Etwa zwei Wochen nach dem Start der ARD-Mitmachaktion #unsereKinder sind bereits mehr als 600 Meldungen auf der interaktiven Deutschlandkarte angepinnt. Eltern, Kinder, Lehrkräfte, Vereine und Ehrenamtliche teilen dort ihre Erfahrungen mit kinderfreundlichen und kinderunfreundlichen Orten – aber auch mit Projekten, die zeigen, wie kinderfreundlicher Alltag gelingen kann.
Wo sind Kinder willkommen – und wo nicht? Die große Deutschlandkarte zu #unsereKinder
Wo Kinder sicher spielen können – und wo Familien Probleme sehen: Entdeckt Orte, Projekte und Erfahrungen auf der #unsereKinder-Karte.
Die heimlichen Gewinner: Bibliotheken
Besonders häufig werden Bibliotheken genannt. Und zwar nicht nur als Orte zum Lesen. Viele Familien beschreiben Büchereien als kostenlose Treffpunkte, Aufenthaltsorte und Rückzugsräume – gerade in Städten. Gelobt werden Spielecken, kostenlose Veranstaltungen, Wickelmöglichkeiten, freundliches Personal und die Möglichkeit, Zeit zu verbringen, ohne etwas kaufen zu müssen.
Eine Mutter aus Würzburg beschreibt die Bibliothek als „Ruheoase im Stadtgewusel“. Andere schreiben von Bilderbuchkinos, Bastelaktionen oder davon, dass Kinder dort einfach willkommen seien.
Viel Natur kommt gut an
Ebenfalls häufig genannt werden Waldkindergärten, Naturspielplätze, Jugendfarmen oder Abenteuerspielplätze. Viele Eltern wünschen sich offenbar Orte, an denen Kinder sich in der Natur frei bewegen können.
In den Beschreibungen tauchen immer wieder diese Begriffe auf: Freiheit, Natur, Entdecken, Bewegung und Selbstständigkeit. Kinder sollen matschen, bauen, klettern und sich ausprobieren dürfen. Wie in Leipzig auf dem Bau-Spiel-Platz "WILDER WESTEN". Ein User schreibt: „Hier können aus Holzhäuser, Hütten, Brücken und vieles mehr selbst gebaut werden. Einmal in der Woche gibt es eine Fahrradwerkstatt und es wird zusammen an den Drahteseln geschraubt. Im Garten werden Kräuter und verschiedenen Gemüsearten angebaut, es gibt es eine Feuerstelle, Lehmbau und vieles mehr.“
Kinderunfreundliche Orte: Vor allem der Verkehr sorgt für Frust
Bei den negativen Meldungen dominiert dagegen ein Thema besonders deutlich: der Straßenverkehr. Immer wieder berichten Familien von gefährlichen Schulwegen, fehlenden Zebrastreifen, zugeparkten Gehwegen oder Straßen, an denen trotz Schulen und Kitas weiterhin Tempo 50 gefahren werde. Viele Eltern schreiben, dass ihre Kinder nicht selbstständig unterwegs sein können – aus Angst vor Autos oder unübersichtlichen Kreuzungen.
Einige Meldungen schildern Beinahe-Unfälle vor Schulen oder Kitas oder vor einem Schreibwarenladen in Ilshofen. Andere kritisieren, dass sichere Radwege fehlen oder Schulstraßen trotz Beschwerden nicht eingerichtet werden. Besonders häufig fällt dabei ein Vorwurf: Kinder würden bei Verkehrsplanung und Stadtentwicklung nicht berücksichtigt. Eine Meldung aus Berlin formuliert es drastisch: „Kinder werden nicht mitgedacht und an den Rand gedrängt, damit die Autos draußen spielen dürfen.“
Viele Familien fühlen sich allein gelassen
Neben dem Verkehr nennen viele Menschen fehlende Treffpunkte, geschlossene Jugendhäuser, marode Schulen oder mangelnde Freizeitangebote.
Mehrere Meldungen beschreiben überfüllte Klassen, fehlende Hortplätze oder Spielplätze mit kaputten Geräten und Glasscherben. Besonders häufig geht es auch um fehlende Orte für Jugendliche. Viele Familien berichten, dass es kaum noch kostenlose Treffpunkte gibt.
Auffällig ist dabei die Frustration vieler Teilnehmenden: Beschwerden bei Kommunen oder Behörden würden folgenlos bleiben. So auch in einer Meldung über Missachtung einer Tempo-30-Zone in Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen.
In Lahr treffen sich Jugendliche in einem leerstehenden Geschäft
Gleichzeitig zeigen viele Einträge aber auch, wie engagiert Menschen vor Ort versuchen, etwas zu verändern. In mehreren Städten demonstrieren Familien bei sogenannten „Kidical Mass“-Fahrraddemos für sichere Schulwege und mehr Platz für Kinder im Straßenverkehr.
Anderswo entstehen neue Jugendräume: Streetworker richteten etwa in einem leerstehenden Geschäft in Lahr in Baden-Württemberg einen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche ein. Innerhalb von vier Wochen kamen dort mehr als 700 junge Menschen vorbei. Wegen des großen Erfolgs darf das Projekt zunächst weiterlaufen. Und: Beschwerden über Lärm, mit denen Thomas Hug vom Amt für Soziales, Bildung und Sport in Lahr schon gerechnet hatte, blieben aus.
Auch langfristige Projekte fallen auf: Die Initiative „Zeit für Zukunft“ in Hamburg vermittelt ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren an Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen. Ziel ist es, Kinder individuell zu begleiten und ihre Stärken zu fördern.
Andere Aktionen setzen auf Mitbestimmung: Beim „Stadtspiel Tillhausen“ in Mölln gestalten über 300 Kinder alle zwei Jahre In einem großen Zeltlager ihre eigene Stadt – inklusive Regeln, Geldsystem und demokratischen Entscheidungen.
Was die ersten #unsereKinder-Meldungen zeigen
Die ersten 625 Einträge machen deutlich: Kinderfreundlichkeit beginnt für viele Familien nicht bei spektakulären Großprojekten. Wichtiger scheinen sichere Wege, offene Räume, kostenlose Angebote und Menschen zu sein, die Kindern zuhören und sie ernst nehmen.
Oder wie es eine Einsendung formuliert: „Hier dürfen Kinder einfach Kinder sein.“