Innerhalb eines Jahres: Vom Spitzenteam zum Absteiger?

Heidelberg vor Abstieg aus der BBL: Nur noch ein Wunder kann die Academics retten

Vor nicht einmal einem Jahr standen die Kurpfälzer noch im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Nun droht drei Spieltage vor Saisonende der Abstieg in die Zweitklassigkeit.

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Von Autor/in David Luding

Zwischen 1957 und 1977 hat Heidelberg insgesamt neun deutsche Meistertitel gewonnen, war ganz klar ein Spitzenteam im deutschen Basketball. Danach folgten Jahrzehnte, in denen das Team meist in der 2. Liga spielte, zeitweise sogar bis in die drittklassige Regionalliga abgerutschte. In der vergangenen Saison wirkte es so, als könne Heidelberg endlich wieder an alte Zeiten anknüpfen: Fünfter in der regulären Saison, das Erreichen des Playoff-Halbfinals und die Qualifikation für die Champions League - es war die erfolgreichste Spielzeit seit den 1970er Jahren.

Nicht einmal elf Monate später ist die Heidelberger Basketballwelt eine ganz andere. Mit gerade einmal acht Siegen in 31 Saisonspielen sind die Academics Heidelberg stark abstiegsbedroht. Um den Klassenerhalt noch zu schaffen, braucht es ein Wunder.

Academics Heidelberg brauchen Schützenhilfe im Abstiegskampf

Um in der kommenden Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL) zu spielen, müssen die Kurpfälzer, die im Moment auf Platz 17 liegen, noch an Science City Jena vorbeiziehen. Die Thüringer haben drei Siege mehr als Heidelberg, bei noch drei ausstehenden Spielen ist die Rechnung einfach. Heidelberg muss jedes Spiel gewinnen, Jena jedes verlieren.

So könnte der Abstieg der Heidelberger schon am Samstagabend feststehen, wenn Jena zu Gast in Rostock ist. Die Rostocker, für die es noch um die Play-Ins geht, gelten zwar als Favorit, haben aber zuletzt fünf Spiele in Serie verloren. Ein Sieg von Jena wäre eine (kleine) Überraschung, aber in keinem Fall eine Sensation.

Neben Rostock ist Heidelberg auch auf Schützenhilfe aus Berlin angewiesen. Dort ist Jena am 34. und letzten Spieltag zu Gast (10.05.). Berlin gehört zwar zu den Top-Teams der Liga und rangiert in der Tabelle auf Platz 2, es ist aber gut möglich, dass es für den Klub aus der Hauptstadt am letzten Spieltag um nichts mehr gehen wird - möglicherweise eine Chance für Jena.

Heidelberg zu Gast in Jena: Der Showdown am 33. Spieltag?

Zuvor kommt es noch zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Abstiegskandidaten. Am 7. Mai sind die Kurpfälzer zu Gast in Thüringen. Heidelberg muss nicht nur dieses Spiel gewinnen, sondern auch den direkten Vergleich gegen Jena. Nach der 83:87-Hinspielniederlage müssen die Academics das Rückspiel mit mindestens vier Punkten Vorsprung für sich entscheiden. Des Weiteren braucht es Siege in den beiden Heimspielen gegen Weißenfels (04.05.) und Vechta (10.05.).

Dass Heidelberg sich in dieser fast schon aussichtslosen Situation befindet, ist für die meisten Basketball-Experten überraschend. Zur Wahrheit gehört zwar, dass die Academics seit dem Wiederaufstieg 2021 meist gegen den Abstieg gespielt haben, es fühlte sich aber so an, als könnte der Erfolg der vergangenen Saison nachhaltig sein.

Vom Halbfinalisten zum Abstiegskandidaten - eine überraschende Entwicklung

Die Arbeit von Coach Danny Jansson wirkte vielversprechend, der Kader wurde weitestgehend zusammengehalten. Dennoch waren die Verantwortlichen vor dieser Spielzeit nur vorsichtig optimistisch, sprachen davon, dass eine Platzierung zwischen Platz sieben bis zehn ein Erfolg sei. Mit einer derart enttäuschenden Saison hat am Neckar aber wohl niemand gerechnet.

Gleich zu Beginn legten die Academics einen Fehlstart hin, verloren in der Liga die ersten vier Partien. Auch wenn in der Champions League (Anm. d. Redaktion: nicht der stärkste europäische Vereinswettbewerb) zumindest die Gruppenphase noch halbwegs erfolgreich verlief, schien die zusätzliche Belastung dem Team insgesamt nicht gut zu tun. Nach internationalen Auftritten folgte meist eine Niederlage in der Liga.

Eine Saison zum vergessen: Verletzungspech, Unruhen und Trainerwechsel

Neben Verletzungspech wurde die Heidelberger Saison auch von Unruhen abseits des Basketball-Parketts begleitet. So trennte sich der Verein im Dezember überraschend von Marcus Weathers, wohl nicht sehr zur Freude von Starspieler Michael Weathers, der seinen Verbleib im vergangenen Sommer an die Verpflichtung seines Bruders geknüpft hatte.

Auch die Entlassung von Headcoach Danny Jansson brachte nicht die erwünschte sportliche Wende. Unter Carlo Finetti, der zuvor Assistent von Jansson war, wirkte das Team zwar kurzzeitig hungriger, gewann letztendlich aber auch nur drei von zehn Spielen - aller Voraussicht nach zu wenig für den Klassenverbleib.

In Heidelberg planen sie sicherlich schon seit längerem zweigleisig, sind wohl auch auf einen Abstieg in die 2. Liga vorbereitet. Noch ist es aber nicht so weit. Mit einem kleinen Wunder können die Academics die Klasse noch halten. Am Samstag werden sie hoffen, ab Montag dann selbst kämpfen.

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David Luding