Die größte Gegenwehr zeigten die Mainzer, als das Viertelfinal-Rückspiel gegen Racing Straßburg bereits abgepfiffen war. Straßburgs Martial Godo hatte provokant mit der Eckfahne in der Hand, auf die er zuvor sein Trikot gehängt hatte, vor der Mainzer Fan-Kurve gejubelt, daraufhin stürmte Nadiem Amiri wutentbrannt auf den 23-Jährigen zu, schubste ihn und löste eine Rudelbildung aus. "Dieser Jubel geht für mich gar nicht, gehört sich nicht, hat nichts mit Respekt zu tun", sagte Paul Nebel deutlich gegenüber SWR Sport. Derart leidenschaftlich agierten die 05er in den 90 Minuten zuvor nicht und mussten sich deshalb 0:4 (0:2) geschlagen geben. Der 2:0-Sieg aus dem Hinspiel in Mainz reichte nicht, um ins Halbfinale einzuziehen.
Urs Fischer: "Es war wirklich unterirdisch"
"Wir wurden überrollt, haben uns das ganz anders vorgestellt", erklärte Nebel. Sein Trainer Urs Fischer sprach sogar von einem "unterirdischen" Auftritt: "Wir haben uns nicht zugetraut, den Ball mal laufen zu lassen. Wir haben die Bälle eher weggehauen, als mal Fußball zu spielen. Dafür braucht es Mut." Mut, der den 05ern gefehlt hat und den die Gastgeber aus dem Elsass eindrucksvoll vorgelebt haben. Sebastian Nanasi (26.) und Abdoul Ouattara (35.) hatten den Mainzer Vorsprung aus dem Hinspiel früh egalisiert, Julio Enciso (69.) und Emmanuel Emegha (74.) schossen die Franzosen dann in die nächste Runde.
Mainz 05 war in Straßburg "chancenlos"
Vorne ungefährlich, hinten anfällig. Vom zum Teil rauschhaften Kombinationsfußball des Hinspiels war nichts mehr übrig. Oder um es mit Christian Heidels Worten zu sagen: "Wir müssen attestieren, dass wir heute chancenlos waren, dass wir gegen eine Top-Mannschaft zurecht ausgeschieden sind." Er hält die Straßburger sogar für das beste Team des Turniers. Ohne den herausragenden Torhüter Daniel Batz, der einen Foulelfmeter von Emegha (66.) parierte, wäre das Aus schon früher besiegelt gewesen. "Das tut natürlich sehr weh, weil wir uns im Hinspiel so eine gute Ausgangslage geschaffen haben", sagte Nebel.
Europapokal-Saison macht "Bock auf mehr"
Die Enttäuschung war den Mainzern unmittelbar nach Schlusspfiff anzumerken. Sie betonten aber auch, dass die Europapokal-Saison in Gänze betrachtet positiv in Erinnerung bleibe. "Das macht Bock auf mehr", sagte Nebel und fügte an, dass das Team aus solchen Niederlagen lernen könne. "Das wird bei uns keine bleibenden Schäden hinterlassen. Wir wissen genau, wer wir sind", sagte Heidel. "Jetzt fahren wir nach Hause und hatten eine überragende Conference-League-Saison." Am Sonntag (19:30 Uhr) geht es für die Mainzer in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach weiter.