Meinung

Mario Basler und Frauenfußball: Würde er doch nur schweigen

Im SWR-Podcast "Mario Basler - letzter Typ" äußert sich der Ex-Nationalspieler abwertend über Frauenfußball. Sportredakteur Johannes Seemüller kann darüber nur den Kopf schütteln.

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Stand

Von Autor/in Johannes Seemüller

Mario Basler musste "leider" absagen. Der Ex-Nationalspieler wird am Mittwochabend beim DFB-Pokalspiel der Frauen zwischen dem Hamburger SV und Bayern München als Zuschauer nicht dabei sein. Der 57 Jahre alte Ex-Nationalspieler hatte eine Einladung der HSV-Frauen erhalten.

Nachdem sich Basler im SWR-Podcast "Mario Basler - letzter Typ" herablassend über Frauenfußball geäußert hatte ("Das hat mit Fußball nichts zu tun"), fuhren die HSV-Frauen auf Instagram einen eleganten Konter: "Statt lange zu diskutieren, laden wir dich einfach ein", heißt es in dem Post. "Große Bühne, großer Sport - und wir wetten, nach 90 Minuten (oder mehr) siehst du den Frauenfußball mit anderen Augen. Keine Angst: Bier gibt‘s auch."

Doch der Ex-Profi tritt an diesem Abend mit seiner Show "Basler ballert" im Stadttheater Euskirchen auf. Seine Fans werden sich an seinen Verbalergüssen erfreuen. Zoten und Schenkelklopfen sind eingepreist, vielleicht auch wieder abwertende Äußerungen zu einem seiner Lieblingsthemen: Fußball der Frauen.

Einladung der HSV-Frauen an Mario Basler

Basler, dieses lebende Fossil des Sport-Stammtischs, hatte in besagtem Podcast behauptet, Frauenfußball habe "mit Fußball nichts zu tun". Er sagte: "Allein wenn die Frauen rennen, wenn sie schießen, wenn sie grätschen. Wann siehst du mal eine Grätsche bei einer Dame, bei einer Frau?" Fußball sei für ihn "kein Frauensport". Schon früher hatte er im Zusammenhang mit Frauenfußball von "Augenkrebs" gesprochen.

Der schnoddrige und bewusst provozierende Rheinland-Pfälzer ist in meinen Augen mit seinen Äußerungen zum Fußball der Frauen längst auf dem Standstreifen der Geschichte gelandet.

Frauenfußball ist riesiger Wachstumsmarkt

Frauenfußball ist ein globaler Wachstumsmarkt, der auf immer größeres Interesse stößt. Vor gut einem Jahr gab es einen neuen Zuschauerrekord im deutschen Frauenfußball. 57.000 Fans sahen das Pokal-Halbfinale zwischen Hamburg und Bremen. Vereine investieren erhebliche Summen in die Nachwuchsarbeit.

Top-Spielerinnen wie Nationalmannschafts-Kapitänin Giulia Gwinn (719.000 Instagram-Follower, geschätztes Jahresgehalt 250.000 Euro) sind längst hochbezahlte Profis und Vorbilder für Millionen Mädchen und junge Frauen. Der Markt Frauenfußball entwickelt sich rasant, während der gedanklich offenbar steckengebliebene Basler mit seinen Lästerattacken weiter um mediale Aufmerksamkeit heischt.

Die Mär von der männlichen Grätsche

Baslers Kritik bezieht sich auch auf körperliche Aspekte, die er fälschlicherweise mit mangelndem fußballerischem Können gleichsetzt. Die aktuelle Generation der Spielerinnen hat von klein auf ebenso Leistungszentren durchlaufen wie die männlichen Fußballer. Das technische Niveau beim First Touch oder im Kombinationsspiel ist so hoch wie nie zuvor.

Und noch ein Satz zu Baslers Musterbeispiel, dem "Grätschen". Die Grätsche um jeden Preis ist im modernen Fußball komplett out. Die saubere, berechnete Grätsche wird gelegentlich zwar noch praktiziert, ist aber schon lange kein Merkmal einer modernen Verteidigung mehr. Im Gegenteil: Eine Grätsche wird meist als Zeichen eines schlechten Stellungsspiels angesehen.

Kippe im Mund, Bierglas in der Hand

Mario Basler wirkt mit seinen Äußerungen zum Frauenfußball auf mich wie ein Exponat in einem Museum für Sportgeschichte. Er verkörpert für mich den Typus "Fußballer der 90er Jahre" – Kippe im Mund, Weißbierglas in der Hand, Schweinshaxe auf dem Teller. Die innere Haltung: Früher war alles besser, und Frauen gehören maximal auf den Tennisplatz. Aber, bitte schön, "sexy".

Sollen sich seine Fans ruhig weiterhin bei Baslers Baller-Auftritten amüsieren. Ich hingegen wünschte, er würde zum Thema Frauenfußball lieber schweigen.