So lief die vergangene Saison
Der Sport-Club beendete die abgelaufene Saison auf Platz fünf. Eine Platzierung, mit der sie in Freiburg zufrieden gewesen sein dürften, denn die Saison startete mit einer Hiobsbotschaft: Kapitänin und Leistungsträgerin Hasret Kayikci verletzte sich in einem Testspiel. Die Diagnose lautete Kreuzbandriss und bedeutete das vorzeitige Saison-Aus. Auch der Saisonstart gestaltete sich höchst ungewöhnlich. Die Partie am ersten Spieltag gegen Leverkusen, die die Freiburgerinnen nach einem späten Elfmeter mit 2:3 verloren hatten, wurde vom Sportgericht aufgrund eines Fehlers der Schiedsrichterin einkassiert und im Januar wiederholt. Nach all der Aufregung folgte aber ein starker Saisoneinstieg. An den folgenden acht Spieltagen musste sich der SC Freiburg nur zweimal geschlagen geben, schaffte gegen den späteren Doublesieger FC Bayern München sogar ein Unentschieden. Insgesamt war die Bilanz gegen die "großen" Teams solide, auch gegen die Frankfurterinnen und den VfL Wolfsburg konnte der SC punkten.
Vor allem das Freiburger Eigengewächs Cora Zicai spielte sich in den Fokus. Mit acht Toren und zwölf Scorerpunkten war sie die erfolgreichste SC-Spielerin. Das blieb auch über den Breisgau hinaus nicht unbemerkt. Im November wurde sie in die Nationalmannschaft berufen und lieferte bei ihrem Debüt mit Torvorlage und eigenem Treffer direkt ab. Im Sommer war sie bei der EM in der Schweiz.
Eine Premiere gab es auf der Trainerposition. Interimsweise übernahm Co-Trainer Nico Schneck das Zepter und vertrat Cheftrainerin Theresa Merk bis zum Winter. Erst im Dezember kehrte Merk nach ihrer Elternzeit zurück auf die Trainerbank.
Leistungsträgerinnen verließen den Verein
Der SC Freiburg steht vor einer Umbruchsaison. Insgesamt verließen neun Spielerinnen, darunter einige Stammkräfte, den Verein. Besonders schwer dürfte der Abgang von Cora Zicai wiegen, die zum Topverein VfL Wolfsburg wechselte. Aber auch die lange verletzte Rekordspielerin Hasret Kayikci, die 14 Jahre für den Sport-Club auf dem Platz stand, wird fehlen. Sie beendete ihre Karriere und bekam im letzten Heimspiel der Saison noch einmal einen kurzen Einsatz, um sich gebührend von Fans und Mannschaft zu verabschieden. Auch Ersatzkeeperin Lena Nuding, immerhin acht Jahre beim Verein, hängte ihre Fußballschuhe an den Nagel. Freiburgs Nummer eins, Rafaela Borggräfe, ebenfalls seit 2017 beim Sport-Club, wechselte nach der Saison in die Premier League.
Die neue Nummer eins
Die vakante Stelle im Freiburger Tor ist bereits wieder besetzt. Und das hochkarätig: Laura Benkarth, gebürtige Freiburgerin, die bis 2018 den Kasten der Freiburg-Frauen sauber hielt, kehrt zurück. "Es war leicht, wieder reinzukommen, weil man alles schon kennt", erzählt die Olympiasiegerin von 2016, "das hat sich spontan ergeben. Wir hatten eh über die Jahre immer so ein bisschen Kontakt." Mit 32 Jahren ist sie mit Abstand die Älteste und auch Erfahrenste im Team. Mit dem FC Bayern wurde sie deutsche Meisterin und spielte zuletzt beim Champions-League-Teilnehmer Olympique Lyon. Sie will eine Führungsrolle einnehmen. "Gerade bei einem jungen Team ist es wichtig, lautstark voranzugehen und der Mannschaft von hinten zu helfen", sagt sie, "da sehe ich bei uns noch Entwicklungspotenzial, dass man ein bisschen lauter ist auf dem Platz und sich gegenseitig pusht. Da gehört noch mehr Leben rein, aber das ist ein Entwicklungsprozess und da sehe ich meine Rolle schon auch als Führungsspielerin, um den jungen Spielerinnen in der Mannschaft helfen zu können".
