1.000 Orte und Aktionen

Kinderfreundliches Deutschland? Da geht noch was!

Was verraten uns die ersten 1.000 Meldungen? Welche Themen überwiegen, was sticht besonders hervor? Andrea Wieland aus dem #unsereKinder-Team ordnet die Ergebnisse ein.

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Stand

Von Autor/in Andrea Wieland

Ausgerechnet die 1.000. Meldung hat mit Wintersport zu tun – das passt zum #unsereKinder-Botschafter und ehemaligem Skirennfahrer Felix Neureuther. Den Jubiläumseintrag machten die bayerischen Vereine WSV Oberweißenbrunn und RWV Haselbach gemeinsam, in dem sie den Ort Bischofsheim in der Rhön markierten. Dieser Pin steht beispielhaft für vieles, was Menschen auf der #unsereKinder-Karte als kinderfreundlich beschreiben: Kinder können sich bewegen, Neues ausprobieren, Gemeinschaft erleben und werden von engagierten Erwachsenen begleitet.

Kinderfreundliche Orte dominieren nach rund 3 Monaten

Seit dem Start der ARD-Mitmachaktion #unsereKinder im Mai haben Familien, Vereine, Initiativen und Kommunen auf der Karte deutlich mehr kinderfreundliche als kinderunfreundliche Orte markiert. Besonders geschätzt werden Orte, an denen Kinder sich bewegen oder Natur erleben können. Gleichzeitig geht es vielen Teilnehmenden nicht allein um Spiel- und Freizeitangebote. Kinderfreundliche Orte sind für sie auch Treffpunkte: Räume, wo Kinder, Eltern und Menschen verschiedener Generationen zusammenkommen.

Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages
Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages Deutscher Städtetag

Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages - einem der Unterstützer der ARD-Mitmachaktion #unsereKinder - , sieht in den ersten 1.000 Meldungen ein vielfältiges Bild davon, wo und wie Kinder ihren Alltag erleben:

Die ARD-Mitmachaktion zeigt: Dort, wo die Kinder aufwachsen und zuhause sind, ist ihre Heimat. Hier gehen sie in die Kita, zur Schule und in den Sportverein. Sie toben auf Spielplätzen, in Parks oder gehen ins Schwimmbad oder nutzen Bibliotheken. Auch vom Zusammenleben der Generationen berichten die ersten 1.000 Praxisbeispiele.

Zwei Kinder rennen durch einen Parcour.
Zwei Kinder rennen durch einen Parcour. Shotshop

Die Einträge seien nicht nur eine Sammlung guter Ideen. Sie könnten auch dazu anregen, genauer auf die Bedürfnisse von Kindern zu schauen:

Sie ermutigen, sich ganz konkret mit den kleinen und großen Sorgen der Kinder auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen.

Viele Kommunen wollten Kinderrechte Schritt für Schritt besser umsetzen, erklärt Schuchardt. Dazu gehöre, Kinder und Jugendliche an Entscheidungen über Freizeitangebote zu beteiligen oder ihnen in Kinder- und Jugendparlamenten eine Stimme zu geben. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass junge Menschen diese Möglichkeiten auch nutzten: "Viele Kinder und Jugendliche mischen engagiert mit, wenn es um die Zukunft ihrer Heimat geht."

Schuchardt macht zugleich deutlich, dass Beteiligung und kinderfreundliche Angebote nicht allein vom guten Willen einzelner Menschen oder Kommunen abhängen dürfen: „Die Städte brauchen für die Umsetzung der Ideen allerdings auch ausreichende Ressourcen.“

Städtisches Beispiel Saarlouis

Wie eine Stadt es schaffen kann, dass sie als kinderfreundlich wahrgenommen wird, zeigt das Beispiel Saarloius im Saarland. Die ganze Stadt wurde bei #unsereKinder als kinderfreundlicher Ort markiert. Der Eintrag erwähnt den kostenlosen Familien- und Sozialpass. Er bündele Vergünstigungen für zahlreiche Angebote – vom Schwimmbad über Museen und die Stadtbibliothek bis hin zum öffentlichen Nahverkehr und zur Kunstschule. Gerade in den Sommerferien kann das Familien entlasten.

