Kinderschutzbund

Bundesweit erster Kinderrechte-Gipfel in Kiel

Nicht Erwachsene geben die Richtung vor: Beim ersten Kinderrechte-Gipfel am 7. Juni entscheiden Kinder und Jugendliche – von der Idee bis zum Programm.

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Von Autor/in Andrea Wieland

Nina Becker vom Kinderschutzbund Schleswig-Holstein erzählt von einer Begehung an der Universität Kiel, wo der Gipfel am Sonntag stattfinden wird. Erwachsene diskutierten sofort über Wegweiser und Beschilderung. Kinder finden das doof. „Kinder sind völlig intuitiv, die laufen einfach los“, sagt Becker. Und so kämen sie eben auch dort an, wo was geboten werde.

Seit etwa einem Jahr wird am Programm gearbeitet und schnell zeigte sich: Das wird anders. Während Erwachsene klassische Arbeitsgruppen und Vorträge vorgeschlagen hätten, entwickeln die jungen Beteiligten eine Kinderrechte-Rallye, eine Art Schnitzeljagd mit Stationen und Gewinnen. Andere planen ein Theaterstück mit eigens erfundenen „Kinderrechte-Monstern“. Die sieht man auch in den Reels, die für den Kinderrechte-Gipfel gedreht wurden.

Alle haben das gleiche Stimmrecht

Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein spricht von einem gemeinsamen Prozess. Die 13 Kinder und die 11 Jugendlichen haben dieselben Stimmrechte wie Erwachsene. Pädagogische Fachkräfte verstehen sich vor allem als Begleitung und nicht als Entscheider. „Wir Erwachsenen haben genauso viel Stimmrecht wie die Kinder – nicht mehr und nicht weniger.“

Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Denn viele Beteiligungsprojekte enden dort, wo Erwachsene das letzte Wort behalten. Der Kinderrechte-Gipfel soll bewusst anders funktionieren.

Kinderrechte-Gipfel in Kiel am 7. Juni
Kinderrechte-Gipfel in Kiel am 7. Juni Kinderschutzbund Schleswig-Holstein

Und plötzlich begreifen Kinder ihre Rechte

Besonders überraschend sei für viele Erwachsene, wie wenig Kinder ihre Rechte überhaupt kennen. Nina Becker kommt seit Jahren mit dem Programm „Zeit für Kinderrechte“ an Grundschulen in Schleswig-Holstein. Wenn dort gefragt werde, wer Kinderrechte kenne, meldeten sich oft nur wenige Kinder. Dabei existiert die UN-Kinderrechtskonvention seit mehr als 35 Jahren.

Besonders eindrücklich beschreibt sie Momente, in denen Kinder während des Workshops plötzlich erkennen, dass bestimmte Erfahrungen zu Hause nicht okay sind und dass sie Gewalt oder Angst nicht einfach hingenommen müssen.

Was passiert, wenn Kinder wirklich mitentscheiden dürfen?

Für Becker sind Kinder keine Objekte, über die Erwachsene entscheiden. Sondern Menschen mit eigenen Rechten und eigener Perspektive. Deshalb spricht sie immer wieder von „Augenhöhe“. Nicht im Sinne von „runterbeugen“, sondern im Sinn echter Gleichwertigkeit. Nina Becker drückt das so aus: „Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt.“

Wie die Kinderrechte-Monster entstanden

Wie ernst die Beteiligung genommen wird, zeigt sich auch am Plakat. Kinder entwickeln Figuren für den Gipfel – kleine Monsterchen in Form von Regenbogen, Fußball oder einer Wolke, die die Einforderung von Kinderrechte symbolisieren sollen. Gemeinsam mit einem Grafikdesigner entstehen daraus die offiziellen Motive der Veranstaltung. Und die Monster kommen auch in den Reels vor:

„Beteiligung darf kein nettes Extra sein. Sie muss Teil unserer Kultur werden.“

Was wird bleiben von einem bunten Familien-Tag im Juni? Nina Becker erklärt, dass die Ergebnisse dokumentiert und weitergetragen werden sollen – in Politik, Schulen und Verbände. Ziel sei es nicht nur Aufmerksamkeit, sondern langfristig eine andere Kultur der Beteiligung zu erreichen. Denn Kinderrechte, sagt Becker, dürften kein kurzfristiges Projekt sein.

Beteiligung soll ja nicht passieren, weil Menschen sagen: ‚Ach wie toll, ich frage mal ein Kind. Sondern weil es im optimalen Fall die Haltung und unsere Kultur ist, Kinder und Jugendliche auf Augenhöhe zu betrachten.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Gipfels: Dass Kinder nicht irgendwann später Teil der Gesellschaft werden. Sondern längst dazugehören.

Der Deutsche Kinderschutzbund gehört zu den Unterstützern von #unsereKinder:

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Andrea Wieland