FIFA WM 2026 | Meinung

Die XXL-WM als Spaßmacher: Ohne die Kleinen gibt's keine großen Gefühle

Kap Verde sorgte mit dem 0:0 gegen Spanien für eine Sensation. Für SWR-Sportredakteur Kersten Eichhorn sind die Exoten immer wieder der größte emotionale Unterhaltungsfaktor.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Diese unglaublich emotionalen Bilder werden noch lange nachwirken. Als Kap Verdes überragender Torhüter Vozinha nach dem sensationellen Unentschieden gegen die Spanier tränenüberströmt und überwältigt von den Gefühlen seinen bereits verstorbenen Großeltern dankte, sorgte das bei vielen Beobachtern für Gänsehautstimmung.

Der "spanische Albtraum" mit seinen vielen Paraden, beim WM-Debüt immerhin schon 40 Jahre und zwölf Tage alt, ist seit seinem famosen Auftritt plötzlich auch Social-Media-Star mit mehreren Millionen Followern binnen weniger Stunden. Vozinha - das ist einer dieser Namen und Menschen mit ihrem sportlichen und persönlichen Profil, die man erst dank dieser sogenannten "Mammut-WM" kennenlernen durfte.

Das sind genau die Bilder und Geschichten, die über dieses Turnier hinaus haften bleiben. Das gilt aber auch für sein Team, seine Nation. Wer kannte vor dem ersten WM-Auftritt schon Kap Verde? Diese kleine Inselgruppe vor Afrika mit ihren fußballbegeisterten Einwohnern, die mit Lust, Laune und Leidenschaft ihre WM-Teilnahme feiern.

Selbst Curaçao wird nach einem 1:7 gefeiert

Und es muss nicht einmal mit einem sensationellen Erfolg wie bei Kap Verde gegen Spanien verbunden sein, um als WM-Exot zum emotionalen Spassmacher zu werden. Beispiel Curaçao, der Mini-Inselstaat aus der Karibik, der kleinste WM-Teilnehmer aller Zeiten. Trotz der hohen Niederlage im Duell mit dem deutschen Team, trotz der sieben Gegentore wurde das Team nach dem 1:7 von seinen Anhängern frenetisch gefeiert.

Comenecia - ein Held für die Ewigkeit

Wunderschön die Szenen nach Spielende mit den Spielern vor dem tiefblauen Fanblock in der Arena von Houston, mitreißend die Bilder der freudentrunkenen Menschen beim Public Viewing und beim Autokorso daheim auf der Insel. Und keine Frage, der Torschütze zum zwischenzeitlichen Ausgleich - ein gewisser Livano Comenecia - wird auf Curaçao als erster WM-Torschütze ein Held für die Ewigkeit sein. Auch das ein überraschender Name, der uns mit einem kleineren Teilnehmerfeld wohl nie begegnet wäre.

Houston

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Das DFB-Team gewann gegen Curaçao bei angenehmen 20 Grad. Trotzdem gab es verpflichtende Trinkpausen. Die FIFA sorgt sich angeblich um die Gesundheit der Spieler. Dabei geht es vor allem ums Geld.

Die Kleinen profitieren auch finanziell

Will sagen: Die XXL-WM mit erstmals 48 Mannschaften und mehr als 100 Spielen über sechs Wochen mag gewisse Längen aufweisen. Von den pekuniären Hintergedanken der FIFA ganz zu schweigen. Aber mal ganz ehrlich: Wollen wir auf die hochsympatischen Kap Verdes und Curaçaos dieser Fußballwelt verzichten? Auf die Vozinhas und Comenecias? Oder auf Elijah Just, den zweifachen Torschützen Neuseelands gegen den Iran? Oder auf Katars Jubelarien nach dem Last-Minute-Ausgleich gegen die Schweizer?

Zumal, das dürfen wir nicht außer Acht lassen, die kleinen Verbände auch finanziell von den WM-Honoraren stark profitieren und damit ihre fußballerische Infrastruktur verbessern können, die Länder oft auch touristisch durch den Multiplikator WM einen kräftigen Schub erfahren.

Dazu kommt, dass sich beispielsweise die früher oft belächelten afrikanischen Mannschaften stark verbessert zeigen. Marokko trotzte Brasilien ein Unentschieden ab, Ägypten den Belgiern, und die Elfenbeinküste dürfte am Samstag für die "Nagelsmänner" zur echten Kraftprobe werden.

In den K.o.-Runden die Großen wieder unter sich

Eine auf die Top-Teams fokussierte WM mit nur 16 oder 24 Teilnehmern wäre "Herrschaftsdenken der Mächtigen", um den ehemaligen Freiburger Kulttrainer Christian Streich zu zitieren, zumal die ganz Großen dieser Fußballwelt spätestens ab dem Viertelfinale wieder weitgehend unter sich sein dürften.

Bis dahin aber können wir uns weiter an den Emotionen der Jungs aus den exotischen WM-Nationen begeistern. Und gespannt sein, zu welchen Wundertaten dieser kapverdische Torhüter namens Vozinha in den nächsten Gruppenspielen noch so alles fähig ist.

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Kersten Eichhorn