Dass eine Familie gleich die gesamte Stadt auf der Karte markiert hat, überrascht Bürgermeister Carsten Quirin nicht. Er ist selbst in Saarlouis aufgewachsen und sagt, die Stadt arbeite seit Jahren daran, gute Bedingungen für Familien zu schaffen. Dazu gehörten zahlreiche Spielplätze, die nach und nach modernisiert und zu Mehrgenerationenspielplätzen ausgebaut würden. Auch die Betreuungsangebote in Krippen und Kitas würden erweitert.

Als kinderfreundliche Beispiele nennt Quirin die Kinder- und Jugendfarm sowie die Freie Kunstschule. Hinzu kommen kurze Wege: In den acht Stadtteilen gebe es viele Bereiche, in denen Kinder draußen spielen könnten. Mitten in der Innenstadt bietet der autofreie Marktplatz Spielgeräte und Wasserspiele. Auch der große Stadtgarten schaffe Platz zum Spielen und Bewegen.

Ein Junge fährt auf seinem Fahrrad einen Weg entlang
Ein Junge fährt auf seinem Fahrrad einen Weg entlang Image Source

Straßen werden aus Kindersicht zum Problem

Während bei den positiven Meldungen Gemeinschaft, Bewegung und Natur im Mittelpunkt stehen, werden Straßen auffällig oft als kinderunfreundlich markiert. Teilnehmende berichten von gefährlichem Verkehr und öffentlichen Räumen, in denen die Bedürfnisse von Kindern zu wenig berücksichtigt werden.

Auch schlecht gepflegte Spielplätze und eine mangelhafte Infrastruktur werden kritisiert. Manche Einträge benennen deshalb nicht nur einen einzelnen problematischen Ort, sondern beschreiben grundsätzlich, was das Leben mit Kindern erschwert.

Dazu zählen steigende Mieten und fehlender bezahlbarer Wohnraum für Familien, finanzielle Belastungen sowie Kürzungen bei Angeboten für Kinder, Kitas oder Schulen. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass Kinder im öffentlichen Raum eher als Störung wahrgenommen werden, statt selbstverständlich dazuzugehören.

Wie viel Kinderfreundlichkeit hängt am Ehrenamt?

Viele der eingetragenen Angebote wurden von Eltern, Vereinen oder privaten Initiativen geschaffen. Sie organisieren Bewegungsangebote, gestalten Treffpunkte oder entwickeln Freizeitaktionen für Kinder. Dieses Engagement macht Deutschland vielerorts kinderfreundlicher. Zugleich wirft es eine grundsätzliche Frage auf: Warum müssen Familien solche Orte so oft selbst schaffen? Ist ein kinderfreundliches Umfeld nicht eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?

Eure Geschichten von der #unsereKinder-Karte Serie: Hier ist es jetzt kinderfreundlicher

Jede Woche stellen wir euch hier Menschen vor, die eine Idee für Kinder erfolgreich umgesetzt hat. Das kann in der Stadt oder auf dem Dorf sein, im Sport oder in der Natur.

Die Karte macht sichtbar, wie viel Eltern, Vereine und Ehrenamtliche bereits leisten. Sie zeigt aber auch, dass aus einzelnen kinderfreundlichen Inseln verlässliche Strukturen werden müssen. Dafür braucht es politische Unterstützung sowie Kommunen, die ausreichend ausgestattet sind.

Die ersten 1.000 Meldungen sind erst der Anfang

Die #unsereKinder-Karte zeigt, wie viele gute Ideen und bewährte Orte es bereits gibt. Sie macht aber ebenso sichtbar, wo Kinder übersehen werden und Familien Unterstützung fehlt.

Jede weitere Meldung ergänzt dieses Bild: Wo können Kinder sich frei bewegen? Wo sind wirklich alle willkommen? Welche Straße ist gefährlich? Und welche Initiative zeigt, wie es besser gehen kann?

HIER MITMACHEN: Tragt kinderfreundliche und kinderunfreundliche Orte sowie Aktionen für Kinder hier ein:

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Andrea Wieland