Die Ergebnisse von #unsereFlüsse sind alarmierend: 76 Prozent der untersuchten Bäche wurden als „mäßig“, „unbefriedigend“ oder sogar „schlecht“ bewertet. Nur 25 Prozent erreichten gute oder sehr gute Werte. Laut Prof. Aletta Bonn, Wissenschaftlerin am UFZ, gibt es drei Hauptprobleme: Begradigungen, fehlende Uferbewachsung und unzureichende Gewässerrandstreifen.
Besonders kritisch ist die fehlende Vegetation an den Ufern. Sträucher und Bäume spenden Schatten, regulieren die Wassertemperatur und schützen vor Schadstoffen. In einer so genannten naturfernen Umgebung, die von Landwirtschaft, Siedlungen oder Industrie geprägt sei, würden die Pflanzen am Ufer eine Art Pufferfunktion erfüllen. Doch fast die Hälfte der untersuchten Bäche habe keinen oder nur einen lückenhaften Randstreifen, erklärt Prof. Aletta Bonn.
Betonierte Bäche und die Hoffnung auf Renaturierung
Ein weiteres Problem: Viele Bäche sind begradigt oder sogar betoniert. Ein Beispiel ist der Ellerbach in Bad Kreuznach, dessen künstlicher Seitenarm durch Rohre geleitet wird. Klaus Hermes, ein Teilnehmer der ARD-Mitmachaktion #unsereFlüsse kämpft seit Jahren für die Renaturierung des Bellingerbachs. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass der Bach eines Tages wieder frei fließen kann“, sagt er im Interview.
Klaus Hermes aus Rheinland-Pfalz Der Mann, der mit seinem Bach spricht
Klaus Hermes ist seit 27 Jahren Bachpate. Wie er Gewässer schützt, Kinder begeistert und für die Renaturierung kämpft, zeigt dieser bewegende Einblick.
Renaturierungen sind oft aufwendig, aber nicht immer. Aletta Bonn berichtet von einer Gruppe Angler in Jena, die an einem Wochenende Kies und Totholz in einen Bach eingebracht haben, um die Gewässersohle zu verbessern. Solche Maßnahmen können schnell umgesetzt werden und große Wirkung zeigen.
Renaturierung: So kannst du helfen
Du kannst dich für die Renaturierung eines Baches einsetzen. Das bedeutet, den Bach wieder in einen natürlichen Zustand zu versetzen – mit vielfältigen Bachbetten und bepflanzten Uferstreifen. Wichtig ist, mit Flächeneigentümern, Behörden und anderen Beteiligten zusammenzuarbeiten. Mehr Informationen bekommst du beim Citizen Science-Projekt FLOW, dem Vorbild für die ARD-Mitmachaktion #unsereFlüsse.
Gemeinsam für unsere Bäche
#unsereFlüsse im Jahr 2024 zeigt, dass jeder etwas tun kann. Ob durch einfache Beobachtungen oder aktive Maßnahmen – jede Hilfe zählt. Prof. Aletta Bonn wünscht sich, dass Menschen vor Ort ins Gespräch kommen und gemeinsam Lösungen finden. „Den Bächen wieder Raum geben, damit sie sich selbst regenerieren können“, lautet daher ihr Appell.