Eins hat sich nicht verändert: Jule Brand will einfach nur kicken. "Ich spiele dort, wo der Bundestrainer mich aufstellt. Ich hinterfrage das nicht", antwortete die begnadete Instinktfußballerin des DFB-Teams auf die Frage, ob sie denn nun lieber auf der Zehn oder auf dem Flügel wirbele. Denn Bundestrainer Christian Wück ist auf den Geschmack gekommen, Brand auf diesen beiden Positionen einzusetzen - je nach Gegner. Also lag die Frage auf der Hand.
Gegen Österreich dreht Jule Brand nach der Pause auf
Und während Interviews nach wie vor nicht ihr Ding sind, rückt die gebürtige Germersheimerin so in der deutschen Offensive mit ihrer Flexibilität noch mehr ins Rampenlicht. Beim 5:1 (1:0) in der WM-Qualifikation gegen Österreich am Dienstag in Nürnberg war der rechte Flügel ihr Revier, und nach einer gebrauchten ersten Hälfte drehte sie dort auf. Zweimal per Ecke und einmal per Flanke war sie an deutschen Toren beteiligt, dann traf sie auch noch selbst zum 4:0-Zwischenstand.
Bundestrainer Christian Wück mit klaren Forderungen
Brand müsse wissen, "was sie auszeichnet, was sie stark macht - und das sehr oft in unser Spiel bringen", forderte DFB-Coach Wück vor dem zweiten Duell mit Österreich in Ried am Samstag (18 Uhr/live auf sportschau.de), dann bringe "sie das komplette Team weiter".
Das war nicht immer so, doch das einstige "Golden Girl" ist gereift. Mit der Bezeichnung als Toptalent kann Brand ohnehin nichts mehr anfangen. Sie wolle inzwischen ja "eine andere Rolle einnehmen", sagte die 23-Jährige, die im Vorsommer den Schritt vom VfL Wolfsburg ins Ausland zum Topklub OL Lyonnes gewagt hatte, bei "Sport1": "Mein Spielstil ist reifer geworden, ich bin nicht mehr so verkopft. Ich hatte eine gute EM, darauf möchte ich aufbauen."
Die Leichtigkeit war weg
Dabei drohte die Karriere der früherer Hoffenheimerin nach einem steilen Aufstieg zu stagnieren. Ein Stück weit war Brand die Leichtigkeit verloren gegangen. In der Bundesliga neigte sie noch zu extremen Schwankungen - zwischen Weltklasse-Szenen und Kopflos-Momenten. So sehr, dass VfL-Direktor Ralf Kellermann sich 2023 zu einer bemerkenswerten Kritik genötigt sah. Aber auch das half bei der Entwicklung.
"Am Anfang", sagte Brand, "musste ich erst lernen, damit umzugehen, aber mittlerweile sehe ich es so, dass mich diese Erfahrungen zu der Spielerin gemacht haben, die ich heute bin."
Die WM 2027 in Brasilien im Blick
Eine mit größerem Selbstvertrauen und klareren Ambitionen - vor allem im Nationalteam. "Wenn wir das alles auf den Platz bringen und als Team mit unserer individuellen Klasse auftreten", sagte sie mit Blick auf das Turnier 2027 in Brasilien, "dann sind wir auf jeden Fall in der Lage, ganz oben mitzuspielen."
Mit Brand auf der Zehn? Oder doch auf dem Flügel? "Jule ist es, ehrlich gesagt, egal", betonte Wück: "Hauptsache, sie spielt."