Sechs Jahre lang hat Phillipp Mwene in Stuttgart gelebt, er spielte beim VfB in der Jugend und in der zweiten Mannschaft, seine Frau kommt aus Schwaben. Am Samstag trifft der Österreicher nun mit den 05ern also auf den Klub, mit dem ihn dann doch einige Dinge verbinden (15:30 Uhr im Liveticker und Audiostream auf sportschau.de).
Schlagen also am Samstag zwei Herzen in seiner Brust? Eher nicht. "Ich würde schon sagen, dass das Mainzer Herz mittlerweile größer ist. Ich habe hier meine ersten Schritte in der Bundesliga gemacht und viele erfolgreiche Spiele bestritten. Ich würde schon sagen, dass ich jetzt Mainzer bin", so Mwene, der bereits 113 Spiele für die Rheinhessen absolviert hat.
Mainz 05 mit sportlicher Achterbahnfahrt
Der Österreicher wechselte 2018 vom FCK zu den 05ern und kehrte 2023 nach zwei Jahren beim niederländischen Spitzenklub PSV Eindhoven zurück an den Bruchweg. Seitdem hat der Außenverteidiger, der sowohl links als auch rechts eingesetzt werden kann, eine sportliche Achterbahnfahrt mit den Mainzern erlebt. Quasi-Absteiger, Klassenerhalt, Qualifikation für den Europapokal und in dieser Saison wieder Abstiegskampf.
Weil die Lage Ende letzten Jahres ähnlich prekär wie in der Saison 2023/2024 war, trennten sich die 05er von Bo Henriksen und verpflichteten mit Urs Fischer einen neuen Trainer. Unter dem Schweizer haben die Mainzer nur zwei von 13 Pflichtspielen verloren, blieben zuletzt in der Bundesliga aber dreimal ohne Sieg.
Druck auf die 05er gestiegen
Weil am vergangenen Spieltag mit St. Pauli, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach gleich drei Konkurrenten siegten, ist der Druck bei den Rheinhessen wieder ein bisschen angestiegen. Besondere Bedeutung bekommt das Spiel gegen Stuttgart dadurch aber nicht. "Es ist genauso wichtig wie die Spiele davor", so Mwene, der mit seinem Team aktuell einen Punkt vor dem Relegationsplatz steht.
Stattdessen wollen die Mainzer das Positive aus den letzten Auftritten mitnehmen. "Gegen Hamburg und Leverkusen haben wir geführt, es aber nicht geschafft, über die Zeit zu bringen. Die Leistung war aber dennoch in Ordnung", so Mwene. "Das müssen wir gegen Stuttgart genauso machen. Der VfB ist ähnlich wie Leverkusen eine Mannschaft, die viel Ballbesitz haben will. Aber da sehen wir unsere Möglichkeiten: Ballgewinne und schnelles Umschalten."
Nach Remis in Leverkusen Mainz-Angreifer Sheraldo Becker: "Wir glauben daran, dass wir unsere Ziele erreichen"
Beim 1:1-Remis bei Bayer Leverkusen schoss Sheraldo Becker sein erstes Tor für den 1. FSV Mainz 05. Der Offensivspieler sprach am Tag nach dem Spiel mit SWR Sport über den Abstiegskampf und den Spirit in der Mannschaft.
Mainz 05 steht deutlich kompakter
Mwene sprach auch über die Entwicklung der Mannschaft seit dem Trainerwechsel. "Alles ist ein bisschen organisierter. Es gibt weniger Pressingphasen in unserem Spiel als davor, wo wir vielleicht größere Lücken für den Gegner aufgemacht haben", sagte der 32-Jährige. "Jetzt stehen wir immer sehr kompakt. Ich glaube, es ist wirklich schwierig, sich gegen uns Torchancen herauszuspielen." So habe Leverkusen zuletzt bis zur 60. Minute auf den ersten echten Torschuss warten müssen.
All das seien "Qualitäten, die wir uns in den letzten Wochen über viel Trainingseinheiten und Videoanalysen erarbeitet haben", so Mwene, der optimistisch in die letzten zehn Bundesligaspiele geht. "Ich bin zuversichtlich, dass es auch wieder für drei Punkte reicht, wenn wir so eine Leistung bringen."
Mwene: Die WM als "Kindheitstraum"
Auch abseits des Bundesliga-Alltags ist Mwene gefragt. Zum Einen steht er mit den 05ern noch im Achtelfinale der Conference League gegen Sigma Olmütz. Das noch deutlich größere Highlight wartet aber, wenn die Spielzeit in der Bundesliga beendet sein wird: die Teilnahme an der WM 2026 in der USA, Mexiko und Kanada.
Zum ersten Mal seit 1998 ist Österreich wieder mit dabei auf der weltgrößten Fußballbühne. "Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran (die Qualifikation) denke. Es ist ein Riesen-Event für uns Österreicher. Wir waren lange nicht mehr dabei, für mich persönlich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, dort dabei zu sein", sagte Mwene. Bevor er sich seinem Traum widmet, will er aber noch den Klassenerhalt feiern und dafür sorgen, dass die Mainzer auch im 17. Jahr hintereinander in der Bundesliga spielen.