -gesänge. Dass es dabei nicht nur um eitel Sonnenschein geht, liegt schlicht daran, dass die Liebe nicht nur das größte, sondern auch das facettenreichste aller Gefühle ist, und so geht es in diesem Programm nicht nur um Leidenschaft und Verbundenheit, sondern auch um Eifersucht, Sehnsucht, den Zwiespalt zwischen Nähe und Distanz.

In barocken Solokantaten treten die Liebenden gerne als Schäfer:innen und Hirten auf. Alessandro Scarlatti hat diese Gattung zu ihrer ersten Blüte gebracht, und der junge Händel erweiterte während seines vierjährigen Italienaufenthaltes das dramatische Potenzial des Genres – ganz besonders mit seiner Kantate „Mi palpita il cor“, in der ein Altus den Schmerz eines verschmähten Liebenden besingt. Schon im einleitenden Rezitativ hören wir ein Herz in größter Verwirrung stolpern, und in den Arien begleitet eine Flöte die Gesangsstimme wie eine Helferin in größter Seelenpein. In „Nel dolce tempo“ muss der Protagonist mit seiner Liebe zu einer schönen Nymphe alleine zurechtkommen, weiß sich aber getragen von einer idyllischen Natur mit zwitschernden Vögeln und rauschendem Fluss.

Davon, dass Händel in Italien Werke von Arcangelo Corelli hörte, ist auszugehen – schließlich hat Corelli 1708 in Rom die Uraufführung von Händels Oratorium „La Resurrezione“ geleitet. Und im Jahr zuvor gab’s mächtig Ärger. Weil Corelli bei einer Aufführung von Händels erstem Oratorium Il trionfo del tempo e del disinganno in den Ecksätzen der Ouvertüre die Punktierung rhythmisch nicht ganz präzise setzte, riss ihm Händel wütend die Geige aus der Hand. „Mein lieber Sachse“, so die beschwichtigende Antwort, „eure Musik ist nach dem französischen Stil eingerichtet, und darauf verstehe ich mich nicht.“ Woraufhin Händel flugs eine neue Ouvertüre komponierte – in italienischem Stil.

Wie dieser Stil klingt, hören wir bei zwei für Flöte bearbeiteten Violinsonaten Corellis. Die d-Moll-Sonate enthält Variationen über eines der berühmtesten Themen der Musikgeschichte, das nach Corelli noch unzählige weitere Komponisten aufgenommen, bearbeitet und variiert haben. Wobei sich das Wilde, Ungebärdige der frühen „Folia“-Tänze des 15. und 16. Jahrhunderts („la follia“ im Italienischen bzw. „la folía“ im Spanischen bedeuten „Verrücktheit“ oder „Wahnsinn“) im Barock zu einer ruhig, ja fast pathetisch schreitenden Sarabande wandelte. Deren markante Bausteine sind Dreiertakt, Gleichstimmigkeit und eine wiederholte Harmonie- und Basstonfolge, wie wir sie von der Passacaglia bzw. der Chaconne kennen.

Den berühmtesten aller Chaconne-Sätze hat Johann Sebastian Bach komponiert. Außerdem bringt er mit der ersten Kantate aus seiner Weimarer Zeit den Aspekt der Gottesliebe ein. Die Kantate Himmelskönig, sei willkommen entstand 1714 und ist deutlich vom italienischen Stil inspiriert. In der Arie „Leget Euch dem Heiland unter“ lauschen wir einem Dreiergespräch zwischen Altus, Blockflöte und Basso continuo.

Bleiben noch zwei Komponisten. Dem Venezianer Antonio Caldara dürfte Händel in Rom begegnet sein; Bach hat Caldaras Kirchenmusik in Dresden kennengelernt. Während seiner zwei Jahrzehnte als Vizekapellmeister am Wiener Kaiserhof komponierte Caldara aber auch Opern und weltliche Kantaten, deren Virtuosität und melodischer Reichtum sie zu einer beliebten Fundgrube vor allem für Countertenöre machen. Georg Philipp Telemann ist mit einer Nummer aus einem musikalischen Hirtenspiel vertreten. In der Volkstanz-beschwingten Arie „Il n’est point de bergère“ stützt die Blockflöte den Altus, und der glücklich verliebte Amintas, dem er seine Stimme leiht, verhilft dem musikalischen Schmachten zu einem klaren Fazit: „Kein Mädchen kann auf Erden so kalt gefunden werden, das sich nicht endlich giebt mit schmeichelnden Gebärden, und wenn man treulich liebt.“ Na also.

INTERPRET:INNEN

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Veranstalter & Herausgeber: Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung: Cornelia Bend
Redaktion: Otto Hagedorn
Text: Susanne Benda