Donald Trump und die FIFA Fußball WM 2026

Fans diskutieren über WM-Boykott 2026: "Bei diesem Präsidenten nicht"

Der politische Konflikt um Grönland befeuert die Diskussionen über einen Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Politiker, Profis und Fußballfans beziehen Stellung.

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Stand

Wolfgang Altmann ist raus. Der leidenschaftliche Fußball-Fan und seine Freunde aus Esslingen haben ihre Pläne, im Sommer zur WM in die USA, nach Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) zu reisen, verworfen. Seit der WM 1994 war Altmann bei jeder Fußball-WM dabei. Nach acht WM-Teilnahmen in Folge werden der Journalist und seine Kumpels in diesem Jahr auf das Turnier in Mexiko, Kanada und den USA verzichten. Die Tickets seien zu teuer, die Entfernungen zwischen den Spielorten zu groß. Und: "Die aktuelle politische Lage hat das noch mal verschärft", sagt Altmann. "Wir haben als Gruppe gesagt: Bei diesem Präsidenten wollen wir nicht in die USA gehen."

Auch wenn die drohende Eskalation im Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Trumps Ansprüchen auf Grönland zunächst abgewendet zu sein scheint, die Diskussionen um einen möglichen WM-Boykott europäischer Fußballnationen laufen auch in Deutschland. Angestoßen wurden sie vor allem von der Politik. Annalena Baerbock, Präsidentin der UNO-Generalversammlung, sagte beim Weltwirtschaftsforum in Davos gegenüber dem Sender ntv: "Es ist egal, ob es um internationale Politik, um Wirtschaft oder um Sport geht. Wenn man nicht eine Grundform von Regeln hat, an die sich alle halten, dann funktioniert einfach eine Fußball-Weltmeisterschaft nicht, (...) dann ist man raus."

Politiker sprechen, der DFB schweigt

Der Aalener Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter (CDU) hatte der "Augsburger Allgemeinen" am Dienstag - noch vor den Verhandlungen in Davos - gesagt, wenn US-Präsident Trump seine "Drohungen in Bezug auf Grönland umsetzt und einen Handelskrieg mit der EU anzettelt, ist für mich kaum vorstellbar, dass europäische Länder an der Fußball-WM teilnehmen." Die Bundesregierung wollte in der Debatte bisher keine Stellung beziehen. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) verwies gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf die Autonomie des Sports. "Entscheidungen über Teilnahme oder Boykott von Sportgroßveranstaltungen liegen ausschließlich bei den zuständigen Sportverbänden, nicht bei der Politik." Derartige Entscheidungen müssten im Fall der Fußball-WM von DFB oder Fifa getroffen werden, erklärte Schenderlein. Der Deutsche Fußball-Bund schweigt bisher zu diesem Thema.

Ökonom: Boykott würde Trump "an seiner Eitelkeit" treffen

Der Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatovic hingegen riet Fußball-Anhängern auch aus Sicherheitsgründen davon ab, zur WM zu reisen. "Es ist für Fans nicht sicher, zu dieser Weltmeisterschaft zu reisen", sagte Mijatovic dem "Stern". Er bezog sich dabei auch auf die tödlichen Schüsse eines US-Grenzschutzbeamten auf eine Frau in Minnesota. "Ich kann jedem Fan nur dazu raten, die WM-Spiele in den USA zu boykottieren." Der Ökonom Lucas Guttenberg von der Bertelsmann-Stiftung sagte, ein Boykott europäischer Länder würde Trump "an seiner empfindlichsten Stelle treffen: an seiner Eitelkeit." Eine WM ohne europäische Teams wäre aus seiner Sicht sportlich und medial weitgehend irrelevant. 

Erstmals seit 1994 nicht zur WM: Fußball-Fan Wolfgang Altmann
Erstmals seit 1994 nicht zur WM: Fußball-Fan Wolfgang Altmann privat

Für Fußball-Fan Wolfgang Altmann gibt es insgesamt zu viele Unwägbarkeiten hinsichtlich der WM 2026. "Diese Ungewissheit bei der Einreise, wie wird sich Trump verhalten, weiß er überhaupt noch seine Zusagen? Das sind lauter Dinge, die völlig unbekannt sind."

