Die deutschen Basketballerinnen stehen an der Schwelle zur Weltspitze. Bei der Heim-WM in Berlin wurden sie Vierte, erzielten damit das beste Ergebnis in der Geschichte des Deutschen Basketball Bunds (DBB). Mit mehr als 235.000 Zuschauern wurde bei diesem Turnier außerdem ein neuer Rekord aufgestellt. Frauen-Basketball erhielt in Deutschland eine Aufmerksamkeit wie nie zuvor. Jetzt kehren die Spielerinnen zu ihren Vereinen zurück, mit Alexandra Wilke (Keltern), Britta Daub (Freiburg) und Emma Eichmeyer (Saarlouis) spielen gerade einmal drei von zwölf WM-Teilnehmerinnen in Deutschland.
Fehlender sportlicher Wettbewerb auf Bundesebene
Die Karlsruher Lehrerin Alexandra Wilke ist in der DBBL für Serienmeister Keltern aktiv. Gerade noch in Berlin von mehr als 10.000 Zuschauern bejubelt, spielt sie in knapp zwei Wochen wieder vor rund 300 Fans. Wilke sieht bezüglich der höchsten deutschen Frauenliga ein zentrales Problem. "Wir haben seit Jahren nur zehn Teams in der Liga. Wir haben keine Absteiger, das finde ich schwierig" sagt Wilke. Derzeit gebe es aber keine interessierten Vereine um die Liga zu vergrößern, so fehle es am sportlichen Wettbewerb.
Basketball-WM Nach Halbfinal-Einzug: Lehrerin Alexandra Wilke darf "schwänzen"
Alexandra Wilke erlebt gerade besondere Tage bei der Basketball-WM in Berlin. Andere Termine müssen dafür weichen.
Bundestrainer Lange: "Strukturen vor 20 Jahren teilweise besser als heute"
Wenn Bundestrainer Olaf Lange nach der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) gefragt wird, antwortet der 54-Jährige kritisch: "Meine Zeit in der DBBL war von 1995 bis 2004. Damals hatten wir in den Top-Vereinen bessere Strukturen als heute." Insgesamt sei die DBBL international nicht konkurrenzfähig und biete den deutschen Talenten daher keine Perspektive.
Alba Berlin als positives Beispiel: Gemeinsame Strukturen mit Männer-Liga
"So wirklich professionell sind wir noch nicht," sagt auch Wilke über die Liga. Immerhin würden Vereine wie Alba Berlin (zwölffacher Deutscher Basketball-Meister bei den Männern) der DBBL guttun. Seit vier Jahren spielt der Hauptstadtklub in der ersten Frauenliga, wurde sogar schon einmal Meister. "Teams wie Alba Berlin können viel von den Männern übernehmen. Die haben regelmäßig Physio, die haben viele Hallenzeiten. So etwas hilft", sagt Wilke und hofft, dass sich die gesamte Liga langfristig professionalisiert.
Professionalisierung an Standorten bleibt mühsam
In den meisten Vereinen verteilt sich die Verantwortung bisher aber auf zu wenige Schultern. Brechen diese Menschen weg, ist oft auch der Bundesligastandort in Gefahr. Das weiß auch Ireti Amojo, die seit Anfang des Jahres Vorstandsvorsitzende der DBBL ist und für mehr Professionalisierung kämpft. Der Hype, den es in Berlin gab, sei aber nicht "übertragbar auf Nördlingen, Keltern oder Osnabrück" sagt Amojo und fügt hinzu: "Die Herausforderungen bleiben an den Standorten. Die strukturellen Herausforderungen sind andere."
Vor allem die Vereine in den kleineren Städten tun sich schwer, Vorgaben wie digitale Bandenwerbung, Social Media-Auftritte oder hauptamtliche Jugendtrainer umzusetzen. Doch genau das wird nun benötigt, um die Aufmerksamkeit der WM zu nutzen.
Wir können uns jetzt nicht mehr hinstellen und sagen: Das interessiert doch eh keinen. Die WM hat gezeigt, dass der Frauenbasketball Relevanz hat und wir in die Strukturen investieren müssen.
Erfolg der Nationalmannschaft nur mit langfristiger Liga-Entwicklung möglich
Auch der Deutsche Basketball Bund ist gefordert. Das Nationalteam sei nicht wegen, sondern trotz der DBBL so gut wie noch nie, erklärt Bundestrainer Lange: "Ich muss dafür Sorge tragen, dass unsere Top-Spielerinnen ins Ausland gehen. So lange sich in der DBBL nichts tut, finde ich es sehr schwierig, den Erfolg, den wir gerade haben, zu erhalten." Nach den historischen Tagen von Berlin gehe es nun um die Zukunft des deutschen Frauenbasketballs. Die DBBL mit Keltern, Freiburg und Co. startet in knapp zwei Wochen in die neue Saison.