Lange ist es her, mehr als 38 Jahre. Aber an jenen 15. April 1987 erinnert sich Fritz Walter, seit diesem Montag 65, immer wieder lebhaft und vor allem sehr gerne: "Es war ein Abendspiel", so Fritz Walter vor längerer Zeit in einem Gespräch mit SWR Sport, "und es war unter Flutlicht". An jenem Bundesliga-Mittwoch im Ludwigshafener Südweststadion, das Ausweichquartier des SV Waldhof, erlebte der damalige Mannheimer Torjäger seine fußballerische Sternstunde. Die Mannheimer gewannen das Bundesliga-Duell gegen den Nachbarn und Rivalen aus Kaiserslautern nach einem ganz wilden Ritt mit 4:3.
Fritz Walters erfolgreichste 90 Minuten
Und eben jener Fritz Walter schnürte für die "Monnemer" einen legendären Viererpack: "Das war ein sehr schöner Tag, volles Stadion, super Atmosphäre", schwelgte der 65 -Jährige in Erinnerung an seine erfolgreichsten 90 Minuten als Profi, "so etwas noch einmal zu wiederholen, das wäre schön gewesen". Immer noch und immer wieder wurde in den Jahren danach Fritz Walter von allen möglichen Leuten an sein damaliges Husarenstück angesprochen und gefragt, "wie das damals war, mein bestes Spiel für den Waldhof".
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Im Lauterer Tor stand Gerry Ehrmann
Der Spielverlauf vor den 32.000 Fans war ein echtes Drama: Wechselnde Führungen und sieben Treffer, dazu zwei verschossene Waldhof-Elfer. Die rasante Torfolge: 1:0 Walter, 1:1 Hartmann, 2:1 Walter, 2:2 Kohr, 2:3 Hartmann, 3:3 Walter, 4:3 Walter. Mannheims Ausgleich zum 3:3 fiel erst sieben Minuten vor Spielende. Und die Partie kippte sogar noch komplett: Per Elfmeter bezwang Fritz Walter im "Privat-Duell" FCK-Keeper Gerry Ehrmann nach 89 Minuten sogar ein viertes Mal. 4:3 für Mannheim, der Siegtreffer wurde von den Waldhof-Anhängern frenetisch gefeiert.
Ein unfassbar emotionales Erlebnis für den überragenden Torjäger: "Beim Schlusspfiff waren wir natürlich überglücklich, auch die Fans", beschrieb Fritz Walter, an jenem Tag mit 26 im besten Fußballer-Alter, gegenüber SWR Sport die Gefühlswelt. Und das vor den mehr als 30.000 Fans in Ludwigshafen - ausgerechnet auf Pfälzer Boden.
Der FCK-Ausgleich zum 4:4 wurde aberkannt
Walters 4:3-Siegtreffer war übrigens längst noch nicht das emotionale Ende des rassigen Duells: "Kurz vor dem Abpfiff fiel sogar noch das 4:4 für Lautern", behielt Fritz Walter, der auch selbst noch einen Elfer verschoss, noch alle Bilder jenes denkwürdigen Abends lebhaft vor Augen.
Der Treffer von Sergio Allievi aber wurde wegen einer angeblichen Abseitsstellung - trotz heftiger Proteste der FCK-Spieler - vom damaligen Schiedsrichter Joachim Kautschor aberkannt. Fritz Walters "Gegenspieler" im Tor der Pfälzer war damals die FCK-Legende Gerry Ehrmann: "Ein richtig guter Torwart", so Walter über den Kaiserslauterer "Tarzan", der nach dem Spiel aus Frust und Ärger kaum zu bändigen war.
Im Sommer 1987 der Wechsel zum VfB Stuttgart
Das 4:3 war übrigens Fritz Walters letztes Waldhof-Derby gegen den FCK. Der 1. FC Kaiserslautern hätte den Mannheimer Torjäger danach nur zu gerne auf den Betzenberg geholt, gerade auch nach dem legendären und spektakulären Viererpack. "Ich habe mich dann aber für den VfB Stuttgart entschieden", so Walter über seinen Wechsel im Sommer 1987 von Mannheim ins Schwabenland. Kurz nach der Zusage für die Stuttgarter klingelte übrigens auch Uli Hoeneß per Telefon bei Fritz Walter durch und hinterlegte sein heftiges Bayern-Interesse. Allerdings zu spät. Der kleine Torjäger bleib standhaft und wurde Wahl-Schwabe.
Auch vom FC Bayern gab es ein Angebot für Walter
"Beim FC Bayern hätte ich es bestimmt zum Nationalspieler geschafft", war Fritz Walter viele Jahre danach überzeugt. Beim VfB Stuttgart allerdings wurde der wendige Stürmer sportlich sehr erfolgreich und familiär überaus glücklich. Der Stürmer wurde mit dem VfB 1992 Deutscher Meister und auch Torschützenkönig der Bundesliga. Und er lebt noch immer zufrieden mit sich und der Welt in Wolfschlugen in der Nähe von Stuttgart. Dort ist er heimisch geworden.
Mit seinen vier Waldhof-Treffern am 15. April 1987 im spektakulärsten Duell gegen den FCK aber bleibt der gebürtige Heidelberger Fritz Walter, seit diesem Montag im Rentenalter und 65 Jahre alt, auch in der Fußball-Kurpfalz unvergessen.