Detektivarbeit am Ufer und im Labor

Für die ARD-Mitmachaktion #unsereFlüsse haben Forscher*innen je einen Liter Wasser aus 31 Bächen untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Den Bächen geht es schlecht – aber es gibt auch Hoffnung.

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Du gehst vielleicht jeden Tag achtlos an einem Bach vorbei. Mal gluckert er, mal fließt er still, vielleicht schwimmt ein Ast darin. Klingt unspektakulär? Nicht für die Forscher*innen der Universität Duisburg-Essen.

Untersuchung der Gewässer der Universität Duisburg-Essen
Untersuchung der Gewässer der Universität Duisburg-Essen

Charlotte Frie und Lisa Wolany haben im Juni 2024 an 31 Bächen in ganz Deutschland Wasserproben genommen – nur ein Liter pro Bach. Was sie daraus lesen können? Mehr, als du dir wahrscheinlich vorstellen kannst. Denn in diesem einen Liter steckt die ganze Geschichte des Lebens unter Wasser – oder zumindest ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wie es den Bachbewohnern so geht.

Was das Wasser uns verrät – und was nicht

Per DNA-Analyse konnten die Wissenschaftler*innen herausfinden, welche Tiere im Bach leben. Aber was dabei herauskam, war nicht unbedingt erfreulich: In den meisten Bächen fanden sich vor allem robuste Arten. Klingt erstmal gut, oder?

Ist es aber nicht. Denn diese Tiere sind quasi die Müllabfuhr der Natur – sie halten durch, wenn der Lebensraum bereits unter Stress steht. Ihre Anwesenheit zeigt: Dem Bach geht’s nicht gut.

Untersuchung der Gewässer der Universität Duisburg-Essen
Untersuchung der Gewässer der Universität Duisburg-Essen

Artenvielfalt sieht anders aus – trotz einiger „Goldstücke“

Doch es gibt auch Überraschungen. Zwischen all den Überlebenskünstlern tauchten in manchen Bächen auch seltene Arten auf, die nur dort vorkommen, wo es noch einigermaßen sauber ist. Darunter: die Quellschnecke, Bachflohkrebse und einige Köcherfliegenarten.

Florian Leese von der Universität Duisburg-Essen nennt sie „Goldstücke“. Und genau das sind sie auch: kleine Juwelen in einem Lebensraum, der sonst eher von Problemen geprägt ist.

Untersuchung der Gewässer der Universität Duisburg-Essen
Untersuchung der Gewässer der Universität Duisburg-Essen

Weniger überraschend – der Einfluss des Menschen auf das Ökosystem Bach

Dort, wo Menschen ihre Finger im Spiel haben – also quasi überall – sieht es nicht gut aus. Industrie, Siedlungen, Landwirtschaft – alles wirkt sich auf die Bäche aus. Kein einziger der untersuchten Bäche wurde als „sehr gut“ bewertet. Nur zwei schafften es auf „gut“: Der Kemnitzbach in Sachsen und die Fils in Baden-Württemberg.

Und was ist mit dem Flusskrebs?

Ein Beispiel ist der Mühlbach in Güstrow. Tagesthemen-Moderatorin Jessy Wellmer hat dort früher Flusskrebse gefangen. Heute? Fehlanzeige. Kein genetischer Nachweis mehr. Aber bevor du den Krebs komplett abschreibst: Laut Leese kann es gut sein, dass er einfach nicht entdeckt wurde.

Auch genetische Methoden können insbesondere seltene Arten auch übersehen. Da wir an anderen Stellen aber den invasiven Signalkrebs finden konnten, zeigen die Daten, dass Krebse aufgespürt werden können.

Was bleibt?

Vielleicht schaust du deinen nächsten Spaziergang am Bach mit anderen Augen. Vielleicht siehst du das Glitzern auf der Wasseroberfläche, das Rascheln am Ufer – und fragst dich: Wer lebt hier eigentlich? Dank #unsereFlüsse wissen wir jetzt ein bisschen mehr – und können vielleicht auch ein bisschen besser hinschauen.

Mannheim, Stuttgart

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR