Bis 2030 sollen Wärmenetze in Deutschland für rund 43 Milliarden Euro ausgebaut werden. Um den Prozess zu beschleunigen, schlagen Energieverbände nun vor, dass Mieter künftig bis zu 50 Cent pro Quadratmeter und Monat zusätzlich zahlen sollen.
Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung wären das 420 Euro Mehrkosten im Jahr – zusätzlich zu den regulären Heizkosten. Betroffen wären potenziell Millionen Haushalte, deren Gebäude an Wärmenetze angeschlossen werden sollen.
Kostenneutralität als zentrales Schutzinstrument
Bislang schreibt die Wärmelieferverordnung vor: Ein Fernwärmeanschluss darf für Mieter nicht teurer sein als ihre bisherige Heizungsart. Diese Kostenneutralität schützt Mietende davor, dass sie den Umbau finanzieren müssen. Mehrere Verbände drängen nun auf eine Lockerung oder Streichung dieser Regel.
Der Deutsche Mieterbund warnt klar davor. „Die Kostenneutralität ist aktuell das einzige zentrale Mieterschutzinstrument“, sagt Mieterbund-Referentin Anna Wolff gegenüber CORRECTIV. Ein Fernwärmeanschluss darf zum Zeitpunkt der Umstellung für Mieter:innen nicht teurer sein als ihre bisherige Heizungsart.
Recherche entlarvt Lobbyarbeit auf Bundesebene
Laut CORRECTIV haben große Energie- und Immobilienlobbys – darunter VKU und BDEW in den vergangenen Monaten teilweise mehrfach mit der Bundeswirtschaftsministerin oder führenden Angestellten des Ministeriums getroffen.
Die komplette CORRECTIV-Recherche gibt es hier
Mieterschutz muss bleiben: Kritik von Expert:innen
Energierechtsexperte Friedhelm Keimeyer vom Öko-Institut warnt: Fernwärmepreise seien bereits heute oft intransparent und hoch. Eine Lockerung des Mieterschutzes könne „nicht im Sinne der Verbraucher“ sein. Er empfiehlt eine klare Regelung, die zwischen kommunaler Fernwärme und kommerziellem Contracting unterscheidet – um Missbrauch zu verhindern.
Wärmewende – aber zu welchem Preis?
Die CORRECTIV-Recherche zeigt, wie stark wirtschaftliche Interessen den politischen Prozess beeinflussen. Gelingt die Wärmewende, ohne Mieter:innen übermäßig zu belasten? Die Debatte darüber dürfte weiter an Schärfe gewinnen.