Fußball-Bundesligist 1. FC Heidenheim leiht für eine Saison Torhüter Diant Ramaj von Borussia Dortmund aus und macht ihn zur neuen Nummer eins. Hintergrund für die Verpflichtung ist laut FCH-Vorstandsvorsitzendem Holger Sanwald neben der Verletzung von Frank Feller auch ein angeblich bevorstehender Wechsel vom bisherigen Stammkeeper Kevin Müller in die USA.
FCH-Vorstandsvorsitzender Sanwald will "Planungssicherheit" gewährleisten
In einer Pressemitteilung des Vereins spricht Sanwald von "der Tatsache, dass Kevin Müller unseren Cheftrainer Frank Schmidt, Torwarttrainer Bernd Weng und mich am ersten Trainingstag der Vorbereitung in einem gemeinsamen persönlichen Gespräch darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass er sich, bei einem möglichen Angebot, mit einem Wechsel in die US-amerikanische MLS beschäftigen möchte. Deshalb haben wir uns für Diant Ramaj als neue Nummer Eins entschieden." Man habe sich aus Gründen der Planungssicherheit für die Mannschaft so entschieden, sagte der Vorstandsvorsitzende weiter.
Kevin Müller: "Habe keinen Wechselwunsch"
Der langjährigen FCH-Torwart Kevin Müller selbst zeigt sich von den Plänen seines Vereins überrascht: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ich den Verein verlassen möchte - und aktuell liegt auch kein Wechselwunsch meinerseits vor. Jetzt mal ehrlich: Warum denn auch? Ich habe erst Ende Januar meinen Vertrag verlängert", erklärte Kevin Müller in einem schriftlichen Statement auf seinem Instagram-Kanal und dementierte damit konkrete Wechselpläne in die US-amerikanische MLS.
Weiter erklärt der langjährige Heidenheim-Torwart, dass er sich zum FCH bekannt habe, als es "alles andere als sicher war, dass wir kommende Saison immer noch in der Bundesliga spielen würden. Weil ich mich mit dem Club identifiziere." Seine Familie und er fühlten sich in Heidenheim wohl, seien dort verwurzelt und er habe in schwierigen Zeiten "ein Zeichen setzen" wollen.
Müller wünscht sich "sportlichen Wettkampf" - und schließt künftigen USA-Wechsel nicht aus
Dabei kritisiert Müller vor allem die Art und Weise der Entscheidung. Er wäre gerne nach Leistung beurteilt worden und wünscht sich einen sportlichen Wettkampf um den Platz im Tor: "Den wird es nicht geben. Das haben die Verantwortlichen klar kommuniziert. Das muss und werde ich akzeptieren", so Müller auf Instagram.
Allerdings erklärte der 34-Jährige auch, dass er nie ein Geheimnis daraus gemacht habe, USA-Fan zu sein. "Und sollte eines Tages vielleicht mal ein interessantes Angebot aus der MLS kommen - dann würde ich mir das gerne anhören."
Heidenheim reagiert auf Müllers Äußerungen
Inzwischen hat auch der Verein auf die Äußerungen des Torhüters in den Sozialen Medien reagiert: "Wir haben mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, wie sich Kevin Müller heute in der Öffentlichkeit geäußert hat", so Markus Gamm, Bereichsleiter Kommunikation des FCH, gegenüber SWR Sport am Dienstagnachmittag, "es ist von unserer Seite alles zu dem Thema gesagt. Das Entscheidende ist jetzt, wie er sich in der Zukunft als Teil der Mannschaft verhält".
Dass der Kampf um die Nummer eins beim 1. FC Heidenheim noch einmal aufgemacht wird, scheint also unwahrscheinlich. Die Verpflichtung von Diant Ramaj ist dagegen fix. Der 23-Jährige kehrt für mindestens ein Jahr nach Heidenheim zurück. In der U19 hatte Ramaj bereits für den FCH gespielt. Eine Kaufoption für Heidenheim gibt es laut BVB nicht.
Ramaj freut sich nach internationalen Erfolgen auf Rückkehr zu Ausbildungsverein
Seit seinem Abschied aus Heidenheim im Jahr 2021 sammelte Rückkehrer Ramaj Erfahrung in der Bundesliga, der niederländischen Eredivisie, in der dänischen Superliga sowie in der Europa League und in der Conference League. Erst im vergangenen Winter hatte Dortmund den gebürtigen Stuttgarter von Ajax Amsterdam verpflichtet und ihn mit einem langfristigen Vertrag bis 30. Juni Sommer 2029 ausgestattet. Dann wurde er für ein halbes Jahr zum FC Kopenhagen verliehen, wo er das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg feierte. In Heidenheim stand Ramaj in seiner ersten Zeit (von 2018 bis 2021) sowohl in der U19 als auch zum Teil bei den Profis zwischen den Pfosten.
Ramaj freut sich bereits auf seine Rückkehr: "Beim FCH habe ich viel gelernt und es macht mich stolz, dass ich mich künftig in der Bundesliga bei meinem Jugendverein beweisen darf. Mein oberstes Ziel ist es, mit der Mannschaft am Saisonende den Klassenerhalt zu feiern. Dafür werde ich alles geben."