Bei der Fußball-WM 2022 in Katar hatte der Deutsche Fußball-Bund die Diskussion über Menschenrechtsfragen im Gastgeberland bis in die Mannschaft getragen. Dies solle nicht noch einmal passieren, signalisierte jetzt DFB-Kapitän Joshua Kimmich: "Wir haben ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns zu sehr politisch äußern." Es sei zwar auch deren Verantwortung, sich bis zu einem gewissen Punkt zu äußern, "aber ich glaube, wir haben andere Menschen in Deutschland und beim DFB, die sich da besser auskennen und sich dazu äußern können."

FIFA-Experte: "Glaube nicht, dass ein Boykott sinnvoll ist"

Fußballfan Altmann kann die Haltung Kimmichs gut nachvollziehen. Die Profis sollten sich, im Gegensatz zur WM in Katar, aufs Sportliche konzentrieren. Er selbst als Fan kann und will sich hingegen deutlich positionieren. Deshalb werden Altmann und seine Freunde erstmals seit 32 Jahren nicht bei einer Fußball-WM vor Ort dabei sein. Ob dieser private Boykott etwas bewirkt? "Das kann ich mir nicht vorstellen," sagt er, "aber ich kann das zumindest mit mir selbst ausmachen und dahinter stehen."

Nicht nur in der Politik, auch bei den Fans mehren sich die Bedenken hinsichtlich der Weltmeisterschaft in diesem Jahr. In den Niederlanden startete der Journalist Teun van de Keuken eine Petition an den nationalen Fußballverband KNBV und an die niederländische Regierung, in der ein WM-Boykott gefordert wird. Mittlerweile haben rund 144.000 Menschen (Stand: 23.01.2026) diese Petition unterzeichnet - Tendenz steigend. Der niederländische Verband KNVB teilte allerdings mit: "Wir haben uns für die Endrunde qualifiziert und werden daran teilnehmen."

Philipp Sohmer, FIFA-Experte der ARD, glaubt nicht an einen WM-Boykott teilnehmender Teams. "Ich glaube nicht, dass das sinnvoll ist. Die Frage lautet ja: Wem schadet man damit? Wenn eine Mannschaft sagt, wir fahren da nicht hin - was bringt das? Ich denke, jeder möchte den Fußball feiern. Jeder möchte dieses Turnier auch sehen - in Deutschland, in Europa. Es müsste politisch schon sehr viel passieren, dass es einen Boykott geben könnte." Sollte sich die politische Lage aber tatsächlich weiter zuspitzen, "dann muss man das politisch lösen und nicht auf den Sport abwälzen."

Stuttgart

FIFA Fußball WM 2026 FIFA-Experte Philipp Sohmer: WM-Boykott "sehr unwahrscheinlich"

Mehrere Politiker haben einen Boykott der WM als Reaktion auf die aggressive US-Außenpolitik und die Drohungen von Präsident Donald Trump gegen Europa ins Spiel gebracht.

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Stand heute wird die Fußball-WM pünktlich mit dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko angepfiffen. Deutschland trifft dann in seinem ersten Vorrunden-Spiel am 14. Juni in Houston/Texas auf Außenseiter Curaçao. Dann werden Wolfgang Altmann und seine Mitstreiter in ihrer schwäbischen Heimat vor den Großleinwänden sitzen und dem DFB-Team die Daumen drücken. "Wir sind absolute Fans, wir werden unsere Trikots anhaben und mitfiebern."

Einen Wunsch hat Altmann noch an das DFB-Team um Kapitän Joshua Kimmich. "Ich wünsche mir, dass sie Weltmeister werden und dann entsprechende politische Kommentare abgeben."

Erstmals publiziert am
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Das Gespräch führte
Franziska Röhrig, Stefan Sander
Onlinefassung
Johannes Seemüller
Johannes Seemüller, SWR-Sportjournalist

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