Elternbegleitung in Schweinfurt

Mit Lastenrad und Kaffee zu den Familien auf den Spielplatz

In Schweinfurt gehen Elternbegleiter*innen der Diakonie dorthin, wo Eltern und Kinder sind - auf den Spielplatz.

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Von Autor/in Andrea Wieland

Ein Lastenrad fährt Richtung Klettergerüst – beladen mit Kaffee, Äpfel, Luftballons und Zeit für Gespräche. Das Team der Elternbegleitung in Schweinfurt kommt dorthin, wo Familien ohnehin sind – auf den Spielplatz.

„Vertrauen ist die Grundlage unserer Arbeit“, sagt Dorothee Marschall, Koordinatorin der Elternbegleitung in der Stadt Schweinfurt. Denn viele Familien kämen nicht von sich aus in ein Beratungsbüro. Manche wissen nicht, welche Unterstützung ihnen zusteht. Andere kämpfen mit sprachlichen Barrieren.

Auf dem Spielplatz ist die erste Hürde niedriger. Man kommt ins Gespräch, während die Kinder spielen. Aus dieser ersten, kurzen Begegnung kann eine intensive Begleitung entstehen.

Hilfe von der Geburt bis zum Ende der Grundschulzeit

Das Projekt Elternbegleitung, dass von der Diakonie Schweinfurt umgesetzt wird, richtet sich an Familien mit Kindern von der Geburt bis zum Ende der Grundschulzeit. Die Mitarbeiter*innen besuchen Familien zu Hause, begleiten sie zu Ämtern, Beratungsstellen oder medizinischen Untersuchungen. Sie helfen bei der Suche nach einem Kinderarzt oder einem Kita-Platz und kommen auf Wunsch mit zur Schuleingangsuntersuchung.

„Wir sind die Brücke“, beschreibt Marschall die Aufgabe der Elternbegleitung. Das Team arbeite eng mit den Familien und zugleich mit Schulen, Kitas, Beratungsstellen, dem Gesundheitsamt und anderen Institutionen zusammen. „Wir bringen die Eltern immer zu der Stelle, die sie gerade brauchen.“

Beispielbild für eine hochschwangere Frau
Beispielbild für eine hochschwangere Frau Ute Grabowsky

Hochschwangere Frau sorgte für Suche unter Zeitdruck

Wie wichtig diese Begleitung sein kann, zeigt ein Fall, der Dorothee Marschall besonders in Erinnerung geblieben ist: Eine hochschwangere Frau wandte sich an das Team. Sie hatte weder eine Krankenversicherung noch eine Frauenärztin. Hinzu kam die Sprachbarriere.

Für die Elternbegleiterinnen begann eine Suche unter Zeitdruck: Sie stellten Kontakte zur Migrations- und Schwangerschaftsberatung her, telefonierten mit Arztpraxen, organisierten sprachliche Unterstützung und begleiteten die Frau zu ihren Terminen.

Solche Fälle zeigen, dass Unterstützung nicht immer an fehlenden Angeboten scheitert. Vielleicht ist das Hilfesystem auch so kompliziert, dass Familien ohne Begleitung kaum den richtigen Zugang finden. „Wir haben die Zeit, den Familien zuzuhören und sie zu stärken“, sagt Marschall. Genau diese Zeit fehle vielen anderen Einrichtungen im Alltag, sagt sie.

Eine Malaktion der Elternbegleitung Schweinfurt und Umgebung
Eine Malaktion der Elternbegleitung Schweinfurt und Umgebung Elternbegleitung Schweinfurt

17 Nationen - Kommunikation funktioniert mit Händen und Füßen

In den vergangenen vier Jahren hat die Elternbegleitung in der Stadt Schweinfurt nach Angaben von Marschall Familien aus mehr als 17 Nationen erreicht. Nicht immer gäbe es von Anfang an eine gemeinsame Sprache, erzählt sie. Dann würden Übersetzungsprogramme auf dem Smartphone oder auch die „Kommunikation mit Händen und Füßen“ helfen.

Eine wichtige Unterstützung sind ehrenamtliche Sprachmittler*innen. Einige von ihnen wurden früher selbst von der Elternbegleitung unterstützt und möchten jetzt anderen Familien helfen.

Verkehrsschule - eine Aktion der Elternbegleitung Schweinfurt
Aktionen der Elternbegleitung Schweinfurt wie die Fahrradaktion "Verkehrsgarten" Elternbegleitung Schweinfurt

Landkreis weitet Elternbegleitung aus

Auch im Landkreis Schweinfurt hat sich das Angebot etabliert. Die Arbeit auf dem Land bringt andere Herausforderungen mit sich als in der Stadt, sagt Judith Neukirchner, Koordinatorin der Elternbegleitung im Landkreis Schweinfurt. Die Wege sind länger, öffentliche Verkehrsmittel fahren seltener und zentrale Treffpunkte fehlen.

Malprojekt 2024 der Elternbegleitung Schweinfurt: Ein Kind malt ein Blatt Papier gelb an.
Malprojekt 2024 der Elternbegleitung Schweinfurt Elternbegleitung Schweinfurt

Deshalb sucht das Team nach gut erreichbaren Anlaufstellen und Kooperationspartnern, die Räume zur Verfügung stellen. Schulen, Kitas und das Gesundheitsamt helfen außerdem dabei, Familien auf das Angebot aufmerksam zu machen. „Man kann nicht in jedem Ort etwas anbieten“, sagt Neukirchner. Umso wichtiger seien Orte, die zentral liegen und möglichst viele Familien erreichen.

Kinderfreundliche Angebote müssen auch erreichbar sein

Ist Schweinfurt kinderfreundlich? Dorothee Marschall und Judith Neukirchner finden: In Stadt und Landkreis gibt es viele gute und bezahlbare Angebote für Familien. Dazu gehören Spiel- und Sportplätze, Schwimmbäder und der kostenlose Wildpark in Schweinfurt.

Doch ein Angebot allein macht noch keine kinderfreundliche Kommune. Familien müssen davon erfahren, es erreichen und ohne unnötige Hürden nutzen können.

Die Elternbegleitung der Diakonie organisiert deshalb auch gemeinsame Ausflüge. Familien werden beispielsweise an einer Bushaltestelle in ihrer Nähe abgeholt und fahren zusammen zum Wildpark. So lernen sie einen Ort kennen, den sie später selbstständig besuchen können.

„Es gibt schöne Plätze“, sagt Marschall. „Aber es wird den Familien nicht immer leicht gemacht, sie zu finden und zu nutzen.“

ARD-Mitmachaktion #unsereKinder

Die Diakonie gehört zu den Unterstützern der ARD-Mitmachaktion #unsereKinder.

Tobi Krell ist #unsereKinder-Botschafter Wie machen wir Deutschland kinderfreundlicher?

Wo fühlen sich Kinder wohl? Wo braucht es mehr Platz zum Spielen oder neue Ideen? Entdeckt eure Umgebung und tragt kinderfreundliche Orte und Aktionen auf der #unsereKinder-Karte ein.

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Andrea Wieland