Radsport

Ortwin Czarnowski: Mit 86 Jahren noch täglich auf dem Rad

Zweimal gewann Ortwin Czarnowski die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, 1968 fuhr er sogar bei den Olympischen Spielen. Auch heute, mit 86 Jahren, ist das Rennrad immer noch sein täglicher Begleiter.

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Von Autor/in Amelie Ruhr

Ein paar Jahrzehnte älter als in den 1960er Jahren, aber immer noch topfit: Früher stand Ortwin Czarnowski oft auf den Podien des Radsports, heute steigt er mit seinen 86 Jahren immer noch jeden Morgen aufs Rad.

Nachdem der gebürtige Brandenburger mit 19 Jahren aus der DDR floh, lebte er zunächst zwei Jahre im Lager Weinsberg, einer damaligen Aufnahmeeinrichtung für DDR-Flüchtlinge. Sein Rennrad hatte er mit über die Grenze genommen. „Ich bin eigentlich mittellos gewesen, nur das Rad war eben da und ich wollte Radrennfahren“, erzählt der 86-Jährige im Gespräch mit SWR Sport.

Mit dem Rennrad nach Frankfurt

Seine Anfänge als Radrennfahrer sind Czarnowski bis heute in guter Erinnerung, ganz besonders ein Rennen in Frankfurt am Main. „Ein Auto hatte ich nicht, die Bahn war zu teuer. Dann bin ich mit dem Rad durch den Odenwald gefahren, bis nach Frankfurt.“ Die sportliche Anreise hielt ihn nicht vom Erfolg ab, Czarnowski kam als Erster ins Ziel. „Sonntagfrüh war das Radrennen und ich hab’s gewonnen. Dann bin ich mit dem Kranz zurückgefahren. Da war ich sehr stolz.“

Anfang der 1960er Jahre zog es Czarnowski nach Heilbronn, wo seine Karriere weiter Fahrt aufnahm. Sein Ziel war es, sich im Etappenrennsport zu beweisen. Mit Erfolg: 1965 gewann er seine erste Deutschlandrundfahrt. Im darauffolgenden Jahr feierte die internationale Rheinland-Pfalz-Rundfahrt ihre Premiere und ihr erster Sieger war Ortwin Czarnowski. Zwei Jahre später konnte er seinen Triumph wiederholen.

1968: Olympia in Mexiko-Stadt

Der Höhepunkt seiner Karriere folgte 1968 mit den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt, wo er im Straßenvierer an den Start ging. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal an den Olympischen Spielen teilnehmen werde. Da bin ich auch ein bisschen stolz“, verrät er heute.

Das „rollende Klassenzimmer"

Nach seiner aktiven Radsportkarriere wurde Ortwin Czarnowski Lehrer, blieb dem Radsport aber treu und engagierte sich weiterhin im Radverein. Dabei setzte er sich zum Ziel, junge Menschen für den Sport zu begeistern.

Mit seiner Pensionierung gab Czarnowski dieser Leidenschaft eine neue Richtung, entwickelte das „rollende Klassenzimmer“ und radelte mit Schülerinnen und Schülern von Heilbronn nach Berlin. „Ich wollte denen einfach mal zeigen, wie das denn mal war. Zwei deutsche Staaten und es ging eine Grenze durch Deutschland. Die haben das ja gar nicht miterlebt!“

Wenn der heute 86-Jährige an damals zurückdenkt, vermisst er diese Zeit. „Das waren Erlebnisse, denen trauere ich heute noch ein bisschen nach. Es waren schöne Zeiten!“

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Amelie Ruhr