Sie tragen Rot und Weiß, wurden 1905 gegründet und leben vom Zusammenhalt zwischen Fans und Verein. Das klingt nach Mainz 05 - doch diesmal geht es um den Gegner der Rheinhessen: Zrinjski Mostar, den erfolgreichsten Klub Bosniens und Symbol kroatischer Identität.
Ältester Club Bosniens - mit kroatischer Seele
Zrinjski Mostar wurde 1905 von Schülern und Lehrern gegründet - damals als "Đački športski klub". Später bekam der Verein seinen heutigen Namen, angelehnt an das kroatische Adelsgeschlecht Zrinjski. Schon früh stand der "Hrvatski Športski Klub" für die kroatische Kultur in Mostar.
Während des sozialistischen Jugoslawiens wurde Zrinjski wegen seiner nationalen Symbolik verboten. Erst 1992, nachdem sich die Republik Bosnien und Herzegowina von Jugoslawien losgesagt hatte, durfte der Klub wieder offiziell bestehen - und wurde schnell zum sportlichen Aushängeschild der kroatischen Minderheit in Bosnien und Herzegowina.
Heute gilt Zrinjski als ältester noch existierender Fußballverein von Bosnien. Doch für viele Fans ist er vor allem eines: ein Identitätsanker. Das sieht man auch am Vereinswappen, welches die Verbindung zu Kroatien nahe legt.
Echos der Vergangenheit
Wer in Mostar über Zrinjski spricht, spricht selten nur über Fußball. Der Klub ist Stolz und Streitpunkt zugleich. Denn während seine Fans fast ausschließlich der kroatischen Minderheit angehören, steht der Stadtrivale FK Velež für die bosniakische Bevölkerung der Stadt.
Das "Mostarski derbi" gilt als das emotionalste Spiel des Landes - und oft als Spiegel der gesellschaftlichen Trennung. Obwohl auf beiden Seiten rot-weiße Fahnen wehen, tragen die Fangruppen beider Mannschaften immer noch ethnische Konflikte aus, in einer Stadt, die immer noch mit den Folgen des Bosnienkriegs (1992 bis 1995) und des kroatisch-bosniakischen Kriegs (1992 bis 1994) ringt.
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Seriensieger zuhause, Außenseiter in Europa
National ist Zrinjski eine Macht: Neun Meistertitel, dreifacher Pokalsieger, aktueller Champion der bosnischen Liga. Kaum ein Klub hat den Fußball in Bosnien und Herzegowina so geprägt wie die "Plemići", die Edlen. Außerhalb der Landesgrenzen bleibt der Name weitgehend unbekannt. In europäischen Wettbewerben kam Zrinjski bislang nie über die Qualifikation oder Gruppenphase hinaus.
Und doch stammt einer der größten Namen des kroatischen Fußballs von hier: Bevor Luka Modrić bei Real Madrid zum Weltstar und Ballon d'Or Sieger wurde, spielte er eine Saison lang auf Leihbasis bei Zrinjski Mostar - seine erste Station im Herrenfußball. In 25 Spielen erzielte er acht Tore und machte in der bosnischen Liga erstmals auf sich aufmerksam. Mit 18 Jahren wurde er direkt zum Spieler des Jahres in der bosnischen Liga gewählt. Der heute sechsmalige Champions-League-Sieger bezeichnete diese Zeit später als prägend: "Wer in der bosnischen Liga bestehen kann, kann überall spielen", sagte er 2009.
Trainiert wird die Mannschaft seit Anfang der Saison von Igor Stimac, der ehemalige kroatische Nationalspieler war zwischen 2019 und 2023 Nationaltrainer Indiens und 2012 für knapp ein Jahr Nationaltrainer Kroatiens.
In den Farben vereint, in den Welten getrennt
Zrinjski kommt als Außenseiter, aber nicht ohne Chance. Das erste Spiel der Conference League gewann der aktuelle Meister mit 5:0 gegen die Lincoln Red Imps aus Gibraltar. Und während in Mainz über eng getaktete Spielpläne diskutiert wird, bleibt auch Zrinjski kaum Zeit zum Verschnaufen: Schon am Samstag steht das Topspiel gegen Tabellenführer Banja Luka an