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Paralympics-Siegerin Maike Hausberger: Zwischen Titeljagd und Existenzängsten

Nach dem Paralympics-Sieg von Paris startet Maike Hausberger sportlich völlig befreit in die Rad-WM im belgischen Ronse. Doch abseits der Rennen begleiten sie große Sorgen.

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Maike Hausberger erlebte vor genau einem Jahr die sportlich schönste Woche ihres Lebens. Erst mit Bronze auf der Bahn die Erlösung, dann mit Gold auf der Straße die Krönung: "Es war alles unglaublich, ich bin bis heute geflasht, was ich da alles erreicht und geleistet habe", erzählt die Radfahrerin: "Rein menschlich hat sich seitdem sehr viel getan, ich durfte viel erleben."

Doch trotz aller Einladungen, Ehrungen oder "schönen" Events begleiteten sie auf dem Weg zur am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft im belgischen Ronse viele Probleme.

Hausberger kritisiert fehlende Förderung und Absicherung

Ein fehlendes Zeitfahrrad, geringes Interesse von Sponsoren - und generell eine mangelhafte Absicherung: Trotz ihres magischen Paralympics-Triumphs von Paris hat sich wenig zum Guten gewandelt. "Ich habe den größten Erfolg gefeiert, den man im Sport haben kann. Ich finde, dem sollte mehr Respekt gezollt werden", so Hausberger mit Nachdruck in der Stimme: "Der Para Sport steckt in Deutschland immer noch in den Kinderschuhen, was Material und Unterstützung betrifft."

Man müsse "echt hart kämpfen und immer wieder aufstehen, bis man bei Leuten ist, die einen wirklich unterstützen", führt sie aus. Ihr ohnehin in die Jahre gekommenes Zeitfahrrad hatte sie nach einem Vereinswechsel beispielsweise ihrem alten Klub aus Cottbus zurückgeben müssen. Ersatz gab es erst wenige Tage vor Saisonstart, doch auch ohne große Trainingszeit bewies sie mit dem Gesamtweltcupsieg im Mai wieder einmal ihre Ausnahme-Qualitäten.

Paralympics-Siegerin Hausberger: "Existenzängste"

Trotz Weltklasseleistungen fühle sie sich in Sachen Rahmenbedingungen "zu großen Teilen" wie ein Amateursportler. "Ich würde mir wünschen, dass wir als Athleten besser abgesichert sind", betont die Triererin: "Wenn ich Training fahre, mir die Vorfahrt genommen wird und ich einen Unfall habe, für den ich gar nichts kann und der mich gegebenenfalls invalide macht, fliege ich von der aktuellen Lebensfinanzierung auf null - und zwar ohne Zwischenstufe."

In ihrem "Unterbewusstsein" seien mit Blick auf die Zukunft "schon gewisse Existenzängste dabei". Deshalb werde sie ihre Prioritäten in Richtung Berufliches verschieben. Ihr "Sportlerherz" sage zwar, dass sie bis zu den Paralympics in Los Angeles 2028 weitermachen wolle. Aber eben nur, wenn sie "einen Arbeitgeber finde, der den Sport mitträgt", so Hausberger. In den WM-Tagen von Belgien bis Sonntag ist die langfristige Planung aber erstmal nebensächlich.

Hausberger will befreit bei WM in Ronse antreten

Beim ersten Großereignis seit ihrer Goldmedaille im Einzelzeitfahren von Paris tritt die frühere Leichtathletin und Triathletin ganz befreit an. "Ich gehe mit dem Gedanken nach Ronse, dass ich alles erreicht habe, was ich in meiner Karriere erreichen konnte. Ich bin die Gejagte unter allen Athletinnen", sagt Hausberger. Bei aller Lockerheit wünsche sie sich aber schon, "eine Medaille oder auch ein Regenbogen-Trikot mit nach Hause zu nehmen". Es wäre mal wieder die Belohnung für den ständigen Kampf gegen schwierige Rahmenbedingungen.

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Sophie Salmen

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