Berkay Yilmaz will "Minuten sammeln". Dafür ist er im Sommer zum SC Freiburg zurückgekehrt - zu seinem Ausbildungsklub. "Ich bin als Jugendspieler hierhin gekommen und es war mein Traum, hier Profi zu werden", sagt der 21-Jährige im Trainingslager in Schruns im Gespräch mit SWR Sport.
Dafür musste Yilmaz jedoch einen Umweg nehmen. Für zwei Jahre war er an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Lehrjahre unter dem dortigen Trainer Miroslav Klose - weil Christian Günter beim SC Freiburg über Jahre hinaus als Linksverteidiger gesetzt war. Die Position, auf der auch Yilmaz spielen will.
Berkay Yilmaz mit starker Konkurrenz beim SC Freiburg
Der gebürtige Singener hatte sich in Nürnberg schnell integriert: 24 Spiele im ersten Jahr, 33 im zweiten. Yilmaz kommt als gereifter Spieler zurück. "In der 2. Bundesliga habe ich schon viele Spiele gesammelt. Aber Bundesliga ist nochmal extra. Als Kind träumt man immer davon. Ich bin extrem heiß und kann kaum erwarten, dass es endlich los geht", blickt das Freiburger Eigengewächs voraus.
Doch das Problem ist geblieben: Christian Günter ist immer noch Kapitän der Breisgauer und hat mit Jordy Makengo einen Backup, der ebenfalls das Zeug zum Stammspieler hat und hinten links eigentlich der "natürliche Thronfolger" beim Sport-Club ist. Wo ist dann noch Platz für Yilmaz? "Der Konkurrenzkampf stärkt mich und er stärkt die Mannschaft. Aber natürlich bin ich ein ehrgeiziger Typ und werde alles dafür geben, dass ich am Ende in der Startelf stehe." Yilmaz, Günter und Makengo seien zudem drei verschiedene Spieler-Typen, - "und wir ergänzen uns ganz gut", so Yilmaz.
Berkay Yilmaz kann mit spielerischer Flexibilität punkten
Allerdings deuteten sich im Trainingslager in Schruns mögliche Lösungen an: Beim 3:1-Testspiel-Sieg gegen Derby County spielte Yilmaz im zentralen Mittelfeld auf der Acht, im Training auch mal Rechtsverteidiger: "Ich bin einfach dankbar für jeden Minute Spielzeit, egal auf welcher Position." Da ist es von Vorteil, dass Yilmaz "gerne den Ball am Fuß hat" und "meiner Ansicht nach auch ganz gut mit der Kugel umgehen" kann.
Die spielerischen Fähigkeiten hat er sich in Singen erarbeitet. Dort ist Yilmaz groß geworden. Genau genommen: Auf dem Bolzplatz. Mit Eistee.
"Ja genau, so einer bin ich", erzählt er grinsend. "Vor allem in der Lockdown-Zeit war ich viel auf dem Bolzplatz und habe viel mit Älteren gespielt. Das hat mich dann auch geformt." Charakterlich - aber auch seinen Spielstil: "Ich bin eher der, der viele Dribblings macht, die Lösung am Ball sucht - und nicht so der Tiefenläufer."
Um auf der Bundesliga-Bühne langfristig glänzen zu können, muss Yilmaz noch an sich arbeiten. Seine größten Schwächen: "Stellungsspiel, dass muss ich noch verbessern. Miroslav Klose würde sagen, mein rechter Fuß. Er würde wohl auch sagen, ich soll häufiger aufs Tor schießen." Nun will er mit Freiburgs Chefcoach Julian Schuster an seinen Defiziten schrauben.
Berkay Yilmaz braucht sein familiäres Umfeld
Yilmaz' Eltern sind mit dem Filius nach Freiburg gezogen. "Die Bindung zur Familie ist sehr, sehr eng, weil ich weiß, was meine Eltern alles für mich geopfert haben." Zum Training beim DJK Singen, später nach Schaffhausen und Radolfzell, zu Spielen in Basel und Lugano - "die haben mich überall hingefahren".
Heute sind es "Leute, die einen pushen und mal über etwas anderes als Fußball reden". Praktisch ist es auch noch: "Es ist schön, wenn man nach Hause kommt und Mama gekocht hat." Am liebsten Lahmacun. Damit er sich in aller Ruhe auf sein Ziel konzentrieren kann: "Minuten sammeln!" Denn dafür Berkay Yilmaz im Sommer zum SC Freiburg zurückgekehrt.