Entwicklung steht ganz oben
Mit 22,5 Jahren im Durchschnitt ist der Kader der Freiburgerinnen sehr jung. Neun neue Spielerinnen stehen im Kader, für einige ist es sogar das erste Jahr in der Bundesliga. Eine Besonderheit, der sich auch der neue Trainer Edmond Kapllani bewusst ist. "Deswegen denke ich, dass es sehr wichtig sein wird, von Woche zu Woche reinzuwachsen", sagt der 43-Jährige, "und dann ist auch die Entwicklung wichtig. Nicht nur bei jungen Spielerinnen, sondern auch bei erfahrenen." So sieht es auch Laura Benkarth, angesprochen auf die Möglichkeiten in dieser Saison: "Der SC Freiburg ist ein Ausbildungsverein und wir wollen uns über die Saison entwickeln." Dazu muss sich das Team zusammenfinden. "Wir hatten eine lange Vorbereitungszeit. Aber es ist selbstverständlich, dass wir auch ein bisschen Zeit brauchen, bis wir in der Liga ankommen", findet Trainer Kapllani. "Für mich ist wichtig, dass die Mannschaft wirklich zusammenfindet, dass die Mannschaft eine Begeisterung hat beim Spielen und beim Training und dass sie den Kopf frei hat. Denn Fußball muss man genießen. Das ist meine Priorität."
Der neue Trainer Edmond Kapllani
Der neue Coach hat den Fußball jahrelang selbst genießen dürfen. Bis heute ist er der erfolgreichste ausländische Torschütze in der 2. Bundesliga, mit dem Karlsruher SC spielte er sogar im deutschen Oberhaus. Bei Freiburg ist er nun zum ersten Mal als Cheftrainer unterwegs und trainiert auch zum ersten Mal eine Frauenmannschaft. In den vergangenen zwei Jahren war er Co-Trainer bei den Karlsruher U17-Junioren. "Ich versuche es so umzusetzen, wie bei den Herren auch", sagt Kapllani, "deswegen sehe ich da keinen großen Unterschied." Etwas anders sieht das Keeperin Laura Benkarth, Frauen würden ihrer Meinung nach Ansagen des Trainers häufiger hinterfragen. "Wir wollen irgendwie den Sinn dahinter verstehen und da kommt die eine oder andere Nachfrage. Das ist vielleicht neu, wenn man vorher noch nicht in dem Bereich war. Da muss man sich ein bisschen umstellen", sagt sie, "aber er fragt auch viel und holt sich Meinungen ein. Was ich gut finde".
Spielerisch möchte der neue Trainer vor allem eins umsetzen: "Wir müssen nicht immer reagieren, sondern agieren. Das ist mein Prinzip Fußball", sagt Kapllani, "klar geht es auch ums Ergebnis, aber erst mal genießen und dann die Tugend reinbringen. Ich bin überzeugt, wer mehr Wille hat, kann mehr schaffen als andere."
Die Saisonziele des SC Freiburg sind in dieser Saison weniger an eine Platzierung geknüpft, sondern vielmehr auf das Zusammenfinden und Zusammenwirken der veränderten Mannschaft. "Wichtig ist, dass wir eine stabile Saison spielen," sagt der Trainer, "und das wofür wir stehen: die Entwicklung der Spielerinnen". Laura Benkarth hat noch weitere Wünsche. "Ich hoffe, es wird so wie jedes Jahr sein. Man hält sich irgendwo im Mittelfeld auf und kann die vermeintlich 'Großen' ärgern. Wir wollen mithalten und spielerisch etwas zeigen." Am Sonntag gegen Bremen gibt es die erste Gelegenheit. Und eins ist klar: Es wird spannend in dieser Saison für die Frauen des SC Freiburg.