Laura Siegemund winkte enttäuscht ins Publikum, klopfte sich auf die Brust und durfte doch stolz vom Centre Court gehen. Trotz einer lange Zeit fabelhaften Leistung hat die 37-Jährige in einem Drei-Satz-Krimi gegen die Topfavoritin die nächste Sensation in ihrem Wimbledon-Märchen verpasst.
Die Überraschungs-Viertelfinalistin unterlag der Weltranglistenersten Aryna Sabalenka mit 6:4, 2:6, 4:6 und schaffte damit nicht den Einzug in ihr erstes Halbfinale beim Rasen-Klassiker.
Siegemund: "Hätte gewinnen können"
Dass sie durchaus auch als Siegerin vom Platz hätte gehen können, weiß Siegemund: "Momentan bin ich einfach etwas enttäuscht, denn es war ein gutes Match, keine Frage. Aber ich hätte auch gewinnen können, wenn ich ein paar Sachen besser gemacht hätte, und das wurmt mich, das ärgert mich, weil ich das besser kann."
Perfekter Start für die 37-Jährige
Vor großer Kulisse schlug Laura Siegemund von Beginn an stark auf. Ungläubig jubelten auch die Zuschauer, als die Schwäbin bereits nach 15 Minuten per Rückhand das zweite Break zum 3:0 schaffte.
"Es ist eine wirklich schöne Erfahrung", sagte Siegemund nach dem Auftritt auf dem größten Platz im All England Club. "Es ist ein schmaler Grat, ich wollte es nicht nur genießen, sondern auch ein gutes Match spielen. Ich musste im Tunnel bleiben."
Siegemund lässt zu viel liegen
Im Tunnel zu bleiben gelang der gebürtigen Filderstädterin gut, der erste Durchgang ging an sie. Auch in Satz zwei und drei war die Deutsche stetig an ihrer Gegnerin aus Belarus dran, führte das Match auch immer wieder an. Doch in den entscheidenden Momenten vergab Siegemund zu viele Gelegenheiten für ein Break.
Aryna Sabalenka hingegen nutze jede Schwächephase ihrer Gegnerin gnadenlos aus. Nach fast drei Stunden verwandelte die Weltranglistenführende ihren ersten Matchball. "Ich hatte Chancen, die ich nicht genutzt habe. Aber es ist ein Grand-Slam-Viertelfinale. Sie ist nicht umsonst die Nummer eins der Welt. Manchmal ist es okay, nicht perfekt zu sein", erinnert sich die Deutsche im Anschluss selbst.
Laura Siegemund: "Bin nach wie vor brandgefährlich"
Auch wenn der Traum von Halbfinale nun vorbei ist, waren die Mühen für Laura Siegemund nicht umsonst: "Ich nehme aus dem Turnier mit, dass ich nach wie vor brandgefährlich bin. Nicht nur für große Namen. Wenn dann irgendwann mal ein bisschen Entspannung eingekehrt ist, dann werde ich auch richtig stolz darauf sein können. Ich bin aber auch jetzt schon stolz."
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Laura Siegemund will in Wimbledon die nächste Sensation schaffen. Die 37-Jährige trifft auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka. Boris Becker sagt, was ihm an Siegemund besonders gefällt.
Sprung um rund 50 Plätze in der Weltrangliste
In der Einzel-Weltrangliste klettert die Doppel-Spezialistin an die Top 50 heran. So kommt es von kommendem Montag an zur ungewöhnlichen Situation, dass das deutsche Damen-Tennis von Tatjana Maria (Bad Saulgau) und Siegemund, zwei 37-Jährigen, angeführt wird. Erst knapp hinter der Wimbledon-Viertelfinalistin kommt die 14 Jahre jüngere Eva Lys.
Auf ihre Turnierplanung habe der Sprung um rund 50 Plätze keinen großen Einfluss, außer dass sie es bei einigen Turnieren nun leichter ohne Qualifikation ins Hauptfeld schaffe, berichtete Siegemund. Auch im geliebten Doppel, aus dem sie in Wimbledon wegen der großen Belastung zurückzog, will sie nicht zurückstecken. "Es verschafft mir Luft, und mich weiter in die Top 100 zu hangeln", kündigte sie an.