Es war der 15. Januar 2025. Heute auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die TSG Hoffenheim auswärts bei Bayern München in sämtliche Einzelteile zerlegt. Mit einem 0:5 in den Klamotten durfte die Truppe von Trainer Christian Ilzer damals zurück in den Bus klettern und zurück Richtung Kraichgau zuckeln. In der Hinrunden-Tabelle belegte die TSG einen beängstigenden 16. Platz. Am Ende einer völlig verkorksten Saison robbten die Hoffenheimer gerade noch so auf den ersten Nichtabstiegsplatz.
Am Anfang war eine Wutrede
Unvergessen, was Andrej Kramaric, der mit 302 Partien zurecht gefeierte kroatische Rekordspieler der Bundesliga, einen Tag nach der Blamage in München dem US-amerikanischen Sender ESPN in einem Interview sagte. "Ich fühle eine große Scheiße im Klub." Mit diesen drastischen Worten beschrieb Kramaric aus seiner Sicht den damaligen Status Quo bei der TSG Hoffenheim. In seiner Wutrede spielte Kramaric wohl darauf an, dass sich im vorausgegangenen Sommer mit vielen Nebengeräuschen die Führungsebene bei der TSG neu aufgestellt hatte. Sportchef Alexander Rosen musste gehen. Begleitet wurden diese Veränderungen von massiven Protesten der Fans. Soweit die Geschichte.
Was ist heute anders als damals?
Es herrscht offensichtlich konzentrierte Ruhe im Verein. Jeder bei der TSG arbeitet nach Kräften daran, dass die Mannschaft Erfolg hat. Der Kader, der Trainer Christian Ilzer zur Verfügung steht, scheint zu passen. 22 Spieler verließen den Verein im vergangenen Sommer, darunter die Vereins-Legende Pavel Kaderabek. "Der Schlüssel war, dass wir hungrige Spieler in den Verein holten", erklärte TSG-Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker Mitte Dezember in der TV-Sendung "Doppelpass".
Namentlich genannt seien hier Tim Lemperle und Fisnik Asllani, die am Mittwoch die Defensive von Borussia Mönchengladbach mächtig durcheinander wirbelten. Oder Max Moerstedt, dem gegen Gladbach sein erster Bundesliga-Treffer gelang. Außerdem bringt die gesamte Mannschaft die von Ilzer geforderte hohe Intensität immer besser auf den Rasen. Es läuft einfach derzeit bei der TSG Hoffenheim.
From zero to hero
Aktuell steht die TSG durch den 5:1-Kantersieg gegen Borussia Mönchengladbach auf dem 5. Rang und ist ein Kandidat auf einen Platz im internationalen Geschäft. Der Fast-Absteiger der vergangenen Saison, der nur eine der zurückliegenden zehn Partien verloren hat, durfte den fünften Heim-Dreier in Folge feiern. Zudem sprang gegen Mönchengladbach der bisher höchste Saisonsieg heraus. Sollte das Nachholspiel bei Werder Bremen (27.01., 20:30 Uhr) gewonnen werden, ist sogar noch der Sprung auf Position drei drin. Allerdings müsste da RB Leipzig mitspielen und zeitgleich die Nachhholpartie gegen St. Pauli nicht mit einem Dreier veredeln.
SWR Sport | 19.04. ab 21:45 Uhr SWR Sport mit Hoffenheims Andi Schicker und der Meisterfrage in der Bundesliga
Entscheidet sich am Wochenende die Meisterschaft zugunsten des FC Bayern? Hoffenheim könnte gegen Dortmund Schützenhilfe leisten. Studiogast bei SWR Sport ist TSG-Geschäftsfühter Andi Schicker.
Unabhängig davon ist aber aus einem Abstiegskandidaten ein Anwärter auf die Europa League oder sogar die Champions League geworden. Nach dem Gala-Auftritt gegen Gladbach spricht "Hattrick-Macher" Andrej Kramaric offen von der Königsklasse. "Wir wollten drei Punkte holen. Wir müssen ja Spiele gewinnen und Punkte holen, weil ganz klar die Champions League unser Ziel ist", so der kroatische Stürmer.
Für den 34-Jährigen dürften in den nächsten Tagen erst einmal Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung anstehen. Und am nächsten Samstag startet die Rückrunde mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion).