Nach dem Schlusspfiff schlichen die Mainzer Spieler mit hängenden Köpfen durch die heimische Arena. Mit 3:4 (1:3) waren die 05er dem Vizemeister zuvor unterlegen gewesen. Und diese Niederlage hatten sie sich selbst zuzuschreiben.
Mit teils haarsträubenden Fehlern hatten die Rheinhessen Bayer das Toreschießen leicht gemacht. Vor dem 0:1 verursachte Nicolas Veratschnig völlig unnötig einen Foulelfmeter, den Alex Grimaldo sicher verwandelte (11. Minute).
Mainz 05 macht zu viele Fehler
Dem zweiten und dritten Treffer der Gäste gingen schwere Abspielfehler im Aufbau heraus - Christian Kofane (24.) und erneut Grimaldo (45.+3) sagten danke. Passenderweise fiel der zwischenzeitliche Anschlusstreffer von Jae-sung Lee (34.) auch nach einem Patzer der Leverkusener Defensive.
Nach der Pause warfen die 05er alles nach vorne und kamen durch einen verwandelten Foulelfmeter von Nadiem Amiri (71.) erneut heran. Als die Mannschaft von Bo Henriksen dann in der Schlussphase die Defensive immer weiter lockerte, traf Martin Terrier (87.) zum 4:2. Mit wie viel Moral die Mainzer auftraten, zeigte, dass Armindo Sieb nach toller Vorarbeit von Amiri noch zum dritten Mal den Anschlusstreffer erzielte (90.). Mehr war in der achtminütigen Nachspielzeit aber nicht mehr drin.
Bungert: "Müssen cleverer sein"
Entsprechend bedient waren die Mainzer nach dem Abpfiff. "Wir haben uns heute ein bisschen selbst geschlagen, das muss man leider sagen", konstatierte Sportdirektor Niko Bungert im Sportschau-Interview. "Kämpferisch kann man uns gar nichts vorwerfen. Aber die Gegentore fallen zu einfach."
"Das tut in unserer Situation natürlich nicht gut", stellte Bungert fest. Mit vier Punkten stecken die Mainzer weiter auf Platz 16 fest. Ironischerweise schlugen sich die Rheinhessen mit dem eigenen Plan: Eigentlich waren sie es, die den Gegner zu Fehlern zwingen wollten - und machten sie dann selbst. "Das darf uns zuhause einfach nicht passieren, da müssen wir cleverer sein", sagte Bungert.
Kein Elfmeter: Amiri kann es nicht begreifen
Für Frust sorgten aber nicht die eigenen Fehler, sondern auch ein vermeintlicher des Schiedsrichterteams. In der 21. Minute waren Paul Nebel und Edmond Tapsoba ineinander gerauscht. Der Mainzer war zuerst am Ball und wurde anschließend voll vom Gegenspieler getroffen. Die Szene wurde überprüft, Schiedsrichter Florian Exner wurde jedoch nicht zum Videostudium an die Seitenlinie geschickt.
"Ich möchte eigentlich nichts gegen den Schiri sagen. Aber wir werden auch immer kritisiert für unsere Fehler. Wir können die Schiris nicht immer in Schutz nehmen, das geht mir auf den Sack. Ich habe die Szene gerade gezeigt bekommen, das ist ein ganz klarer Elfmeter", sagte Amiri nach dem Abpfiff.
"Ich sehe, dass der Spieler ein hohes Risiko geht, mit seinem linken, gestreckten Bein zum Glück vorbeirutscht. Sonst wäre es für mich ein klarer Elfmeter", sagte Schiedsrichter Exner zu der Szene. "Er trifft ihn nur mit dem Nachziehbein, das ist kein Volltreffer. In dem Fall glaube ich auch, dass es ein bisschen ein Unfall ist. Wenn man sich die Bilder jetzt anguckt, muss man sagen: Da kann man auch Elfmeter geben. Das ist für mich Ermessensspielraum, also keine Szene für den Videoschiedsrichter."
Verständlich war der Ärger Amiris gleich aus zwei Gründen. Ein Elfmeter zu diesem Zeitpunkt hätte womöglich den Ausgleich bedeutet, statt drei Mal "nur" zu einem Anschlusstreffer zu kommen. Zudem war das Einsteigen von Tapsoba zumindest elfmeterwürdiger als das Vergehen an Philipp Mwene, für das die Rheinhessen im zweiten Abschnitt tatsächlich einen Strafstoß erhielten.
Mainz 05 vor schwerem Programm
Immerhin: Die Mainzer hatten über weite Strecken gezeigt, dass sie auch Top-Teams wie Leverkusen Paroli bieten können. Ansonsten galt nach dem 3:4, das, was Amiri kurz und knapp zusammenfasste. "Bisschen Slapstick, alles bisschen wild", sagte Amiri über die knapp 100 Minuten in der Mainzer Arena. "Wir investieren, wir geben Gas. Aber das Quäntchen Glück ist grad nicht auf unserer Seite."
Die nächste Chance, das Glück zu erzwingen, bietet sich schon am Donnerstag. Dann empfangen die 05er in der Conference League Zrinjski Mostar (21 Uhr). In der Bundesliga steht am kommenden Wochenende die Partie beim VfB Stuttgart auf dem Programm (26.10., 17:30 Uhr).