Eishockey bei Olympia 2026

Moritz Seider: "Talentiertestes Team, mit dem ich auf dem Eis gestanden bin"

Die deutsche Olympia-Mannschaft ist für Moritz Seider das "talentierteste Team, mit dem ich auf dem Eis gestanden bin". In Mailand will er Großes erreichen.

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Von Autor/in Michael Richmann

Moritz Seider hat Bock auf Olympia. Und er hat Bock auf diese Nationalmannschaft: "Also ich würde schon sagen, dass wir mit Abstand das talentierteste Team sind, das ich bis jetzt kenne oder mit dem ich auf dem Eis gestanden bin." Große Worte für jemanden, der sonst bei den Detroit Red Wings in der besten Eishockey-Liga der Welt auf dem Eis steht. "Und trotzdem glaube ich, muss man ehrlich sein und die Erwartungen wieder ein bisschen zurückschrauben, weil andere Teams deutlich tiefer besetzt sind als wir."

Im Auftaktspiel gegen Dänemark ist das DEB-Team den Erwartungen gerecht geworden. Ausnahmestürmer Leon Draisaitl hatte Deutschland bereits nach 23 Sekunden in Führung gebracht. Ottawas Stürmerstar Stützle gelang beim 3:1-Sieg ein Doppelpack (25. Minute/31.). Fast hätte Seider sich ebenfalls in die Torschützenliste eingetragen. Sein Schuss ging jedoch an den Pfosten.

Seider will mit Deutschland wieder Olympia-Geschichte schreiben

Viel Zeit hat Seider nicht, um das olympische Flair zu genießen. Allerdings ist der 24-Jährige nicht aus Detroit nach Mailand gekommen, um durch das Olympische Dorf zu flanieren: "Wir haben gute Chancen, ein ordentliches Turnier abzuliefern, uns einen Namen in der Welt zu machen und hoffentlich den Sport ein bisschen wachsen zu lassen in unserem Land." Was ihn so optimistisch stimmt? "Es ist immer was anderes, ob man mit einem Arbeitskollegen aufs Eis geht oder mit jemandem, wo man weiß, dass er dir den Rücken freihält und sich wahrscheinlich auch 'ne Kugel einfangen würde." So scharf wird beim Eishockey dann doch nicht geschossen. Aber auf Zusammenhalt legt Seider Wert: "Es ist wichtig, dass die Kabine funktioniert."

Moritz Seider will mit dem deutschen Olympia-Team auf 2026 in Mailand glänzen.
Moritz Seider hat in der NHL bewiesen, dass er bereit ist, für den Erfolg einiges einzustecken.

Während der Vorrunde gegen Dänemark (3:1), Lettland (14.2., 12:10 Uhr) und die USA (15.2., 21:10 Uhr) schraubt Bundestrainer Harold Kreis mit dem Team nur noch an ein paar Details: "Eishockey spielen kann jeder", meint der Kapitän. "Ich glaube, jetzt geht es nur noch um kleine Feinheiten, damit das Forecheck ordentlich sitzt, dass wir wissen, wo wir hinmüssen, wenn wir die Scheibe bekommen. Was wir machen, wenn der Gegner uns unter Druck setzt, dass wir bereit sind für ein gutes Überzahl und Unterzahl."

Seider führt das deutsche Olympia-Team als Kapitän aufs Eis

Moritz Seider will mit dem deutschen Olympia-Team auf 2026 in Mailand glänzen.
Wie schon bei der Eishockey-WM 2025 führt Moritz Seider das deutsche Olympia-Team als Kapitän aufs Eis.

Der WM-Kapitän der Nationalmannschaft, der in Zell (Mosel) geboren wurde und bei den Adlern Mannheim groß geworden ist, gehört mit 386 NHL-Spielen (36 Tore, 182 Vorlagen) zu den Führungsspielern im deutschen Team. Auch Superstar Leon Draisaitl, Lukas Reichel, Nico Sturm, Tim Stützle, Torwart Philipp Grubauer Tobias Rieder, und JJ Peterka kommen mit viel NHL-Erfahrung nach Mailand. Das Team ist zusammengewachsen: "Jeder weiß vielleicht auch mal, wenn der andere einen schlechten Tag hat, was auch völlig in Ordnung ist. Aber dann weiß man trotzdem wieder, wie man den Jungen aufbauen kann."

Nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei in Peking 2022 will Seider diesmal mehr: "Natürlich wollen wir auch einfach ein bisschen Geschichte für uns selber schreiben. Jeder, der vor vier Jahren dabei war, der hat immer noch so ein bisschen bitteren Beigeschmack", meint Seider. "Das merkt man den Jungs auch an. Jetzt sind alle voller Vorfreude, auch die Großen ein bisschen zu ärgern, mit denen mitzuspielen und einfach mal zu sehen, wo man steht in der Welt." Der Auftakt ist jedenfalls gelungen.

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Autor/in
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.
Das Interview führte
Jan Ebling