Die sportliche Geschichte hinter dem Match zwischen Rot-Weiss Essen und dem SV Waldhof Mannheim ist schnell erzählt: Der Ruhrpottklub siegte durch einen Treffer von Marek Janssen (31. Minute) mit 1:0 (1:0). Allerdings geriet das Spiel zur Farce, nachdem in der 55. Minute ein Böller aus dem Mannheimer Fanblock in Richtung Essener Strafraum geworfen wurde und in unmittelbarer Nähe von RWE-Keeper Felix Wienand detonierte.
Wienand wurde nach einer längeren Behandlung ins Krankenhaus gebracht, die Partie war fast 50 Minuten unterbrochen. Erst nach langen Sicherheitsberatungen und Rücksprachen mit beiden Trainern wurde die Partie fortgesetzt. Beide Teams spielten zwar nach der Unterbrechung weiter, aber da war längst klar, dass das Ergebnis nur noch Nebensache ist. Auf Seiten der Kurpfälzer flog Terrence Boyd schließlich noch mit einer Roten Karte vom Platz (65.) und machte den "Schwarzen Abend" für die Gäste perfekt.
Der SV Waldhof Mannheim ging mit dem Rückenwind des 2:1-Heimerfolgs gegen Alemannia Aachen vom vergangenen Wochenende in das Spiel bei Rot-Weiss Essen. Die Gastgeber standen indes nach zuletzt zwei Niederlagen gegen direkte Konkurrenten (Osnabrück und Rostock) im Aufstiegsrennen der 3. Liga unter Druck.
Ereignisarme erste halbe Stunde
Der SVW war zu Beginn feldüberlegen und hatte die erste Gelegenheit des Spiels. Nach einem Eckball bekam Boyd den Ball aus aussichtsreicher Position per Kopf nicht druckvoll genug aufs Tor (8.). RWE hatte in der 14. Minute durch Kaito Mizuta seine erste Chance, doch der Japaner schoss aus rund 20 Metern knapp rechts am Mannheimer Tor vorbei. Das waren allerdings auch schon die einzigen Highlights der ersten halben Stunde - das Niveau der Partie war bis dahin äußerst überschaubar.
Marek Janssen bricht den Bann
In der 31. Minute ging Essen dann in Führung. Nach einem langen Ball von Michael Schultz wackelte Janssen Mannheims Abwehrspieler Niklas Hoffmann aus und traf anschließend frei vor SVW-Keeper Thijmen Nijhuis aus wenigen Metern ins lange Eck zum 1:0. Eine starke Aktion des RWE-Stürmers. Und eine Führung, die sich abgezeichnet hatte, denn mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Westfalen immer mehr die Spielkontrolle, während vom SV Waldhof offensiv nur sehr wenig kam. Zur Pause lagen die Gastgeber somit knapp in Front.
Knallkörper aus dem Waldhof-Block verletzt Essens Felix Wienand
Essen erwischte den besseren Start in die zweite Hälfte. Janssen zwang SVW-Torhüter Nijhuis nach Flanke von Marvin Obuz nach 53 Minuten zu einer Glanzparade. In der 55. Minute kam es dann zur Spielunterbrechung, weil im Waldhof-Fanblock ein Knallkörper erst gezündet und dann geworfen wurde, der auf dem Rasen ganz in der Nähe von Felix Wienand detonierte.
Der RWE-Keeper hielt sich sofort das Ohr und musste in der Folge behandelt werden. Essens Mannschaftsarzt urteilte dann, dass Wienand nicht mehr spielfähig sei. Beide Mannschaften wurden daraufhin von Schiedsrichter Lennart Kernchen in die Kabinen geschickt. Der Böllerwerfer aus dem Mannheimer Block soll mittels Videomaterial identifiziert worden sein, ist allerdings flüchtig.
Terrence Boyd muss vorzeitig runter
Nach fast 50-minütiger Unterbrechung ging es schließlich doch noch weiter, nachdem lange ein Spielabbruch im Raum stand. Begleitet wurde die Partie fortan mit gellenden Pfiffen, wenn Mannheim den Ball hatte. In der 65. Minute flog dann Angreifer Boyd vom Platz, nachdem er Gegenspieler Jannik Hofmann mit hohem Bein und offener Sohle mitten im Gesicht getroffen hatte - eine vertretbare Entscheidung. Wenig später verhinderte Nijhuis gegen Lucas Brumme mit einer Glanzparade das 2:0 für Essen (70.). Ansonsten passierte nicht mehr allzuviel und es blieb in einem skurrilen Match beim 1:0 für RWE.
"Knalltrauma" bei Wienand
Allerdings wird die Partie noch aufzuarbeiten sein, mit Sicherheit wird es im Nachgang auch zu Sanktionen kommen. Essen schrieb bei X von einem "Knalltrauma" und einer "akuten Belastungsreaktion" bei Wienand. "Ihm geht es wirklich nicht gut. Es geht um die Gesundheit eines Spielers, die wurde sehr mutwillig aufs Spiel gesetzt", sagte RWE-Trainer Uwe Koschinat bei "MagentaSport": "Wir hoffen alle, dass er keine längerfristigen Schäden davon trägt. Das ist ja bei so einer Aktion durchaus zu befürchten." Auch der Mannheimer Sportdirektor Mathias Schober übte Kritik: "Das gehört sich nicht, das werden wir aufarbeiten. Ich hoffe, dass diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die dafür verantwortlich sind."
Der SV Waldhof trifft nun auf Havelse
Essen liegt nach dem knappen Heimsieg mit nun 46 Zählern auf Rang fünf der 3. Liga, während der SVW mit 39 Zählern Neunter ist. Weiter geht es für beide Teams schon am kommenden Wochenende. Rot-Weiss muss am Samstag (07.03., 14 Uhr) bei der TSG Hoffenheim II ran. Der SV Waldhof Mannheim empfängt einen Tag später (08.03., 13:30 Uhr) den TSV Havelse.