Karlheinz Förster hatte alle großen Stürmer vor der Brust. Damals, in den 70er- und 80er-Jahren. In der Bundesliga Karl-Heinz Rummenigge, Horst Hrubesch oder Klaus Allofs, international duellierte er sich sogar mit dem "göttlichen" Diego Maradona.
"Ich musste immer gegen den besten Stürmer des Gegners antreten", erinnert sich der einstige Vorstopper des VfB Stuttgart und der deutschen Nationalmannschaft an seine erfolgreiche Zeit auf dem Rasen, "damals war das noch in der Manndeckung".
Karlheinz Förster: "Gerd Müller war einmalig"
Selten kamen die namhaften Angreifer gegen den zweikampfstarken Mann aus dem Odenwald zum Torerfolg. Nur einer, mit dem hatte der Europameister und Vize-Weltmeister Förster größere Probleme: mit dem früheren Torjäger-Phänomen Gerd Müller vom FC Bayern.
"Ich habe zu Beginn meiner Karriere mehrere Male gegen ihn gespielt", so Förster, "zum ersten Mal in unserem ersten Bundesligaspiel mit dem VfB nach dem Wiederaufstieg im August 1977". Die spektakuläre Partie vor 70.000 im Neckarstadion endete damals 3:3. Zweifacher Torschütze für die Bayern: Gerd Müller.
"Einen wie den Gerd habe ich nie mehr erlebt", schwärmt Karlheinz Förster (67) auch viele Jahre danach noch von den Fähigkeiten des 2021 verstorbenen Bombers der Nation, "der hat seinen Hintern rausgestreckt, sich gedreht, geschossen, Tor..."
Figur und Riecher - Undav wie einst Müller
Vergangenen Samstag in der Dortmunder Arena gab es ähnliche Bewegungen beim Torabschluss zu bewundern. Es "müllerte" beim VfB: Mit Deniz Undav wuselte ein Stürmer im Trikot der Stuttgarter über den Rasen, der nicht nur Karlheinz Förster in seiner ganzen Art und Körperlichkeit und vor allem mit seiner Torgefährlichkeit frappierend an den unvergessenen Gerd Müller erinnerte.
"Deniz hat viele Eigenschaften wie der Gerd", so Förster über den aktuellen VfB-Torjäger Undav, "der gedrungene Körper mit dem tiefen Schwerpunkt, das Auge für die Situation, vor allem der Riecher vor dem Tor. Er stellt auch gut den Körper rein. Das macht es für die Verteidiger sehr schwer".
Fünf Tore in zwei Spielen für den VfB
Trotz Undavs Super-Lauf mit fünf Treffern aus den vergangenen beiden Bundesligaspielen: "Gerd Müller war und ist unvergleichbar", ist der Stürmer-Kenner Förster nach wie vor überzeugt von der Einmaligkeit des 365-fachen Bundesliga-Torschützen, der seine Tore in einer eigenen Liga schoss.
"Auf längerer Strecke war Gerd nicht der Schnellste, dafür aber auf den ersten Metern", erinnert sich Förster an die verbissenen Zweikämpfe mit Müller, "seine Schaltung vom Kopf zu den Füßen war überragend".
Die BVB-Party gecrasht Dreimal Grüße an den Bundestrainer - VfB-Stürmer Deniz Undav überragt in Dortmund
Die Serie von fünf Siegen in Folge ist gerissen, aber der VfB Stuttgart zeigt bei Borussia Dortmund ein beachtliches Comeback.
Deniz Undav ist da von seiner Struktur als Toremacher ähnlich aufgestellt. Auch wenn Förster glaubt, "dass es die heutigen Stürmer mit der damaligen engen Manndeckung viel schwerer hätten mit dem Toreschießen".
Deniz Undav für Karlheinz Förster "ein Mann für die WM"
Außergewöhnlich war aber allemal das, was Deniz Undav beim dreifach erfolgreichen Torschuss in Dortmund ablieferte. Und deshalb ist der Stuttgarter für Förster auch ein Mann für die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft: "Wenn er fit ist, dann würde ich ihn mitnehmen", sagt der einstige weltbeste Vorstopper im Gespräch mit SWR Sport, "einen Spieler wie Undav kannst du bei einer WM immer gebrauchen".
Die WM-Quote des legendären Gerd Müller wird Deniz Undav, bei aller Wertschätzung, in dem Fall aber wohl kaum erreichen können. Bei den beiden Weltmeisterschaften 1970 und 1974 schoss der Münchner im deutschen Trikot sagenhafte 14 Tore. "Der hat", so Karlheinz Förster voller Bewunderung, "auch aus dem Nichts getroffen..."