Max Rosenfelders Berufung in Jürgen Klopps Nationalkader war für einige Fußballfans in Deutschland sicher eine kleine Überraschung. Gerade mal 284 Minuten spielte der Freiburger in diesem Kalenderjahr in der Bundesliga und wurde in dieser Saison in der Liga sogar nur ein einziges Mal eingewechselt. "Ich habe ehrlicherweise nicht so wirklich damit gerechnet," sagte der 23-Jährige im DFB-Quartier, angesprochen auf seine Nominierung, "gerade aufgrund der letzten Wochen, wo ich nicht mehr viel gespielt habe". Er habe daraufhin erst mal seinen Berater angerufen, um zu checken, ob die Nachricht des Bundestrainers ein Fake sei - war sie aber nicht. "Es war dann sehr, sehr cool, als ich seine Stimme das erste Mal gehört habe", erzählte Rosenfelder vom ersten Gespräch mit Jürgen Klopp.
Überraschter Rosenfelder
Ein wenig ungläubig wirkte der Freiburger auch noch, als er in Herzogenaurach vor den Journalisten stand. "Schon so ein bisschen surreal im ersten Moment," sagte Rosenfelder, "es sind einfach besondere Menschen, gerade als Fußballer da. Viele Spieler, zu denen man so ein bisschen aufgeschaut hat. Turniere, die man dann mitverfolgt hat". Auch wenn er selbst sich erst noch an seinen neuen Status gewöhnen muss: Für Menschen, die ihn und seine Karriere schon länger verfolgen, ist die Berufung in den DFB-Kader ein nächster logischer Schritt.
Der Weg über die U21
Schon bei der U21-EM im vergangenen Jahr war Max Rosenfelder einer der auffälligsten Akteure und hatte großen Anteil am Einzug ins Finale. Seine defensive Robustheit gepaart mit einem unglaublichen Zug nach vorne sind auffällig. Immer wieder setzt Rosenfelder zu Läufen an, die teils im eigenen Strafraum beginnen und erst am gegnerischen enden. "Ein außergewöhnlicher Spieler", attestierte der Bundestrainer bei seiner Kaderbekanntgabe und auch Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Rosenfelder schon auf dem Zettel.
Dass er nicht früher schon in den DFB-Kader berufen wurde und nicht schon mehr Einsätze in der Bundesliga hat, liegt vor allem an vielen Verletzungen - Rosenfelders größter Karrierehemmer. Das EM-Finale bei der U21 verpasste er verletzt, die komplette Spielzeit 2023/24 kämpfte er mit Patellasehnenproblemen, die darauffolgende Saison war geprägt von kleineren muskulären Problemen und auch in der vergangenen Runde machte eine hartnäckige Oberschenkelverletzung zu schaffen.
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"Freiburg-DNA"
Jetzt aber ist er fit und will im DFB-Dress überzeugen und das nicht nur mit rein physischen Leistungen. "Ich versuche einfach, ich selbst zu sein. Gewisse Werte mitzubringen, die in Freiburg auch ein bisschen geprägt werden", so Rosenfelder, der in der Freiburger Fußballschule ausgebildet wurde. Darauf setzt auch der Bundestrainer. "Ganz oft wird über Mentalität gesprochen," sagte Jürgen Klopp auf der Nominierungs-Pressekonferenz, "ich habe gerade gelesen, dass Roberto De Zerbi (Trainer von Tottenham Hotspur, Anm. d. Red.) gesagt hat, Mentalität kann mich sich nicht kaufen. Aber entwickeln und haben kann man sie. Und die Freiburger, die haben das. Die bringen das schon mit". Ähnlich bestätigt das auch Rosenfelder Teamkollege Philipp Treu: "Wir sprechen immer von der Freiburg-DNA. Die wurde uns schon in der Freiburger Fußballschule von klein auf mitgegeben. Da tragen alle die Tore, es wird zusammen gegessen, es werden die Handys weggelegt beim Essen und sowas transportieren wir einfach aus Freiburg".
Rosenfelders DFB-Chancen
Zwar kann Max Rosenfelder auch auf der Rechtsverteidiger-Position eingesetzt werden, klassisch aber spielt er in der Innenverteidigung. Dort sind die Plätze in der DFB-Elf mit Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah und Waldemar Anton bereits prominent besetzt. Die beiden Letzteren allerdings haben die 30-Jahre-Marke schon geknackt - Rosenfelders Teamkollege Matthias Ginter wurde mit seinen 32 Jahren von Klopp schon gar nicht mehr nominiert. Nicht wegen fehlender sportlicher Leistungen, sondern aufgrund des Alters. Der Bundestrainer will einen Umbruch, will einen neuen, jungen Kader für die Zukunft formen. In dieser Auswahl dürfte Max Rosenfelder eine Rolle spielen, darauf lässt auch Klopps Aussage auf der Pressekonferenz schließen: "Er wird gerade aufgebaut und es wird dosiert und es wird darauf geachtet, dass er nicht überfordert ist - aber er ist ein außergewöhnlicher Spieler."
Vielleicht bekommt er bereits in den ersten beiden Spielen unter Klopp die Chance auf einen Einsatz. Es würde zum Konzept des Bundestrainers passen. Und wenn nicht, dann gehört ihm die Zukunft. Vorausgesetzt, der Körper macht mit.
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