Meinung

Scheinheilig und beschämend - die UEFA muss Infantino und Co. stoppen

Die FIFA und Gianni Infantino planen, Anteile der Fußball-WM an private Investoren zu verkaufen. Es geht der FIFA und seinem Boss nur um Geld und Macht, nicht um das Spiel, sagt SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.

Teilen

Stand

Von Autor/in Johann Schicklinski

Dass die FIFA um Präsident Gianni Infantino plant, Anteile der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, sorgt für lautstarke Empörung in der Fußball-Welt. Die UEFA sieht "eine Grenze überschritten", andere Kontinentalverbände äußerten massive Besorgnis, selbst die EU meldete sich zu Wort und forderte: "Hände weg von unserem Sport!"

Geld schlägt alles

Die Kernfrage, wem überhaupt der Fußball gehört, lässt sich meines Erachtens nicht seriös beantworten, da das "Big Business" für mich zur Unterhaltungsindustrie gehört und etwas völlig anderes ist als die Sportart, die Millionen aus purer Freude betreiben. Auf den Profifußball bezogen habe ich aber eine ganz klare Haltung: Für mich haben die FIFA und Infantino längst die Seele des Fußballs verkauft. Geld schlägt alles - das scheint beim Weltverband und erst recht bei seinem Boss oberste Devise zu sein.

Moral und Regeln spielen keine Rolle, wie sich etwa bei der gerade zu Ende gegangenen WM 2026 zeigte. Erinnert sei nur an das Einmischen von US-Präsident Donald Trump im Fall Folarin Balogun, das letztlich sanktionslos blieb.

Eine neue Dimension

Die aktuelle Volte von Infantino und der FIFA bedeutet aber eine neue Dimension. Investoren ins Boot zu holen wäre ja nur der erste Schritt. Diese beteiligen sich ja nicht, weil sie Gutmenschen sind, sondern weil sie Gewinne maximieren wollen. Eine WM mit 64 Teams, eine Abschaffung des Vierjahresrhythmus, noch mehr Unterbrechungen, die für Werbepausen genutzt werden könnten - vorstellbar ist leider fast alles.

Unwürdiges Heranwanzen von Infantino an Trump

Anrüchig ist der geplante Deal auch, weil mit einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner, Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, verhandelt werden soll. Wer das unwürdige Heranwanzen von Infantino an Trump in der Vergangenheit verfolgt hat, sollte sich darüber nicht wundern.

Verkauf von WM-Anteilen Warum Infantino mit seinem Coup durchkommen könnte

Der WM-Investoren-Deal könnte Infantinos großer Coup werden, auch mit Blick auf die eigene Zukunft. Es bleiben zwei Hürden - eine ist die US-Justiz.

Die FIFA und ihr Boss werden wie immer damit argumentieren, dass man nur das Beste für den Fußball im Sinn habe, damit dieser sich weiterentwickeln und die Welt noch mehr vereinen könne. Das ist Quatsch. Es geht nur um Kohle und darum, die eigene Macht beizubehalten oder besser noch auszubauen. Im Fall von Infantino würde der Deal wohl sogar eine Grundlage für die Karriere nach der Zeit als FIFA-Boss legen. Von wegen "nur dem Spiel verpflichtet".

Das "System FIFA"

Den 211 FIFA-Mitgliedern winkt mehr als eine Verdopplung der bisherigen jährlichen Einnahmen. Viele Verbände sind komplett abhängig von diesem Geld und sollen nun darüber entscheiden, ob das Angebot des Weltverbands angenommen wird. Wie diese Abstimmung ausgehen wird, darf sich jeder selbst ausmalen. Denn das ist das "System FIFA": Der Weltverband versorgt seine Wählerschaft mit Geld - gegen Stimmen, versteht sich.

Brief an alle Mitglieder Investorenplan - FIFA setzt Verbänden Frist

Die Mitgliedsverbände der FIFA haben bis zum 19. September Zeit, dem Investorenplan des Weltverbandes zuzustimmen. Das geht aus einem Brief hervor, der der Sportschau vorliegt.

Um den Druck noch ein bisschen zu erhöhen, hat Infantino nach Sportschau-Informationen den Mitgliedern eine Frist bis zum 19. September gesetzt. Die "vollkommen demokratischen Entscheidung" liege "in den Händen der Mitgliedsverbände", so Infantino.

Widerstand leben und nicht nur artikulieren

Ich finde diese Phrasen scheinheilig und beschämend. Und hoffe deshalb, dass auf die schnellen Parolen aus der Fußball-Welt nun rasch konzertierte Aktionen folgen. Der Widerstand muss jetzt gelebt und nicht nur artikuliert werden. Den größten Hebel hat der Europäische Fußballverband UEFA. Bei der WM 2026 standen sechs europäische Teams im Viertelfinale, drei im Halbfinale.

Investorenplan der FIFA Fußball in Aufruhr - Diskutiert UEFA heute über Boykott?

Die Ankündigung der FIFA, Anteile an der WM zu verkaufen, sorgt für Aufruhr im Fußball. Laut Medienberichten will die UEFA noch heute in einer Dringlichkeitssitzung sogar einen Bo…

Die Position der Europäer ist stark, ohne sie lässt sich kein Welt-Turnier von Wert durchführen. Die UEFA kann, sie muss Infantino stoppen. Sie hat die Werkzeuge dazu - von Drohungen bis hin zu konkreten Maßnahmen.

Die UEFA als der maßvollere Fußballverband

Auch wenn die UEFA natürlich ebenfalls nach Profit und Wachstum strebt, hat sie nun die Rolle des "guten Widersachers" inne. Der maßvollere Fußballverband sozusagen. Ich hoffe, sie wird dieser Rolle gerecht und spricht diesbezüglich mit einer Stimme, was auch den DFB miteinschließt.

Ist das alles gegeben, sollte die UEFA es meiner Meinung nach, falls nötig, auch auf eine Eskalation ankommen lassen. Um Infantino und die FIFA zu stoppen - und damit den totalen Ausverkauf des Fußballs vorerst zu verhindern.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Johann Schicklinski